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Medizin

Hypothese: Zungenkrebs durch Zahnersatz

Dienstag, 11. November 2014

Brisbane – Ein auffällig hoher Anteil von Kopf-Hals-Tumoren entwickelt sich – insbeson­dere bei Nichtrauchern – im Randbereich der Zunge, weshalb australische Forscher in JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery (2014; doi:10.1001/.jamaoto.2014.2620) vermuten, dass die Reibung von Zähnen, insbesondere aber schlecht sitzender Zahnersatz die Krebsentwicklung fördern könnte.

„Smoking, spirits, syphilis, spices and septic teeth“ sind nach der 5-S-Regel die häufigsten Ursachen für Kopf-Hals-Tumore, wie (nicht ganz passend) Krebser­krankungen in der Schleimhaut von Mundhöhle und Rachen zusammengefasst werden. Die Regel ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Der Konsum von Zigaretten und Spirituosen ist in vielen Ländern rückläufig, die Syphilis ist insgesamt selten geworden, der karzinogene Betelpfeffer wird in den Industrieländern selten als Gewürz verwendet und auch die Zahnhygiene hat sich gebessert.

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Stattdessen haben infolge veränderter Sexualpraktiken Krebserkrankungen durch Humanpapilloma-Viren (HPV) zugenommen. Sie erklären aber zusammen mit den traditionellen 5-S-Faktoren längst nicht alle Krebserkrankungen. Unklar bleibt auch die häufige Lokalisierung. Die meisten Tumore treten am Mundboden und am Zungenrand auf. Mundbodenkarzinome sind typisch für Raucher. Krebsexperten führen dies auf die Konzentration von Karzinogenen in der „Pfütze“ zurück, die sich unterhalb der Zunge am Mundboden bildet und die Einwirkungszeit der Karzinogene aus dem Tabakrauch verlängert.

Laut einer retrospektiven Analyse, die Brendan Perry vom Princess Alexandra Hospital in Brisbane und Mitarbeiter vorstellen, treten ebenso viele Karzinome am Zungenrand auf. Bei den Rauchern betrug der Anteil 33 Prozent, bei den Nicht-Rauchern sogar 66 Prozent. Eine mögliche Erklärung könnte der Kontakt der Zunge mit den Zähnen und vor allem dem Zahnersatz bilden. In einer oder anderer Form haben die meisten Menschen im höheren Alter, in dem Krebserkrankungen der Mundhöhle auftreten, Brücken oder Gebisse.

Beweisen lässt sich die Hypothese durch die retrospektive Analyse allerdings nicht, schreibt Perry, der bedauert, dass der Zahnstatus von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren nur selten sorgfältig dokumentiert werde. Der Experte konnte deshalb nur wenige Patienten identifizieren, die in der Nähe des Tumors pathologische Veränderungen des Gebisses aufwiesen.

© rme/aerzteblatt.de

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