NewsMedizinGene beeinflussen die Darmflora
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gene beeinflussen die Darmflora

Mittwoch, 12. November 2014

London – Die genetische Ausstattung eines Menschen könnte maßgeblich für die Zusammensetzung der Darmflora verantwortlich sein und darüber auch das Körpergewicht beeinflussen. Forscher um Tim Spector vom King's College London veröffentlichten in Cell die Ergebnisse einer entsprechenden Zwillingsstudie (http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.09.053).

Die Rolle der Darmflora für die Gewichtsregulation ist innerhalb der letzten Jahre zuneh­mend in das Interesse der Forschung gerückt. So scheint es beispielsweise laut einer in Nature publizierten Studie für ein niedriges Gewicht günstig, eine Darmflora mit hoher biologischer Diversität zu besitzen (doi:10.1038/nature12506). Die Faktoren, die zur Ausbildung der Darmflora beitragen, sind laut den Autoren bisher nur wenig erforscht. Die Wissenschaftler wollten mir ihrer Zwillingsstudie untersuchen, ob möglicherweise die Gene einen Einfluss auf die Darmflora besitzen.

Sie analysierten dafür über 1.000 Stuhlproben von 416 Zwillingspaaren und sequen­zierten das mikrobielle Genom, um Informationen über die enthaltenen Bakterien zu gewinnen. Es zeigte sich, dass die mikrobielle Flora von eineiigen Zwillingen einander sehr ähnlich war, während die Darmflora von zweieiigen Zwillingen größere  Unterschiede aufwies. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Beobachtung auf die gene­tische Identität der eineiigen Zwillinge zurückzuführen ist. Die genaueren gene­tischen Hintergründe konnten sie im Rahmen ihrer Studie jedoch nicht untersuchen.

Anzeige

Sie beobachteten weiterhin, dass eine Darmbesiedlung mit Bakterien aus der Christensenellaceae-Familie am stärksten von den Genen abzuhängen schien. Bakterien dieser Familie könnten möglicherweise das Körpergewicht der Träger beeinflussen. Individuen, die C. minutain in ihrer Darmflora trugen, wiesen durch­schnittlich ein niedrigeres Körpergewicht auf.

Die Forscher übertrugen diese Ergebnisse auf ein Mausmodell und transplantierten in Mäuse ohne Darmflora C.minutain. Sie konnten zeigen, dass dies bei den Mäusen zu einer Verlangsamung der Gewichtszunahme führte.

Die Ergebnisse der Zwillingsstudie sprechen nach Meinung der Arbeitsgruppe dafür, dass die Zusammensetzung der Darmflora nicht nur von Lebensstilfaktoren und der Umwelt abhängt, sondern auch von der Genetik beeinflusst wird. Möglicherweise könnten künftig Bakterienkulturen als Mittel gegen Übergewicht eingesetzt werden. Im Rahmen einer groß angelegten Studie, dem British Gut Project, planen die Forscher ihre Ergeb­nisse zu validieren und die Beziehung zwischen Darmflora und Gesundheit weiter zu untersuchen.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
San Francisco – Ein nicht-immunologischer Hydrops fetalis, der dank der Ultraschalldiagnostik häufiger gesehen wird, hat oft genetische Ursachen, die sich mit einer Exomanalyse erkennen lassen. In
Hydrops fetalis: Exomanalyse findet häufig genetische Ursachen
21. Oktober 2020
Heidelberg/Saarbrücken – Ein nationales Konsortium baut ein Archiv auf, um Genomdaten von Patienten langfristig für die Forschung zur Verfügung zu stellen. An dem„Deutschen Humangenom-Phenomarchiv“
Neues Archiv für Genomdaten von Patienten
19. Oktober 2020
Berlin – Die Zellen im menschlichen Herzen sind vielgestaltiger und komplexer organisiert als bislang angenommen. Das berichtet ein internationales Wissenschaftlerteam in der Fachzeitschrift Nature
Das Herz enthält mehr Zelltypen als gedacht – Wissenschaftler legen Herzatlas vor
19. Oktober 2020
Bonn/Bochum – Bei einer genetischen Veranlagung für die altersbedingte Form der Alzheimer-Erkrankung sind bereits im jungen Erwachsenenalter bestimmte Anzeichen der Erkrankung nachweisbar. Das
Alzheimer-Risikogen beeinflusst Gedächtnisfunktionen junger Erwachsener
15. Oktober 2020
Heidelberg – Medulloblastome, bösartige Tumoren des Kleinhirns, machen beim Erwachsenen nur etwa 1 % aller Hirntumoren aus, sind aber die häufigsten bösartigen Hirntumoren bei Kindern. 2 Gendefekte
2 Gendefekte können Form des Medulloblastoms verursachen
9. Oktober 2020
Phoenix/Arizona – Die infantile Zerebralparese, die lange Zeit mit Geburtskomplikationen in Verbindung gebracht wurde, hat nach heutiger Auffassung eher genetische Ursachen. US-Forscher fanden in der
Zerebralparese: Studie identifiziert weitere genetische Ursachen
7. Oktober 2020
Mainz – Die rheinland-pfälzische Bioethikkommission hält das vom Deutschen Ethikrat empfohlene internationale Moratorium zu klinischen Anwendungen von Keimbahneingriffen „weder für zielführend noch
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER