NewsPolitikGroße Koalition plant flächendeckendes Hospiz- und Palliativangebot
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Große Koalition plant flächendeckendes Hospiz- und Palliativangebot

Dienstag, 11. November 2014

dpa

Berlin – Die große Koalition will die Palliativversorgung in Deutschland ausbauen und setzt dabei besonders auf die enge Zusammenarbeit von Hospizdiensten und Pflege­einrichtungen mit niedergelassenen Ärzten. „Wir schulden schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase menschliche Zuwendung und umfassende Hilfe“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin.

Aber besonders in strukturschwachen und ländlichen Regionen fehle es noch an ausreichenden Hospiz- und Palliativangeboten. „Mit den geplanten gesetzlichen Regelungen wollen wir die ambulante Palliativversorgung weiterentwickeln und die Hospizarbeit finanziell besser fördern. Ziel ist ein flächendeckendes Hospiz- und Palliativangebot in ganz Deutschland“, so der Minister. Besonders wichtig sei außerdem, die Sterbebegleitung in Pflegeeinrichtungen zu stärken.

Anzeige

„Beim Auf- und Ausbau der ambulanten Hospiz- und Palliativversorgung und auch bei der Stärkung stationärer Hospize wurden in den letzten Jahren bereits viele Fortschritte erzielt. So stiegen die Ausgaben für SAPV seit 2009 um das Zehnfache“, heißt es in einem gemeinsamen CDU/SPD-Eckpunktepapier zum Thema. Dennoch gelte es, die Palliativversorgung weiterzuentwickeln. Dazu schlägt die große Koalition unter anderem folgende Schritte vor:

  • Eine stärkere Förderung von Vernetzung und kooperative Betreuung, bei der professionelle und ehrenamtliche Versorgung Hand in Hand gehen. „Hierzu müssen zukünftig Ärzte, die diese neuen Leistungen erbringen und abrechnen wollen, besondere Qualifikationsanforderungen erfüllen und sich an zum Beispiel an Netzwerkarbeit und/oder einem gemeinsamen Fallmanagement mit anderen Leistungserbringern, zum Beispiel den ambulanten Hospizdiensten oder in Palliativteams, beteiligen“, heißt es in dem Eckpunktepapier.
  • Von erheblicher Bedeutung sei die Pflege. Deshalb soll der Gemeinsame Bundes­ausschuss (G-BA) gesetzlich beauftragt werden, behandlungspflegerische Maßnahmen sowie Leistungen der Palliativpflege zu konkretisieren.
  • Die Palliativversorgung kann auch über Selektivverträge geregelt werden. „Dies erhöht die Gestaltungsmöglichkeiten der Vertragspartner“, heißt es in dem Eckpunktepapier.
  • Die Krankenkassen sollen verpflichtet werden, ihre Mitglieder über die Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung zu informieren.
  • Die finanzielle Ausstattung stationärer Hospize soll insgesamt verbessert werden.

Verbesserungen soll es auch für stationäre Pflegeeinrichtungen geben. Dazu sollen diese „stärker in die Organisation der ambulanten ärztlichen Versorgung eingebunden werden“, so das Eckpunktepapier. Vertragsärzte sollen dafür einen unbefristeten Vergütungszuschlag erhalten. „Da es sich hierbei um besonders förderungswürdige Leistungen handelt, erfolgt die Finanzierung des Zuschlags von den Krankenkassen außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütungen“, heißt es in dem Papier.

Außerdem gehe es darum, die Fortbildungsmöglichkeiten für Pflegekräfte zu verbessern und die Vernetzung mit Hospizdiensten auszubauen. Ein oder mehrere Modellprojekte sollen klären, wie die palliative Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen weiter verbessert werden kann.

„Ziel ist es, Erkenntnisse über und das Zusammenwirken von pflegerischen und hospiz­lichen Aufgaben in einer stationären Pflegeeinrichtung, die Vernetzung der vollstatio­nären Pflegeeinrichtung mit den umliegenden Versorgern, den Aufwand und die Kosten einer umfassenden Hospiz- und Palliativversorgung, den Koordinierungsaufwand und die Kosten des gegebenenfalls zusätzlichen, bisher nicht finanzierten palliativ-pflegerischen Mehraufwands zu erlangen“, zählt das Eckpunktepapier den umfangreichen Fragekatalog auf, den diese Modellprojekte klären sollen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #612077
EEBO
am Dienstag, 11. November 2014, 23:36

Zunächst bin ich überhaupt froh,

daß sich der Ge­sund­heits­mi­nis­ter des Themas annimmt. Schaun' wir mal, was am Ende, wenn es um's Geld geht, dabei herauskommt. Hoffentlich kein Hospizaufenthalt mit nachfolgendem Begräbnis 1. Klasse...
Avatar #601646
Krankenhausarzt
am Dienstag, 11. November 2014, 21:23

Whow !

Na, dann können wir ja in ungefähr fünf Jahren damit rechnen, dass sich auch Deutschland bei der Palliativversorgung und der Hospizdichte langsam Richtung Schweiz, Holland und Skandinavien bewegt.
Dann noch weitere 5 - 10 Jahre und wir bekommen auch hier endlich eine Liberalisierung der Sterbehilfe wie in diesen Ländern.
Bis dahin: Weiter mit Mittelalter in der deutschen Gesundheitspolitik.
Und die BÄK als Inquisitorin gegen Abweichler immer vorneweg.
Armes Land.
LNS

Nachrichten zum Thema

9. Oktober 2020
Berlin – Der Deutsche Caritasverband warnt zum Welthospiztag davor, organisierte Angebote an Sterbehilfe als Normalität zu akzeptieren. „Wir brauchen eine breitere Aufklärung der Bevölkerung zu den
Caritas wünscht mehr Aufklärung über Hospizarbeit
11. September 2020
Wiesbaden – Keine einfachen Lösungen bei der erneuten Debatte um die Sterbehilfe in diesem Herbst erwartet die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). „Kontroversen am Lebensende“ ist daher
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin erwartet kontroverse Debatte um die Suizidbeihilfe
9. September 2020
Bonn/Berlin – Die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland weiter auszubauen fordert die Stiftung Deutsche Krebshilfe. „Trotz der durchaus erfolgreichen Entwicklung der Palliativmedizin in
Krebshilfe fordert Ausbau der Palliativmedizin
7. September 2020
Berlin – Apotheken soll es künftig erlaubt sein, auch parenteral hergestellte opioidhaltige Betäubungsmittel an andere Apotheken abzugeben. So sollen Engpässe in der Versorgung von Palliativpatienten
Regierung will Engpässen bei ambulanter Palliativversorgung entgegenwirken
25. August 2020
Berlin – Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zur Suizidbeihilfe, das Ende Februar das seit 2015 bestehende Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe (Paragraf 217 Strafgesetzbuch) für
Sterbehilfe: Anpassung des ärztlichen Berufsrechts angemahnt
29. Juli 2020
Berlin – Die Bundesregierung verfügt offenbar über wenig Informationen zur Lage sterbender Menschen in Deutschland. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag
Wenig Daten zur Situation sterbender Menschen in Deutschland
26. Juni 2020
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine neue Informationsbroschüre zur ambulanten Palliativversorgung veröffentlicht. Das Heft stellt Möglichkeiten vor, wie Praxen und
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER