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Medizin

HIV-Therapie: Mehr Fehlbildungen nach intrauteriner Atazanavir Exposition

Dienstag, 11. November 2014

Boston – Der Anteil der Kinder, die nach einer intra-uterinen Exposition mit antire­troviralen Medikamenten mit einem Geburtsfehler geboren werden, ist laut einer Studie in JAMA Pediatrics (2014; doi: 10.1001/jamapediatrics.2014.1889) in den USA deutlich angestiegen. Als Einzelsubstanz fiel ein erhöhtes Risiko unter dem Protease-Inhibitor Atazanavir auf. Ein Verzicht auf eine Therapie, die eine intra-uterine Infektion des Kindes verhindern kann, steht nicht zur Debatte.

Etwa 40 Prozent aller HIV-positiven Mütter infizieren ihre Neugeborenen mit HIV, wenn keine vorbeugenden Maßnahmen ergriffen werden. Die meisten Übertragungen erfolgen zwar unter der Geburt, eine intrauterine Infektion ist jedoch möglich, so dass die Indikation für eine antiretrovirale Therapie großzügig gestellt wird.

Die US-National Institutes of Health prüfen derzeit in der „Pediatric HIV/AIDS Cohort Study’s Surveillance Monitoring of ART Toxicities“ oder SMARTT-Studie, ob die Therapie mit einer erhöhten Rate von Fehlbildungen einher geht. Die jüngste Auswertung von Paige Williams, Harvard School of Public Health in Boston, zeigt, dass die Bedenken nicht ganz unbegründet sind.

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Bei 175 von 2.580 Neugeborenen (6,78 Prozent) wurden Fehlbildungen gefunden. Die Prävalenz ist in den letzten Jahren signifikant gestiegen: Mit 3,8 Prozent war sie bei vor 2002 geborenen Kindern am niedrigsten. In den Geburtsjahrgängen 2008 bis 2010 wurden bei 8,3 Prozent der Kinder Fehlbildungen gefunden. Der Untersuchungszeitraum reichte von März 2007 bis Juni 2012.

Generell wurde kein erhöhtes Risiko für einzelne Wirkstoffe oder Wirkstoffklassen gefunden, auch nicht im ersten Trimenon, in das die Embryogenese fällt. Eine Ausnahme machte der Protease-Inhibitor Atazanavir. Sein Einsatz war generell mit einer fast zweifachen Rate von Fehlbildungen assoziiert (adjustierte Odds Ratio AOR 1,95; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,24 bis 3,05). Auch für die  Verwendung von Ritonavir als Booster wurde ein Signal gefunden (AOR 1,56; 1,11-2,20). Atazanavir erhöhte im ersten Trimenon vor allem das Risiko auf Fehlbildungen der Haut (AOR 5,23) und des Bewegungsapparats (AOR 2,55).

Bei Atazanavir stieg die Rate von Fehlbildungen vor allem, wenn es zusammen mit neueren Wirkstoffen wie Tenofovir oder Emtricitabin kombiniert wurde. Für Kombina­tionen mit älteren Mitteln wie Zidovudin oder Lamivudin wurde keine signifikante Assoziation gefunden.

Die Ergebnisse stellen die Indikation einer antiretroviralen Therapie in der Schwanger­schaft für Williams nicht infrage, sie könnten sich aber auf die Auswahl der Wirkstoffe auswirken. Die Zahl der Frauen, die während der Schwangerschaft eine Therapie benötigen, dürfte aufgrund der allgemeinen Ausweitung der Indikation auf HIV-Infizierte mit höheren CD4-Werten in Zukunft ansteigen, schreibt Williams. © rme/aerzteblatt.de

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