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Medizin

Pneumokokken-Impfung vermeidet auch Erkrankungen mit resistenten Keimen

Donnerstag, 13. November 2014

dpa

Johannesburg – Die Einführung der Pneumokokken-Impfung in Südafrika, als erstem Land in Afrika und der weltweit ersten Region mit einer hohen HIV-Prävalenz, war offenbar ein voller Erfolg. Die anlässlich des Welt-Pneumonie-Tags im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1401914) publizierten Ergebnisse dokumentieren einen deutlichen Rückgang, der besonders deutlich bei resistenten Keimen ausfiel, die häufig von den verwendeten Impfstoffen erfasst werden.

Mit der finanziellen Unterstützung der Vaccine Alliance konnte Südafrika 2009 landesweit eine Impfung gegen Streptococcus pneumoniae einführen. Die Säuglinge werden im Alter von sechs und 14 Wochen zweimal geimpft. Eine Auffrischung erfolgt im Alter von neun Monaten. In den ersten Jahren wurde der 7-valente Polysaccharid-Impfstoff (PCV7) verwendet. Im April 2011 wurde er durch einen 13-valenten Impfstoff (PCV13) ersetzt.

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Seit dem Jahr 1999 gibt es in Südafrika eine laborbasierte Surveillance für invasive Pneumokokken-Erkrankungen, seit 2003 werden in 24 Kliniken genaue Daten zu den Patienten erhoben. Dies ermöglichte es Anne von Gottberg von der Witwatersrand in Johannesburg und Mitarbeitern, die Auswirkungen der Impfung auf die Zahl der Erkrankungen zu untersuchen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Zahl der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter 2 Jahren seit Einführung der Impfung von 54,8 auf 17,0 Fälle pro 100.000 Personen-Jahre zurückgegangen ist. Bei den von PCV7 erfassten Serotypen sank die Zahl sogar von 32,1 auf 3,4 Fälle pro 100.000 Personenjahre. Dies entspricht einem relativen Rückgang um 89 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 92 bis 86 Prozent). Bei den zusätzlichen durch PCV13 abgedeckten Serotypen zeichnet sich ebenfalls ein Rückgang ab.

Die Impfung zeigte bei den HIV-infizierten Kindern eine gleich gute Wirkung wie bei den nicht infizierten Kindern. Die Erkrankungsrate ist bei den immungeschwächten Kindern jedoch weiter 25 Mal so hoch. Allerdings geht die Zahl der HIV-infizierten Kinder in Südafrika zurück, seit Maßnahmen zur Vermeidung einer Mutter-Kind-Übertragung ergriffen werden.

Besonders erfreulich war, dass auch die Zahl der invasiven Pneumokokken-Erkran­kungen durch antibiotikaresistente Bakterien zurückging. Dies war erwartet worden, da die meisten dieser Keime zu den von der Impfung erfassten Serotypen gehören. Die Zahl der auf Penicillin nicht empfindlichen Isolate ging um 82 Prozent (85 bis 78 Prozent) zurück. Gegen Ceftriaxon resistente Isolate wurden zu 85 Prozent (91 bis 77 Prozent) seltener gefunden, und Erkrankungen durch multiresistente Keime nahmen um 84 Prozent (88 bis 79 Prozent) ab.

Geschützt wurden nicht nur die geimpften Kinder, sondern durch einen Herdeneffekt auch die Erwachsenen in ihrer Umgebung. In der Altersgruppe der 25 bis 44-Jährigen ging die Zahl der invasiven  Pneumokokken-Erkrankungen durch PCV7-Serotypen um 57 Prozent von von 3,7 auf 1,6 Fälle pro 100.000 Personenjahre zurück.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe handelt, ist nicht auszuschließen, dass ein Teil des Rückgangs bei den invasiven Pneumokokken-Erkrankungen auf die bessere Behandlung von HIV-Infektionen zurückzuführen ist. Diese Patienten könnten ein Reservoir bilden, von dem aus andere Menschen angesteckt werden.

Dies kann nach Einschätzung der Autoren den Rückgang nur zu einem geringen Teil erklären. Auch eine Besetzung der – durch die Impfung geschaffenen – „ökologischen Nische“ durch nicht vom Impfstoff erfasste Serotypen sei bisher nicht von Bedeutung. In der Gruppe der nicht mit HIV infizierten unter 2-Jährigen ist jedoch ein gewisser Anstieg der Nicht-PCV13-Serotypen erkennbar. © rme/aerzteblatt.de

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