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Medizin

Interferonfreie Therapie heilt Hepatitis C nach Lebertransplantation

Donnerstag, 13. November 2014

Indianapolis – Eine Kombination aus drei neuen direkt wirkenden Virustatika (DAA) hat in einer Studie 33 von 34 Empfängern einer Lebertransplantation von einer Hepatitis C kuriert, von denen die meisten zuvor nicht auf eine Interferon-basierte Therapie angesprochen hatten. Die auf einer Fachtagung in Boston vorgestellten und im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1408921) veröffentlichten Ergebnisse könnten nicht zuletzt die Wartelisten für Lebertransplantationen verkürzen.

Weltweit wurden 2012 etwa 24.000 Lebertransplantationen durchgeführt. Die Operation ist an vielen Zentren zur Routine geworden, ohne dass ein häufiges Problem bisher gelöst werden konnte. Zu den häufigsten Indikationen für die Lebertransplantation gehört ein Hepatitis C-bedingtes Leberversagen, und bei den meisten dieser Patienten kommt es nach der Transplantation erneut zu einer Hepatitis C.

Zwischen 20 und 30 Prozent stehen innerhalb von fünf Jahren erneut auf der Warteliste. Die bisherige Standardtherapie mit Interferon konnte die Infektion beim HCV-Genotyp 1 nur bei 13 bis 43 Prozent beseitigen – wenn sie nicht zuvor wegen toxischer Neben­wirkungen abgebrochen wurde. Interferonfreie Therapien führten häufig zur Schädigung des Transplantates, der Einsatz von Ribavirin wurde durch die Immunsuppression kompliziert, die die Nierenfunktion herabsetzt und die Elimination von Ribavirin verlangsamt.

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Mit der Einführung der DAA scheint das Problem der Transplantat-Hepatitis jetzt gelöst zu sein. Die neuen Wirkstoffe greifen ähnlich wie die HIV-Medikamente direkt in die Replikation des Virus ein, und da das Hepatitis C-Virus anders als das HI-Virus kein Reservoir hat, ist eine dauerhafte Heilung möglich.

Wie bei der HIV-Therapie ist der Einsatz mehrerer Mittel mit unterschiedlichem Ansatzpunkt erforderlich, um die Virusreplikation effektiv zu stoppen. In der CORAL-I Studie waren dies der HCV-NS5A-Inhibitor Ombitasvir, der Protease-Inhibitor ABT-450 (der durch Ritonavir geboostert wurde) und der HCV-Polymerase-Inhibitor Dasabuvir. Den Ärzten wurde freigestellt, zusätzlich Ribavirin einzusetzen. An zehn Transplanta­tionszentren in den USA und Spanien wurden insgesamt 34 Patienten behandelt, bei 24 war zuvor ein Therapieversuch mit Peginterferon plus Ribavirin erfolglos geblieben.

Wie Paul Kwo von der Universität Indianapolis und Mitarbeiter berichten, erzielten 33 von 34 Patienten ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virological response, SVR): Sie waren 12 und auch 24 Wochen nach dem Ende der 24-wöchigen Therapie virusfrei, was in der Regel einer dauerhaften Heilung entspricht. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Müdigkeit, Kopfschmerzen und Husten.

Fünf Patienten benötigten Erythropoietin (wegen der durch Ribavirin ausgelösten Anämie), kein Patient benötigte eine Bluttransfusion. Zu den Patienten mit SVR gehört auch einer, der die Behandlung nach 18 Wochen vorzeitig abgebrochen hatte. Bei keinem Patienten kam es während der Therapie zu Abstoßungsreaktionen und das Organ wurde durch die Behandlung nicht erkennbar geschädigt.

Die Studie zeigt, dass die Behandlung mit neuen DAA bei Organempfängern die gleichen Ergebnisse erzielt wie bei anderen Hepatitis C-Patienten. Die in der Studie gewählte Kombination dürfte nur eine von verschiedenen Möglichkeiten sein. Dass sich die Therapieaussichten durch die neuen Mittel deutlich verbessert haben, davon zeugen auch die anderen auf der Tagung vorgestellten Studienergebnisse.

© rme/aerzteblatt.de

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