NewsÄrzteschaftStudie: Niedergelassene Ärzte verdienen 25 Prozent weniger als Krankenhausärzte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Studie: Niedergelassene Ärzte verdienen 25 Prozent weniger als Krankenhausärzte

Donnerstag, 13. November 2014

dpa

Berlin – Im Vergleich zu dem Gehalt von Oberärzten an Krankenhäusern verdienen niedergelassene Ärzte 25 Prozent weniger. Das rechnete der Münchner Gesundheits­ökonom Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik gestern auf der Fachtagung „Wert und Bewertung ärztlicher Arbeitszeit“ des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) in Berlin vor.

Das Gehalt eines Oberarztes im Krankenhaus liege je nach Krankenhausträger und zusätzlichem Einkommen zum Beispiel durch unterschiedlich viele Überstunden zwischen 110.000 und 146.000 Euro, erklärte Neubauer. Im ambulanten Bereich liege der kalkula­torische Arztlohn nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) bei 105.000 Euro. „Man könnte nun sagen, diesen Betrag gleichen die Einnahmen aus der privaten Kran­ken­ver­siche­rung aus“, sagte Neubauer. Das gelte vielleicht für München, aber gewiss nicht für viele andere Regionen in Deutschland.

Anzeige

Niedergelassene tragen wirtschaftliches Risiko
Neubauer wies zudem darauf hin, dass das Einkommen eines angestellten Arztes nur begrenzt mit dem Einkommen eines niedergelassenen Arztes vergleichbar ist, weil Niedergelassene zugleich auch Unternehmer seien, die Kapital einsetzten, um zum Beispiel Praxisgeräte zu kaufen. Darüber hinaus trügen sie auch das wirtschaftliche Risiko. Diese beiden Faktoren würden bei Vergleichen normalerweise nicht berück­sichtigt.

„Das Einkommen eines niedergelassenen Arztes sollte in dessen Honorar einkalkuliert werden, sodass die Höhe des Einkommens kein Zufall ist“, forderte Neubauer. Für ein solches „angemessenes Arzteinkommen“ hat er auch berücksichtigt, wie hoch das Einkommen in ähnlichen akademischen Berufen ist. Neubauer zufolge liegt es zwischen 159.000 und 175.000 Euro pro Jahr.

Hinzu kommen ein Ausgleich der regionalen Unterschiede sowie die Kosten für eine „synthetische Musterpraxis“. Das Soll-Honorar eines niedergelassenen Arztes müsste Neubauer zufolge demnach zwischen 346.000 und 363.000 Euro liegen. „Das ist etwa 44 Prozent mehr als zum Beispiel ein Hals-Nasen-Ohrenarzt in Bayern im Durchschnitt verdient“, sagte der Gesundheitsökonom.

Konkurrenzfähiges Einkommen notwendig
Es gehe nicht darum, Ärzte reich zu machen, bekräftigte er. Es gehe darum, Ärzten ein Honorar zu zahlen, das konkurrenzfähig sei. „Je mehr Ärzte abwandern, desto deutlicher ist das Signal, dass das Einkommen nicht mehr konkurrenzfähig ist“, so Neubauer. Natürlich spielten auch nicht-monetäre Faktoren eine Rolle, wenn es darum gehe, zum Beispiel als Arzt in ländliche Regionen zu gehen. Diese könne man durch ökonomische Anreize jedoch ein Stückweit kompensieren.

„Wir haben die Situation, dass verschiedene Tätigkeitsfelder um Ärzte werben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, auf der ZI-Tagung. „Wer heute Medizin studiert, wird nicht mehr automatisch Arzt in der Versorgung, sondern nur noch unter anderem. Das stellt uns vor Probleme.“

Stundenlohn im Vergleich zu niedrig
Gassen zufolge ist es wichtig, die wirkliche ärztliche Arbeitszeit, das heißt die Zeit, in der der Arzt seine ungeteilte Aufmerksamkeit dem Patienten widmet, angemessen zu vergüten. Heute liege der Stundenlohn für Ärzte bei 53 Euro. „Das ist kein übermäßig hoher Wert“, sagte Gassen. „Wir müssen offen darüber diskutieren, welcher Stundenlohn angemessen ist, zum Beispiel im Vergleich zu Steuerberatern oder Architekten, deren Stundenlöhne deutlich höher liegen als 53 Euro.“ © fos/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #672734
isnydoc
am Mittwoch, 19. November 2014, 13:53

Herr Gassen und die Probleme ...

vor denen er steht oder die er einfach aussitzt, entsprechen letztlich der "Systemfrage" und er muss für den Erhalt seiner Körperschaft kämpfen, eine Behörde, die schon seit Jahrzehnten ihren leeren Versprechungen lebt und sich das von der Ärzteschaft - die "Freiberufler", Kassenärzte bzw. Vertragsärzte - auch im Vorwegabzug bezahlen lässt.
Wer braucht so etwas?
LNS

Nachrichten zum Thema

4. Oktober 2019
Gütersloh/Berlin – Für eine Neugestaltung der Finanzierung von gesetzlich und privat Versicherten plädiert die Bertelsmann-Stiftung im Rahmen einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie. Autoren der
Neuer Vorstoß zum Angleich der Honorarsysteme für gesetzlich und privat Versicherte
10. September 2019
Hannover – Die Krankenkassen in Niedersachsen haben im ersten Quartal dieses Jahres 53 Millionen Euro für Leistungen psychologischer Psychotherapeuten ausgegeben. Das seien knapp 10 Millionen Euro
Ausgaben für Psychotherapie in Niedersachsen gestiegen
9. September 2019
Berlin – Deutschlands Krankenhäuser schlagen angesichts zunehmender Überlastung und personeller Engpässe Alarm. „Wir haben ernst zu nehmende systemische Probleme in unserem Krankenhauswesen“, warnte
Krankenhäuser warnen vor systemischen Problemen
29. August 2019
Berlin – Damit gesetzlich krankenversicherte Patienten schneller an Termine kommen können, greifen von Sonntag an mit dem umstrittenen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) neue finanzielle
Ab Sonntag gilt das Terminservice- und Versorgungsgesetz
26. August 2019
Berlin – Der AOK-Bundesverband hat beklagt, dass auf die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) in den kommenden Jahren zusätzlich Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe zurollen. „Die Preise steigen,
Krankenkassen klagen über steigende Kosten
26. August 2019
Berlin – Der NAV-Virchowbund hat ein gemischtes Fazit der Ergebnisse der Honorarverhandlungen für 2020 gezogen. „Trotz eines dürftigen Ergebnisses ist diese Einigung ein Beweis für die
Kritik an Honorarzuwächsen, Lob für Handlungsfähigkeit der Selbstverwaltung
23. August 2019
Berlin – Die diesjährige Verhandlungsrunde zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband über die Honorare der niedergelassenen Ärzte sowie Psychotherapeuten ist nach
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER