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Politik

Unikliniken verlangen Entgelt für ihre besonderen Aufgaben

Freitag, 14. November 2014

dpa

Düsseldorf – Die Universitätskliniken haben im Rahmen einer Aktionswoche Bund und Länder in zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen aufgefordert, Maßnahmen gegen die drängenden wirtschaftlichen Probleme der Hochschulmedizin und den Verfall der Infrastruktur zu ergreifen. Sie fordern mit Blick auf die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform vor allem einen „Systemzuschlag“ auf die Vergütung der Kranken­versorgung sowie höhere Investitionszuschüsse der Länder.

Die schwierige Lage der nordrhein-westfälischen Universitätsmedizin stellten Vorstände und Klinikdirektoren vor der Landespressekonferenz in Düsseldorf dar: Die Universi­tätskliniken in Bonn, Düsseldorf, Essen und Münster hatten 2013 insgesamt mehr als 40 Millionen Euro Verlust gemacht, nur Aachen und Köln waren knapp in der Gewinnzone. Eine Verbesserung der Lage in diesem Jahr ist nicht in Sicht. „Wir brauchen dringend Hilfe von der Politik. Ansonsten ist ein Eckpfeiler der medizinischen Versorgung bedroht“, stellte Stefan Uhlig, Dekan der medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), heraus.

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Mit der Aktionswoche unter dem Motto „Wir leisten mehr: Die Deutsche Hochschul­medizin“ wollten der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) Politik und Öffentlichkeit die herausragende Bedeutung der Unikliniken vor Augen führen. 80 Prozent der Patienten mit seltenen Erkrankungen würden an Unikliniken behandelt, sagte Uhlig.

Teure Infrastruktur und hohe Vorhaltekosten
Die Behandlung erfordere großes Spezialwissen. Unikliniken errichteten Zentren für seltene Erkrankungen  – mit teurer Infrastruktur und hohen Vorhaltekosten. Der signifikant höhere Anteil der Unikliniken an Extremkostenfällen wird den Angaben zufolge im Fallpauschalensystem nicht adäquat abgebildet. „Wir behandeln Patienten mit besonders komplexen oder seltenen Erkrankungen, wir haben Patienten mit den höchsten Risiken, werden aber wie alle anderen Krankenhäuser zu Mittelwerten vergütet“, kritisierte Uhlig.

„Drastisch unterfinanziert“ ist nach Darstellung des Ärztlichen Direktors des Universi­tätsklinikums Düsseldorf, Klaus Höffken, die Notfallversorgung. Während sich immer mehr Krankenhäuser in den Nachtstunden und an Wochenenden von der Notfallver­sorgung abmeldeten, müssten die Unikliniken an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr Fachärzte aller Disziplinen verfügbar haben. Die hohen Vorhaltekosten würden durch die Vergütung nicht abgedeckt.

Die Uniklinik Düsseldorf kommt nach Angaben Höffkens bei ihren ambulanten Leistungen auf sieben Millionen Euro Verlust pro Jahr. Wie seine Kollegen an Rhein und Ruhr wies auch Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, auf stark steigende Patientenzahlen in der Notaufnahme hin. Pro Fall gebe es eine Pauschale von 36 oder 54 Euro. Die Kosten lägen aber bei durchschnittlich 100 Euro. Die Lücke müsse aus den Einnahmen der stationären Versorgung ausgeglichen werden.

Die Sprecher der Unikliniken stellten in Düsseldorf klar, dass sie eine eigenständige Finanzierungssäule für die besonderen Leistungen der Universitätsmedizin fordern, nicht einen Preiszuschlag beispielsweise für Extremkostenfälle. Denn Fehlanreize wie ein Wettbewerb um solche Fälle müssten vermieden werden.

Eigene Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung gefordert
Angesichts des finanziellen und organisatorischen Aufwands der Hochschulmedizin für die Facharztausbildung sprechen sich die sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen für eine eigene Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung neben dem Fallpauschalensystem aus. Besonders eindringlich verlangen sie vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW) Maßnahmen gegen den Investitionsstau.

„Veraltete, ineffiziente Anlagen bei der Energieversorgung sorgen für hohe Kosten, die Daten-Kommunikation und die Telemedizin sind nur in Teilen international wettbewerbs­fähig, die Gebäudesanierung und –dämmung sind kaum auf dem Stand des ökologisch Erforderlichen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Die Unikliniken könnten im Durchschnitt acht Prozent ihres Umsatzes investieren, nötig seien aber mindestens zwölf Prozent, sagte Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Münster (UKM). Die von NRW seit vier Jahren unverändert gewährten 180 Millionen Euro Investitionsmittel hält er für unzureichend.

Hoppenheit und seine Kollegen fordern vom Land ein Sonderprogramm von 100 Millio­nen Euro jährlich. Die Landesregierung hat die einzelnen Unikliniken in Nordrhein-Westfalen aufgefordert, bis zum Jahresende einen Masterplan zu erstellen. Ziel ist nach Angaben des Wissenschaftsministeriums ein Konzept zum Abbau des Investitionsstaus. © Stü/aerzteblatt.de

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