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Medizin

Krebs: Forscher entwickeln personalisierte Resistenztests

Freitag, 14. November 2014

dpa

Boston – Infektiologen nutzen seit langem die Möglichkeit, die Wirksamkeit von Antibiotika im Labor durch Resistenztests vorherzusagen. US-Forscher haben jetzt ein ähnliches Verfahren für die Krebstherapie entwickelt und in einer ersten Studie in Science (2014; doi: 10.1126/science.1254721) beim Lungenkrebs erfolgreich erprobt.

Onkologen sind bei der Vorhersage von Resistenzen bisher auf Erkenntnisse aus etablierten Zelllinien (anderer Patienten) und auf die genetische Untersuchung von Tumorzellen (der individuellen Patienten) angewiesen. Individualisierte Resistenztests von Tumoren scheiterten bisher daran, dass sich Krebszellen im Unterschied zu Bakterien im Labor nur schwer anzüchten ließen.

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Neuere Verfahren, in denen die aus den Biopsien isolierten Krebszellen mit sogenannten Feeder-Zellen gemischt werden, haben die Ausbeute jedoch verbessert. Jeffrey Engel­man vom Massachusetts General Hospital in Boston konnte aus den Pleuraergüssen oder Biopsien von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) in jedem zweiten Fall eine Zelllinie im Labor etablieren. Es handelt sich um Patienten, bei denen es nach einer Behandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren erneut zu einem Tumor­wachstum gekommen war.

Jede Zelllinie wurde gegen 76 Wirkstoffe getestet, darunter 17 bereits von der FDA zugelassene Medikamente und 59 Substanzen in klinischer Entwicklung. Die Wirkstoffe wurden einzeln oder in Kombination mit dem Medikament getestet, gegen das der Tumor resistent geworden war. Laut Engelman wurden mehrere effektive Arzneimittel­kombinationen identifiziert, die bei einer alleinigen genetischen Untersuchung des Tumors unentdeckt geblieben wären.

So war beispielsweise ein Mittel, das den Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor 3 hemmt, gegen die Zellen eines Patienten wirksam, bei dem es unter der Therapie mit EGFR-Inhibitoren zu einem Rückfall gekommen war. Bei den Krebszellen eines anderen Patienten stellte die Kombination mit einem MEK-Inhibitor die Wirksamkeit eines ALK-Inhibitors wieder her. Die genetische Analyse hatte bei dieser Zelllinie zwei Mutationen im MEK-Stoffwechselweg und im JAK3-Enzym entdeckt, konnte allerdings nicht klären, welche für die Resistenz verantwortlich war.

Dies gelang erst mit den neuen pharmakologischen Resistenztests. Bei anderen Patienten konnte die Resistenz von ALK-positiven Tumoren durch den Zusatz von SRC-Inhibitoren durchbrochen werden, obwohl die genetische Untersuchung keine Hinweise auf Mutationen in SRC-Enzymen gefunden hatten.

Insgesamt scheinen die neuen Resistenztests die aktuelle Situation des Patienten besser abzubilden als genetische Tests oder die Erfahrungen aus Standard-Zelllinien. Der Beweis, dass die Ergebnisse der neuen Resistenztests den Patienten auch nutzen, steht allerdings noch aus. Dies wird sich in künftigen klinischen Studien zeigen, in denen die Testergebnisse für die Therapieplanung genutzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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