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Politik

Patienten­beauftragter Laumann: Mehr Transparenz im Gesundheitssystem nötig

Sonntag, 16. November 2014

Karl-Josef Laumann dpa

Düsseldorf - Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, hat auf der Medizintechnikmesse MEDICA die schleppende Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen scharf kritisiert. „In der Medizin sind wir noch im Steinzeitalter, was die Kommunikation betrifft“, sagte Laumann im Rahmen des von der Techniker Krankenkasse veranstalteten  „MEDICA Econ Forums“. Dass man in Deutschland mit Telematik und Telemedizin nicht vorankomme, sei ein trauriges Kapitel der Gesundheitspolitik. Der Grund: „Das Gesundheitssystem scheut Transparenz wie der Teufel das Weihwasser.“

Telemedizin kann Ärzte im ländlichen Raum bei der Diagonse unterstützen
Ein großer Fortschritt wären Laumann zufolge Notfalldaten und ein Medikamentenpass auf der elektronischen Gesundheitskarte. Einen wesentlichen Nutzen telemedizinischer Anwendungen sieht der Patientenbeauftragte in der Diagnoseunterstützung von Ärzten beispielsweise im ländlichen Raum durch Spezialisten in Zentren. Medizin bedeute immer Spezialisierung, so Laumann. Spezialisten könne man nicht an jedem Ort vorhalten. Statt Menschen Hunderte von Kilometern zum Spezialisten zu schicken, könne man auch Daten und Bilder zur Befundung übermitteln, wohingegen das Ausführen der Therapie Krankenhäuser und Fachärzte auf mittlerer Versorgungsebene übernehmen könnten.

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Struktur- und Ergebnisqualität der Krankenhäuser muss transparent sein
Die Bereitschaft bei Betroffenen, auch längere Wege zurückzulegen, wenn ein Krankenhaus das richtige für die Indikation sei, hält Laumann für vorhanden. Allerdings: „Wir müssen auch wissen, wie die Strukturqualität des Krankenhauses etwa bei einer Knie-OP ist, und auch die Ergebnisqualität veröffentlichen.“  Zudem sei es wichtig, im Gesundheitssystem eine Fehlerkultur zu entwickeln. „Fehler dürfen nicht sofort zum Skandal werden“, sagte Laumann. „Der vertuschte Fehler ist der schlimmste, weil aus ihm nicht gelernt werden kann. Das fehlerfreie Krankenhaus, den fehlerfreien Arzt wird es nie geben.“

Zuvor hatte Wolfgang Greiner, Universität Bielefeld, auf die Herausforderungen hinge­wiesen, vor denen das Gesundheitssystem durch den demografischen Wandel steht. Dazu zählen ihm zufolge insbesondere der Wandel des Morbiditätsspektrums, veränderte Erwartungen des ärztlichen Nachwuchses, der fortschreitende Trend zur Urbanisierung sowie der Hausärztemangel in einigen Regionen.

Kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum stießen darüber hinaus zunehmend an die Grenzen ihrer Betriebsfähigkeit, da im stationären Sektor generell  mehr Fälle und eine kürzere Verweildauer zu konstatieren seien, insgesamt aber auch weniger Auslastung. Die derzeitigen Maßnahmen seien nicht ausreichend, um die Unterversorgung im ländlichen Raum zu kompensieren, bemängelte der Experte.

Zudem gebe es keine konsequenten Maßnahmen bei Überversorgung. Greiner forderte außerdem eine genauere Bedarfsermittlung in der medizinischen Versorgung. Die Chancen von Telematik und Telemedizin würden überbetont, meinte Greiner. „Telemedizin kann viel, aber die Lücken, die sich auftun, kann sie nicht füllen.“ © KBr/aerzteblatt.de

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