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Medizin

Glioblastom: Elektrische Felder verlängern progressionsfreies Überleben

Montag, 17. November 2014

Zürich – Ein haubenartiges Gerät, das den Patienten auf dem kahlgeschorenen Kopf befestigt wird und das Gehirn wechselnden elektrischen Feldern aussetzt, hat in einer randomisierten klinischen Studie das progressionsfreie Überleben von Glioblastom-Patienten unter einer Chemotherapie verlängert. Ein signifikanter Einfluss auf das Gesamtüberleben ist nach den auf dem Jahreskongress der Society for Neuro-Oncology in Miami vorgestellten Ergebnissen derzeit nicht erkennbar.

Das von dem Physiologen Yoram Palti vom Technion-Israel Institute of Technology in Haifa entwickelte NovoTTF-100A-System besteht aus vier Tranducern, die den Patienten möglichst an den Stellen auf die Schädelkalotte geklebt werden, unter denen sich der maligne Tumor befindet.

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Die Transducer geben dann rasch wechselnde elektrische Wechselfelder niedriger Intensität („Tumortherapiefelder“) ab, die den normalen Mitoseprozess stören. Da sich Hirnzellen beim Erwachsenen nicht mehr teilen, bleibt die Wirkung auf den Tumor beschränkt.

Nachdem in-vitro-Versuche und Tierversuche gezeigt hatten, dass das NovoTTF-100A-System tatsächlich das Tumorwachstum verlangsamt, hat der Hersteller klinische Studien begonnen, die offenbar positiv verlaufen sind. In den USA ist das Gerät als Optune seit 2011 zur Therapie des rezidivierten Glioblastoms bei einer Lokalisation oberhalb des Tentorium cerebelli zugelassen. Die Therapiekosten sollen laut Presseberichten 21.000 US-Dollar pro Monat betragen.

Jetzt ließ der Hersteller Zwischenergebnisse einer Phase III-Studie vorstellen, an der bis 2015 insgesamt 700 Patienten teilnehmen sollen. Alle Patienten hatten nach einer Operation bereits eine Radiotherapie und eine Chemotherapie mit Temozolomid erhalten. Nach dem Abschluss dieser Standardtherapie des malignen Tumors wurden die Patienten im Verhältnis 2:1 auf eine Kombination aus Temozolomid plus NovoTTF oder Temozolomid als Monotherapie randomisiert. Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben mit dem Gesamtüberleben als wichtigem zweiten Endpunkt.

Wie die von Roger Stupp vom Universitätsspital Zürich jetzt in Miami vorgestellte Auswertung der Daten von 325 Patienten  zeigt, wurde beim progressionsfreien Überleben eine Verlängerung von 4,0 Monaten auf 7,1 Monate erreicht. Stupp gibt die Hazard Ratio mit 0,63 (p=0.001) an. Die Gesamtüberlebenszeit verbesserte sich von 16,6 auf 19,9 Monate. Hier war der Unterschied nicht signifikant. Die 2-Jahres-Überlebensrate stieg – ebenfalls nicht signifikant – von 29 auf 43 Prozent.

Auch wenn ein Einfluss auf das Gesamtüberleben nicht sicher belegt ist, stuft Stupp die Ergebnisse als „bahnbrechend“ ein. Auch der Präsident der European Association for Neuro-Oncology Michael Weller, ebenfalls Universitätsspital Zürich, sieht „weitreichende Konsequenzen“ voraus. Beide sehen in der Therapie einen künftigen Behand­lungsstandard, was sicherlich mit den derzeit begrenzten Therapieergebnissen bei dem häufigsten bösartigen Hirntumor zusammenhängen dürfte.

Immerhin wurde die Therapie von den meisten Patienten gut vertragen. Die häufigste Nebenwirkung waren Hautirritationen, die bei 45 Prozent der Patienten auftraten und bei zwei Prozent als schwer eingestuft wurden. © rme/aerzteblatt.de

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