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Politik

Gesundheitsökonomen fordern Selektivverträge im stationären Bereich

Dienstag, 18. November 2014

dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö) hat eine stärkere Öffnung des stationären Sektors für Selektivverträge zwischen Krankenkassen und einzelnen Kranken­häusern gefordert. „Gerade in Regionen mit vergleichsweise großer Auswahl an Kranken­häusern mit ähnlichem Leistungsspektrum könnten selektivvertragliche Regelungen dazu beitragen, den Qualitätswettbewerb unter den Häusern zu intensivieren“, heißt es in einer Stellungnahme des dggö-Vorstands zur anstehenden Krankenhausreform, die gestern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

„Zusätzlich gibt es die Option, Fallpauschalen zu modifizieren, um auch den Preiswettbewerb zu fördern“, sagte der Vorsitzende der dggö, Reiner Leidl von der Universität München. Ein ähnliches Vorhaben wollen Union und SPD mit der Kranken­hausreform im kommenden Jahr umsetzen. So soll der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) vier planbare Leistungen auswählen, zu denen Krankenkassen mit einzelnen Häusern Selektivverträge abschließen können.

Krankenhausfinanzierung auf monistische Finanzierung umstellen
Zudem plädiert die dggö für eine Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf ein monistisches System. „Mittel- bis langfristig sollte die Trennung in Betriebskosten- und Investitionskostenfinanzierung aufgehoben und die Krankenhäuser wieder monistisch finanziert werden, damit das Geld auch dem Patienten folgt“, forderte Leidl.

Angesichts der seit Jahren anhaltenden Unterfinanzierung der Kliniken durch die Bundes­länder sei in der Praxis ohnehin bereits eine „schleichende Monistik“ festzustellen, heißt es weiter in der Stellungnahme. Die Länder könnten dann künftig dafür die Verantwortung tragen, Sicherstellungszuschläge für Krankenhäuser in wenig besiedelten Regionen zu zahlen, in denen die wirtschaftliche Führung eines Hauses nicht mehr möglich ist, sagte Leidl.

„Es gibt Krankenhäuser, die eigentlich schließen müssten“
Die dggö befürwortet zudem einen Strukturfonds zur Umwandlung nicht benötigter Kranken­häuser in überversorgten Regionen. Auf einen solchen Fonds hatten sich die Gesundheits­politiker von Union und SPD während der Koalitionsverhandlungen im vergangenen Jahr bereits geeinigt. Die Parteispitzen hatten ihn jedoch nicht mit in den Koalitionsvertrag aufgenommen. „Es gibt Krankenhäuser, die eigentlich schließen müssten“, sagte der designierte Vorsitzende der dggö, Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld. Mit einem Strukturfonds könnten Anreize für sinnvolle Marktaustritte solcher Krankenhäuser gesetzt werden.

Darüber hinaus sprach sich die dggö, wie auch Union und SPD im Koalitionsvertrag, für eine Vergütung von Krankenhäusern nach Qualitätsmerkmalen aus. Denn dies fehle in der DRG-Vergütung heute. Das DRG-System bewerteten die Gesundheitsökonomen ambivalent. Zum einen habe es die Prozesseffizienz in den vergangenen zehn Jahren verbessert. Zum anderen setze eine pauschale Vergütung jedoch Anreize zur Ausweitung der Fallmenge – insbesondere, wenn einzelne Fallgruppen profitabel seien und mit steigender Menge die Durchschnittskosten weiter sänken. Auch sei es mit dem jetzigen System nicht gelungen, die hohe Anzahl von Krankenhausbetten durch Einführung des DRG-Systems zu reduzieren. Insofern bestehe ein dringender Bedarf, das heutige System zu ändern.

„Es muss sich etwas ändern“
„Nach meinen Informationen wird aber Vieles von dem nicht kommen, was sinnvoll wäre, weil sich die Vertreter von Bund und Ländern wieder nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können“, kommentierte der stellvertretende Vorsitzende der dggö, Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin, die Verhandlungen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die bis zum Jahresende Eckpunkte einer Krankenhausreform vorbereiten will.

Es sei aber fatal, wenn sich am System nichts ändere und die Krankenhäuser so weitermachten, wie bisher, mahnte Busse. Denn in der Folge würden auch solche Kranken­häuser weiterhin nicht aus dem System ausscheiden, die rote Zahlen schreiben – mit negativen Auswirkungen auf die Qualität der erbrachten Leistungen. „Es geht also gar nicht anders“, schloss Busse, „Es muss sich etwas ändern!“ © fos/aerzteblatt.de

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