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Medizin

Hyperkaliämie: Mineral kann langfristig Kaliumwerte senken

Dienstag, 18. November 2014

Kansas City - Das Mineral Zirconium-Cyclosilikat, das im Darm Kalium-Ionen bindet, kann die Kaliumwerte im Blut senken. Eine Phase III-Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi:10.1001/jama.2014.15688) lieferte viel versprechende Ergebnisse.

Bei chronischen Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus kommt es häufig zu einem Anstieg der Kaliumwerte im Blut. Sie erschweren den Einsatz von ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptorblockern oder Aldosteronblockern da diese Wirkstoffe die Kaliumwerte weiter ansteigen lassen. Eine Hyperkaliämie muss jedoch wegen der damit verbundenen Gefahr von tödlichen Herzrhythmusstörungen vermieden werden.

Eine Behandlung mit Austauscherharzen (sulfoniertes Styrol-Divinylbenzol-Copolymer) ist nicht immer wirksam und wird von einigen Patienten nicht vertragen. Eine ähnliche Wirkung wie das Kunstharz erzielt das Mineral Zirconium-Cyclosilikat, dessen feine Poren selektiv Kalium (im Austausch zu Natrium) aufnehmen. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Zirconium-Cyclosilikat innerhalb von einer Stunde den Kaliumwert im Blut senken kann.

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Die sogenannte HARMONIZE-Studie, deren Ergebnisse jetzt auf der Jahrestagung der American Heart Association in Chicago vorgestellt wurden, hat erstmals untersucht, ob die tägliche Einnahme über 28 Tage die Kaliumwerte bei Patienten mit chronischer Hyperkaliämie senken kann. An der Studie, die an 44 Zentren in den USA, Australien und Südafrika durchgeführt wurde, nahmen 258 Patienten teil, die zumeist aus den oben genannten Gründen eine Hyperkaliämie (5,1 mEq/l oder höher) entwickelt hatten. In einer Open-Label-Phase wurden alle Patienten zunächst mit dreimal täglich 10 g Zirconium-Cyclosilikat behandelt. Danach wurden 237 Patienten, die eine Normokaliämie erreichten, auf eine Behandlung mit Zirconium-Cyclosilikat in den Dosen von täglich 5 g, 10 g oder 15 g oder auf Placebo randomisiert. Die Studiendauer betrug 28 Tage.

Der Anteil der Patienten, bei denen die Kaliumwerte über die letzten drei Wochen der Studie auf unter 5,1 mEq/l gesenkt werden konnte, lag in allen drei Dosierungen mit 80, 90 und 94 Prozent signifikant höher als im Placebo-Arm, wo 46 Prozent dieses Ziel erreichten. Die absolute Differenz zum Placebo-Arm betrug allerdings auch in der höchsten Dosierung am Studienende nur 0,7 mEq/l. Hier kam es häufiger zu Ödemen und Hypokaliämien.

Außerdem starb am Tag 18 unter der zweithöchsten Dosierung der Behandlung ein Patient an einem Herzinfarkt. Das Team um Mikhail Kosiborod vom Saint Luke’s Mid America Heart Institute in Kansas City glaubt zwar nicht, dass es einen Zusammenhang mit der Therapie gibt. Eine Bewertung durch die Zulassungsbehörden steht jedoch noch aus, und auch Kosiborod glaubt, dass weitere Studien notwendig sein werden, um die langfristige Sicherheit und Effektivität des Minerals zu bestimmen. An einem Bedarf für neue Therapien der häufigen Störung besteht nach Einschätzung der Editorialisten Bradley Dixon von der Universität in Iowa City jedoch kein Zweifel. © rme/aerzteblatt.de

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