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Ärzteschaft

Kommunale Kliniken: MB fordert 5,4 Prozent mehr Gehalt und geregelte Wochenenddienste

Mittwoch, 19. November 2014

dpa

Berlin – Der Marburger Bund (MB) hat eine lineare Erhöhung der Gehälter von Ärzten an kommunalen Krankenhäusern um 5,4 Prozent gefordert. Zudem sollen Ärzte an kommu­nalen Kliniken nur noch an maximal zwei Wochenenden im Monat für Bereitschafts­dienste eingeteilt werden dürfen. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll ein Jahr betragen. Das erklärte die Ärztegewerkschaft im Vorfeld der anstehenden Tarifverhandlung mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) heute in Berlin.

„Das Thema Entlastung steht für uns ganz im Vordergrund der Tarifverhandlungen mit der VKA“, erklärte der 1. Vorsitzende des MB, Rudolf Henke. Eine Mitarbeiterbefragung des MB habe im vergangenen Jahr ergeben, dass die Hälfte der MB-Mitglieder mehr als vier Bereitschaftsdienste pro Monat übernimmt. 45 Prozent davon leisteten fünf bis neun Bereitschaftsdienste pro Monat, zehn Prozent sogar über zehn. „Diese Arbeitsbelastung muss beendet werden“, forderte Henke.

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Bereitschafts­dienste sind nicht angemessen bezahlt
Wer rund um die Uhr im Krankenhaus Dienst leiste, während andere Freizeit hätten, dürfe dafür eine angemessene Bezahlung erwarten, so der MB-Vorsitzende weiter. Deshalb fordert der Marburger Bund auch eine bessere Bezahlung der Bereitschafts­dienste. Die aktuellen Bereitschaftsdienst-Stundenentgelte seien keine adäquate Kompensation für die zunehmende Arbeitsbelastung der Ärzte auf unterbesetzten Stationen, so der MB. Dies soll künftig mit einer „Entgeltmatrix“ geändert werden, die differenzierte Entgelte für Bereitschaftsdienste vorsieht und auch die Berufserfahrung der Ärzte berücksichtigt.

Die Forderung nach einer Gehaltserhöhung in Höhe von 5,4 Prozent bezeichnete Henke als „maßvoll und betriebswirtschaftlich vertretbar“. Schließlich liege der letzte Tarifvertrag mit der VKA schon zwei Jahre zurück. Und bei den Krankenhäusern sei ein aus­reichender finanzieller Spielraum vorhanden. Henke rechnete vor, dass der Ausgaben­anstieg in der Krankenhausbehandlung seit 2007 3,4 Prozent pro Jahr betragen habe – die Tarifsteigerungen hätten im selben Zeitraum hingegen bei 2,2 Prozent pro Jahr gelegen.

Krankenhäuser leiden hauptsächlich unter der mangelnden Investitionskostenfinanzierung
„Das Hauptproblem der Krankenhäuser ist nicht, dass es für sie nicht möglich wäre, die Ausgaben für Personal mit der Tarifentwicklung schritthalten zu lassen“, betonte Henke. „Das Hauptproblem der Krankenhäuser ist, dass die Länder bei der Investitionskosten­finanzierung versagen, und die Mittel, die von den Krankenkassen eigentlich für das Personal bezahlt werden, von den Krankenhäusern zum Teil nicht dem Personal zugeführt werden.“ Das sei aber kein Problem, dass der Marburger Bund mit Hilfe der Tarifpolitik lösen könne.

Forderungen nicht darstellbar
„Das Forderungspaket summiert sich auf ein Kostenvolumen von mehr als 460 Millionen Euro“, kritisierte Manfred Hoffmann, Hauptgeschäftsführer der VKA. Zusammen mit einem durchschnittlich um 34 Prozent teureren Bereitschaftsdienst errechnet der VKA eine Steigerung von rund neun Prozent. Dieses Kostenvolumen sei nicht darstellbar, zumal jedes zweite Krankenhaus rote Zahlen schreibe, betonte Hoffmann.

Auch Einschränkungen des Bereitschaftsdienstes an Wochenenden wiesen die Arbeit­geber zurück. Die Kliniken bräuchten Verlässlichkeit. Es sei „nicht akzeptabel, wenn nach jeder Tarifrunde die Schichtpläne und Arbeitszeiten in den Abteilungen neu organisiert werden müssen“, erklärte der VKA-Chef.

Unseriöse und völlig praxisferne Berechnungen
Der Marburger Bund verwies darauf, nicht die optimale und vollzeitige Versorgung der Patienten in kommunalen Krankenhäusern infrage stellen zu wollen. Aber die Überbe­lastung der Beschäftigten gefährde nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern letztlich auch die Patientensicherheit, so der MB.

Gleichzeitig kritisierte der MB die unseriösen und völlig praxisfernen Berechnungen der Arbeitgeber. „Die geforderten Steigerungen bei den Bereitschaftsdienstentgelten machen maximal 2 Prozent des Gesamtvolumens der MB-Forderungen aus“, hieß es vonseiten der Ärztegewerkschaft. Der VKA habe bei seinen Berechnungen den Einfluss des Freizeitausgleiches vollständig außer Acht gelassen.

Die erste Verhandlungsrunde mit der VKA findet am 18. Dezember in Düsseldorf statt. © fos/mis/aerzteblatt.de

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Avatar #601646
Krankenhausarzt
am Mittwoch, 19. November 2014, 22:12

Anachronismen

Wenn der Marburger Bund, dieser Berufsverband, im Jahr 2004 das Arbeitszeitgesetz eindeutig in den Tarifvertrag aufgenommen und nicht unendlich viele Ausnahmeregelungen zugelassen hätte, die das Gesetz hintenherum ad absurdum geführt hätten...ja dann gäbe es diese Probleme schon lange nicht mehr.
So jedoch krakeelt die Scheingewerkschaft mal wieder, die Arbeitsbelastung sei zu hoch und meint doch nur: Mehr Geld für die immergleichen Anachronismen im Arbeitsalltag der Ärzte am deutschen Krankenhaus.
Oh je, MB; 10 Jahre verloren und noch immer nichts gelernt...
LNS

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