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Medizin

England: Zunahme der infektiösen Endokarditiden nach NICE-Empfehlung

Mittwoch, 19. November 2014

dpa

Sheffield – Der völlige Verzicht auf eine Antibiotikaprophylaxe vor zahnärztlichen Operationen, den das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) seit 2008 empfiehlt, hat in England zu einer Zunahme der Hospitalisierungen aufgrund einer infektiösen Endokarditis geführt. Dies geht aus einer retrospektiven Analyse im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)62007-9) hervor.

Orale Streptokokken der sogenannten Viridansgruppe, aber auch andere Keime der Mundhöhle können bei invasiven zahnärztlichen Eingriffen ins Blut gelangen und eine Endokarditis auslösen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert führen Zahnärzte deshalb eine Antibiotikaprophylaxe durch, die durch die einmalige Gabe von (in der Regel Amoxicillin) erfolgt.

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Die Prophylaxe ist jedoch niemals in randomisierten klinischen Studien überprüft worden, und in den letzten Jahren sind Zweifel an der Effektivität aufgetreten. In den USA, Europa und auch Deutschland wurden die Empfehlungen in den letzten Jahren zurückge­nommen. In Deutschland wird die Antibiotikaprophylaxe nur noch bei Patienten mit bestimmten angeborenen Herzfehlern, nach Klappenersatz und nach Herztransplantation empfohlen, sowie bei Patienten mit einer Endokarditis in der Vorgeschichte.

Das NICE, das in England den staatlichen Gesundheitsdienst berät, hat 2008 mangels nachgewiesener Evidenz vollständig von einer Antibiotikaprophylaxe abgeraten. Dies hat zu einem Rückgang der Verordnungen von 10.900 pro Monat auf zuletzt 1.235 im März 2008 geführt, wie Martin Thornhill von der University of Sheffield's School of Clinical Dentistry recherchiert hat.

Gleichzeitig kam es zu einem Anstieg der Hospitalisierungen aufgrund einer infektiösen Endokarditis. Die Zahlen zeigten bereits vor der NICE-Empfehlung eine ansteigende Tendenz. Nach 2008 verstärkte sich die Entwicklung jedoch, und nach den Berech­nungen von Thornhill kam es allein im März 2013 in England zu 34,9 (95-Prozent-Konfi­denzintervall 7,9-61,9) mehr Fällen, als aufgrund des Trends von vor 2008 zu erwarten gewesen wäre. Laut Thornhill kommt auf 277 (156-1217) eingesparte Verordnungen eine Endokarditis. © rme/aerzteblatt.de

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