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Politik

Oberlandes­gericht: Städte und Kreise dürfen Krankenhäuser subventionieren

Donnerstag, 20. November 2014

Stuttgart – Städte und Kreise dürfen ihre finanziell angeschlagenen Kliniken weiterhin mit Zuschüssen unterstützen und Verluste ausgleichen. In zweiter Instanz wies das Oberlandesgericht Stuttgart am Donnerstag in einem Musterverfahren eine Klage des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK) gegen den Landkreis Calw ab. Die bisherige Praxis, die bundesweit bei Hunderten Kliniken üblich ist, verstoße nicht gegen EU-Recht und das Wettbewerbsrecht, urteilte der zweite Zivilsenat. BDPK-Geschäfts­führer Thomas Bublitz zeigte sich enttäuscht. Voraussichtlich werde der Bundes­gerichtshof angerufen.

Streit um Krankenhaussubventionen: Daseinsvorsorge im Mittelpunkt

Dürfen Landkreise und Kommunen ihre unterfinanzierten Krankenhäuser dauerhaft unterstützen? Wenn ja: Welcher Angebotsumfang an stationärer Versorgung muss sein und welcher nicht? Die Diskussion darüber geht weiter. Was haben Krankenhäuser und Wasserwerke gemeinsam?

Der Verband hatte kritisiert, dass der Ausgleich von Defiziten durch Steuergelder ein Wettbewerbsnachteil sei. Der Landkreis hatte 2012 Verluste der Kreiskliniken Calw und Nagold sowie Ausfallbürgschaften für Investitionen übernommen. Das Landgericht Tübingen hatte die Klage des Verbandes in erster Instanz bereits abgewiesen.

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Aus Bublitz' Sicht zeigt das Defizit der Kreiskliniken Calw und Nagold, dass die Bevölkerung kein Grundvertrauen in die Häuser habe. Deshalb würden sie nicht so oft aufgesucht wie andere Krankenhäuser. Und deshalb würden auch rote Zahlen geschrieben.

Kommunale Kliniken seien ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, urteilte der für Wettbewerbsrecht zuständige zweite Zivilsenat des OLG weiter. Der Interessenverband Kommunaler Krankenhäuser (IVKK) begrüßte die Entscheidung. IVKK-Vorsitzender Bernhard Ziegler sagte, das OLG habe eindeutig entschieden: Krankenhäuser seien eine Pflichtaufgabe für kommunale Träger.

Ziegler forderte den Verband auf, dass Urteil zu akzeptieren, oder die Streitfrage dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen. „Denn nur dort kann geklärt werden, wie sich das grundgesetzlich garantierte Sozialstaatsgebot zum Gedanken des EU-Binnenmarktes verhält.” © dpa/aerzteblatt.de

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