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Politik

Versicherung will Daten zu gesunder Lebensführung sammeln

Freitag, 21. November 2014

Berlin – Sport- und Ernährungsgewohnheiten ihrer MItglieder sind für Krankenkassen interessante Daten. So plant jetzt die Versicherungsgruppe Generali für Deutschland ein „verhaltensbasiertes Versicherungsmodell“, bei dem Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil gesammelt werden und eine gesunde Lebensführung mit Gutscheinen oder Rabatten belohnt werden soll. Kritiker sorgen sich dabei um den Datenschutz und die Solidarität unter Versicherten.

„Wir wollen dem Zeitgeist entgegenkommen und den Leuten, die sich gerne vermessen, etwas bieten“, sagte Silvia Lorger-Michel, Sprecherin von Generali Deutschland, am Frei­tag. Das Anreizprogramm sei „etwas innovativer“ als die Bonusprogramme, die heute schon von Krankenkassen angeboten würden. Bei dem neuen Produkt, das in den Spar­ten Lebens-, Berufsunfähigkeits- und private Kran­ken­ver­siche­rung angeboten werden soll, will Generali Deutschland sich die fortschreitende Digitalisierung nutzen und mög­licher­weise spezielle Smartphone-Apps anbieten.

Kino-, Reise oder Einkaufsgutscheine als Belohnung
Zu diesem Zweck ist Generali eine Partnerschaft mit dem südafrikanischen Finanz­dienstleister Discovery eingegangen, der das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt hat. Es belohnt Kunden, die sich nachweislich gesund verhalten, mit Gutscheinen für Reisen, mit Kino- oder Einkaufsgutscheinen sowie Rabatten. Durch „regelmäßige Kon­takte“ zur Versicherung und „maßgeschneiderte Programme“ solle der Kunde moti­viert werden, seine Lebensgewohnheiten zu verbessern, heißt es in einem der drei Grundsätze des „Vitality“-Modells.

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Wie das Programm in Deutschland technisch funktionieren soll, steht laut Lorger-Michel noch nicht fest. So liegt ein Schrittmesser beim Joggen und Walking nahe, wie aber Yoga-Fans und Schwimmer ihre sportlichen Aktivitäten – womöglich in Echtzeit – an den Versicherer übermitteln sollen, kann die Konzernsprecherin noch nicht sagen. Es sei aber davon auszugehen, „dass es Mittel und Wege gibt, das auszumessen“.

Um „möglichst viele Anreize“ für ein gesundheitsbewusstes Verhalten zu schaffen, arbeitet Generali Deutschland noch an den passenden Belohnungen. Sicher ist nach Angaben der Sprecherin, dass diese in den Bereich „Lifestyle“ fallen. Im Laufe des nächsten Jahres, spätestens Mitte 2016, soll dieses Versicherungsprodukt angeboten werden.

"Persönlichste Daten" sollten Versicherungen nicht zur Verfügung stehen
Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bewertete das Versicherungskonzept in der Süddeutschen Zeitung kritisch. Der Kunde wisse gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet würden, und wer Zugriff darauf habe. Auch der nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte, Ulrich Lepper warnte davor, persön­lichste Daten zur täglichen Lebensführung Versicherungen zur Verfügung zu stellen.

„Datenschutzrechtlich kann das zulässig sein, wenn die Kunden freiwillig einwilligen und vorher transparent über die geplante Datenverarbeitung informiert werden“, teilte Lepper mit.

Die geplanten Geschäftsmodelle der Kran­ken­ver­siche­rungen würden Gesundheitsdaten kommerzialisieren. „Neben Verbraucherschutz und Versicherungsaufsicht ist auch die Politik gefragt. Es ist Zeit für eine gesellschaftliche Debatte darüber, wo Grenzen für solche Geschäftsmodelle zu ziehen sind.“

Versicherer: Datenschutz hat höchste Priorität
Dieses Argument weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zurück. Versicherer seien seit jeher darauf angewiesen, Informationen von Kunden und Geschädigten zu verarbeiten. Dabei habe der Datenschutz höchste Priorität.

Andere Kritiker sehen das Solidaritätsprinzip von Versicherungen in Gefahr. „Wenn wir den Gedanken zu Ende denken, kann das letztlich zu einer Atomisierung des Kollektivs führen“, zitierte die Süddeutsche Zeitung den obersten Versicherungsaufseher bei der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #667496
Dr. T.F. Weigel
am Montag, 24. November 2014, 09:40

Gesunde Lebensführung?

Wer bestimmt eigentlich was gesunde Lebensführung ist? Legen dies in Zukunft die Krankenkassen fest? Ist Selbstvermessung und ständige Selbstoptimierung und die Jagd nach absurden Rabatten und Schnäpchen gesunde Lebensführung? Wer kommt eigentlich für die Kosten auf, die entstehen, wenn der Selbstvermesser beim optimieren der Lebénsführung stürzt und sich eine Fraktur zuzieht? Sollen diese Kosten dann von denjenigen miterbracht werden, die keine Rabatte erhalten haben? Wohl kaum. Wo sind die Grenzen der Selbstoptimierung? Halbmarathon, Marathon oder doch besser gleich Triathlon? Fragen über Fragen. Diese kleine Auswahl an Fragen zeigt bereits die Absurdität dieses Verfahrens. Nach Abwägen von Nutzen und den erheblcihen Risiken kann man vor der Teilnahme an solchen Versicherungsmodellen, aus meiner Sicht, nur warnen.

Dr med. Thomas Friedrich Weigel
LNS

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