NewsMedizinHIV-Medikamente könnten bei Makuladegeneration wirken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

HIV-Medikamente könnten bei Makuladegeneration wirken

Montag, 24. November 2014

Ein Zwischenstadium der altersbedingten Makuladegneration /National Eye Institue

Lexington – Die Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), die zu den ersten HIV-Medikamenten gehören, könnten auch bei der altersbedingten Makulade­generation (AMD) wirksam sein. Dies zeigen Experimente man Tieren in Science (2014; 346: 1000-1003).

Der Ophthalmologe Jayakrishna Ambati von der Universität von Kentucky in Lexington hatte kürzlich herausgefunden, dass eine Reihe von sogenannten Alu-RNA an der Pathogenese der trockenen AMD beteiligt sind. Die Alu-RNA gehören zu einer Gruppe von Genen, den Retrotransposonen, die durch das Enzym Reverse Transkriptase aktiviert werden.

Anzeige

Die Alu-RNA regulieren einige Enzyme, die in der Netzhaut eine zerstörerische Wirkung haben. Zu ihnen gehört beispielsweise das Enzym Caspase-1. Die Hemmung des Enzyms Reverse Transkriptase könnte deshalb das Fortschreiten der trockenen AMD aufhalten. Zu den bewährten Inhibitoren der Reversen Transkriptase gehören die NRTI, die seit drei Jahrzehnten zur Behandlung der HIV-Infektion eingesetzt werden.

Ambati schloss daraus, dass die NRTI bei der trockenen AMD eine Wirkung haben könnten, obwohl es zwischen den beiden Krankheitsbildern keine Verbindung gibt. Die AMD ist definitiv nicht die Folge einer HIV-Infektion. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse eines Mäusemodells der trockenen AMD zeigen jedoch, dass die NRTI tatsächlich den Verlauf der AMD beeinflussen.

In einem Versuch wurde beispielsweise die Degeneration der retinalen Pigmentepithelien abgeschwächt. Weitere Versuche ergaben überraschenderweise, dass diese günstige Wirkung gar nicht auf die Hemmung der Reversen Transkriptase zurückzuführen waren. Stattdessen blockierte die NRTI einen Enzymkomplex, der als Inflammasom bezeichnet wird und Bestandteil des unspezifischen Immunsystems ist.

Dies könnte bedeuten, dass NRTI nicht nur bei der AMD, sondern auch bei einer Reihe von anderen Erkrankungen eine günstige Wirkung erzielen. Ambati stellt hierzu tierex­perimentelle Ergebnisse zur nassen AMD, zur „Graft-versus-Host“-Krankheit und zu Leberschäden vor.

Ob auch beim Menschen eine günstige Wirkung erzielt wird, ist unklar. Bekanntlich erfüllen sich hier nicht immer die Erwartungen aus tierexperimentellen Studien. Da die NRTI jedoch seit drei Jahrzehnten eingesetzt werden, stünde klinischen Studien nichts im Weg, findet Ambati. Die NRTI wurden in den 1960er Jahren zur Behandlung von Krebs­erkrankungen entwickelt. Sie gehörten 1987 zu den ersten Arzneistoffen gegen die HIV-Infektion, wo sie heute mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #103518
docyilmaz
am Dienstag, 25. November 2014, 11:32

klein korrektur

"AMD beteiligt sin."

6 ° Reihe

"sind"

mfg
LNS

Nachrichten zum Thema

23. August 2019
Taichung (Taiwan) – Ist die schlechte Luft in vielen Städten Ostasiens für die hohe Zahl von altersbedingten Makuladegenerationen (AMD) mitverantwortlich? Nach einer Langzeitstudie im Journal of
Autoabgase könnten altersbedingte Makuladegeneration fördern
10. Oktober 2018
Berlin/Mainz – Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist einer Studie zufolge die häufigste Augenerkrankung in Deutschland. Rund 6,9 Millionen Menschen sind demnach von Frühstadien der Krankheit
Makuladegeneration bei mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland
31. Mai 2018
München – Immer mehr Menschen leiden an altersabhängiger Makuladegeneration (AMD). Laut der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ist die Netzhauterkrankung bereits heute für jede zweite
Altersabhängige Makuladegeneration: Zahl der Erkrankungen steigt
20. März 2018
London – Eine Kunststoffmembran, die mit retinalen Pigmentepithelien besiedelt wurde, hat nach einer Implantation in den subretinalen Raum bei 2 Patienten im fortgeschrittenen feuchten Stadium einer
AMD: 2 Patienten können dank „Stammzell-Pflaster“ wieder lesen
20. November 2017
Madison/Wisconsin – Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), eine häufige Sehstörung im Alter, wird immer seltener. Nach der Analyse von zwei US-amerikanischen Langzeitstudien in JAMA
Augenkrankheit AMD wird von Generation zu Generation deutlich seltener
12. September 2017
Basel – Der Antikörper Lampalizumab, der über die Hemmung des Komplementsystems die Ausdehnung einer geographischen Atrophie bremsen soll, hat in einer der beiden maßgeblichen Studien die Erwartungen
AMD: Lampalizumab kann geographische Atrophie in Studie nicht aufhalten
30. Mai 2017
München – Das AMD-Netz, der Berufsverband der Augenärzte (BVA), der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und PRO RETINA Deutschland
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER