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Medizin

Joghurt könnte Diabetesrisiko senken

Donnerstag, 27. November 2014

dpa

Boston – Wer täglich Joghurt isst, erkrankt im Alter möglicherweise seltener an einem Typ 2-Diabetes. Zu diesem Ergebnis kommen US-Epidemiologen in BMC Medicine (2014; 12: 215). Für andere Milchprodukte konnte keine präventive Wirkung nachgewiesen werden.

Das Team um Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston hatte ursprünglich die Auswirkungen von Milchprodukten auf das Diabetesrisiko untersucht. Den Molkeproteinen werden von Ernährungsforschern nämlich insulinotrope und zuckersenkende Eigenschaften zugeschrieben. Die Epidemiologen untersuchten hierzu die drei großen prospektiven Kohortenstudien, die Angehörige der Gesundheitsberufe regelmäßig nach ihren Lebensgewohnheiten befragen und zu den auftretenden Krankheiten in Beziehung setzen.

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Unter den fast 194.519 Teilnehmern der Health Professionals Follow-up-Study (HFPS) und der beiden Nurses’ Health Studies war es nach 4 Millionen Personen-Jahren der Nachbeobachtung zu etwa 15.156 Neuerkrankungen an einem Typ 2-Diabetes gekommen. Doch trotz der enormen Datenbasis ließ sich keine Assoziation zum Milchverzehr nachweisen. Auch die gesonderte Auswertung nach dem Fettgehalt lieferte keinen Hinweis auf eine protektive Wirkung.

Nur der Joghurt machte eine Ausnahme: Der tägliche Verzehr eines Bechers mit 28 Gramm war mit einem um 17 Prozent verminderten Risiko auf einen Typ-2-Diabetes assoziiert (Hazard Ratio 0,83; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,75-0,92). Um auszu­schließen, dass es sich um einen Zufallsbefund handelt – was bei sogenannten Sub­gruppen-Analysen nicht auszuschließen ist („ein fleißiger Epidemiologe findet immer etwas“) – führten die Forscher eine weitere Analyse durch.

Dieses Mal ließen sie Daten aus 14 prospektiven Kohorten mit 459.790 Teilnehmern in die Analyse einfließen, von denen 35.863 neu am Typ 2-Diabetes erkrankt waren. Erneut fanden die Forscher eine signifikante Senkung des Diabetesrisikos um – dieses Mal – 18 Prozent pro täglichem Konsum von Joghurt (gepooltes relatives Risiko 0,82; 0,70-0,96). Für den Gesamtverzehr von Milch und Milchprodukten konnte erneut keine Assoziation gefunden werden.

Trotz der übereinstimmenden Ergebnisse aus zwei getrennten Analysen und der hohen Qualität der Studien, die eine Reihe von anderen Erklärungen – von Alter und Body-Mass-Index über Rauchen, Bluthochdruck bis zu spezifischen Gesundheits- und Verhaltensmerkmalen – ausschließen, sind die Ergebnisse kein Beweis für eine diabetespräventive Wirkung. Es bleibt immer denkbar, dass andere Aspekte eines gesunden Lebensstils, die nicht von den Studien erfasst wurden, für die protektive Wirkung verantwortlich sind.

Es gäbe jedoch eine Erklärung, warum Joghurt, nicht aber die Milch aus der er hergestellt wird, vor einem Typ 2-Diabetes schützt. Der Unterschied besteht in den probiotischen Bakterien, die bei der Joghurt-Produktion eingesetzt werden und die teilweise noch im Endprodukt enthalten sind. Leider waren die Befragungen in den Kohortenstudien nicht detailliert genug, um hier eine Beziehung zu probiotischen Produkten herstellen zu können.

© rme/aerzteblatt.de

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