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Medizin

HIV: Sehr früher Therapiebeginn verbessert Immunstatus

Dienstag, 25. November 2014

Modell der DNA eines Hi-Virus /dpa

San Antonio – Ein früher Beginn der antiretroviralen Therapie (ART) erhöht die Chancen von HIV-Infizierten, die Funktion ihres Immunsystems zu normalisieren. Dies geht aus einer Studie in JAMA Internal Medicine (2014; doi: 10.1001/jamainternmed.2014.4010) hervor.

Der wichtigste Zielparameter der ART ist eine möglichst komplette Virussuppression. Doch auch wenn alle HI-Viren aus dem Blut eliminiert wurden, sind die Patienten nicht gesund. Eine leichte Immunschwäche bleibt bestehen. Erkennbar ist dies daran, dass die CD4-Zahlen zwar ansteigen, aber selten Normalwerte erreichen, die im Bereich von 900/µl CD4-Zellen liegen.

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Ein sehr früher Therapiebeginn scheint nun die Chancen auf eine Normalisierung der CD4-Werte deutlich zu erhöhen. Dies konnte das Team um Sunil Ahuja vom Health Science Center at San Antonio bereits im letzten Jahr an einer Kohorte von Patienten zeigen, bei denen aus serologischen und virologischen Daten auf den Zeitpunkt der Infektion zurückgerechnet wurde.

Von den Patienten, die innerhalb von vier Monaten nach dem geschätzten Infektions­zeitpunkt mit der Therapie begonnen hatten, erreichten 64 Prozent innerhalb der ersten vier Therapiejahre einen CD4-Normalwert. In einer Vergleichsgruppe, in der die Therapie erst später begonnen hatte, wurde dieses Ziel nur von 34 Prozent erreicht.

Wenn die Patienten mit der Therapie gewartet hatten, bis die CD4-Werte auf unter 500/µl abgefallen waren, wie dies von den Leitlinien empfohlen wird, sanken die Chancen, einen Normalwert zu erreichen, um 65 Prozent (NEJM 2013; 368: 218-30). Die Studie lieferte damals allerdings keine Belege dafür, dass das Nichterreichen normaler CD4-Werte wirklich Nachteile für die Gesundheit der HIV-Infizierten bedeutet.

Jetzt legt das Team die Auswertung einer zweiten, größeren Kohorte vor. Es handelt sich um 1.119 US-Veteranen, bei denen der Zeitpunkt der Infektion ebenfalls errechnet wurde. Dieses Mal betrug die Chance auf eine Normalisierung der CD4-Werte 38,4 Prozent, wenn die Therapie innerhalb der ersten 12 Monate nach der Ansteckung eingeleitet wurde. Bei einem späteren Beginn sank sie auf 28,3 Prozent. Ein Beginn der Therapie vor einem Abfall der CD4-Werte auf 500µl war ebenfalls günstig.

Die Forscher können dieses Mal auch zeigen, dass ein Therapiebeginn in den ersten zwölf Monaten das Risiko auf eine spätere Aids-Erkrankung von 15,3 auf 7,8 Prozent senkte. Die T-Zell-Aktivierung war vermindert und die Reaktionsfähigkeit auf eine Impfung gegen Hepatitis-B-Virus (HBV) erhöht. Beides sind günstige Zeichen für die Erholung des Immunsystems.

Für den Editorialisten Timothy Schacker von der Universität von Minnesota in Minnea­polis unterstreichen die Ergebnisse, dass das Ziel der HIV-Therapie die vollständige Wiederherstellung der Immunfunktion sein muss und nicht nur die Suppression der Virusreplikation.

Dieses Ziel würde derzeit nur jeder dritte Patient erreichen. Schacker gibt allerdings zu bedenken, dass für die meisten mit HIV infizierten Menschen ein Therapiebeginn in den ersten zwölf, oder besser noch in den ersten vier Monaten der HIV-Infektion derzeit nicht möglich ist, da bei den meisten Patienten die Infektion erst viel später entdeckt wird. © rme/aerzteblatt.de

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