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Medizin

Genvariante schützt vor Schlaganfall

Mittwoch, 26. November 2014

Lille – Eine Genvariante, die in früheren Untersuchungen mit einem erhöhten Herzin­farktrisiko und einer verminderten Zahl von Migräne-Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde, könnte einer aktuellen Studie in Nature Genetics (2014; doi: 10.1038/ng.3154) zufolge ihre Träger vor einer Dissektion der Zervikalarterien schützen, die eine häufige Ursache von Schlaganfällen bei jüngeren Erwachsenen ist.

Die stärkere Verbreitung der Sonographie seit den 1970er Jahren hat gezeigt, dass Dissektionen der Arteriae carotis und vertebralis keineswegs so selten sind, wie vormals angenommen. Auslöser der Erkrankung ist ein Riss im Endothel, der zu einer Blutung in die Gefäßwand führt, die die Arterie einengt und in der Folge einen Schlaganfall auslösen kann.

Betroffen sind häufig jüngere Menschen vor dem 45. Lebensjahr. Dies und eine familiäre Häufung legt genetische Einflussfaktoren nahe, denen das internationale Konsortium CADISP (Cervical Artery Dissections and Ischemic Stroke Patients) in einer genom-weiten Assoziationsstudie (GWAS) nachgegangen ist. Dazu wurde das Erbgut von 1.393 Patienten mit Dissektionen einer Halsarterie und 14.416 Gesunden an etwa 500.000 Stellen verglichen, in denen im menschlichen Erbgut Genvarianten, sogenannte Einzel­nu­kleotid-Polymorphismen (SNP) auftreten. Das Resultat wurde in einer weiteren, unab­hängigen Untersuchungsgruppe mit 649 betroffenen Patienten und 2.648 Kontroll­personen bestätigt.

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Zu ihrer Überraschung entdeckten Stéphanie Debette vom Institut Pasteur de Lille und Mitarbeiter eine Genvariante, die in den letzten Jahren bereits mit zwei anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde. Das Myocardial Infarction Genetics Consortium hatte gezeigt, dass rs9349379 mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert ist (Nature Genetics 2009; 41: 334-41). Ein anderes Team zeigte im letzten Jahr, dass Menschen mit rs9349379 seltener an einer Migräne erkranken (Nature Genetics 2013; 45: 912–917). Die jetzt vorgelegten Ergebnisse zeigen, dass die Variante auch vor einer Dissektion der Zervikalarterien schützen könnte (Odds Ratio 0,75; 0,69-0,82).

Wie dieser Schutz zustande kommt, ist völlig unklar. Die Genvariante rs9349379 befindet sich in dem Gen PHACTR1 (Phosphatase and actin regulator 1), dessen Funktion nicht genau bekannt ist. Es wird vermutet, dass PHACTR1 in die Entwicklung der Blutgefäße eingreift. Wie dies vor Dissektionen schützt, gleichzeitig aber das Herzinfarktrisiko erhöht, dürfte nicht so leicht zu erklären sein. Sicher ist allerdings, dass neben „rs9349379“ noch eine Reihe weiterer genetischer und nicht genetischer Faktoren zusammen kommen müssen, bevor es zu dem tödlichen Riss in der Wand einer Zervikalarterie kommt.

© rme/aerzteblatt.de

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