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Kongolesischer Frauenarzt mit Sacharow-Preis geehrt

Mittwoch, 26. November 2014

Denis Mukwege heute In Straßburg dpa

Straßburg – Er setzt sich seit Jahren für Frauen ein, die während des Bürgerkriegs im Kongo Opfer von Gruppenvergewaltigungen wurden – dafür ist der Gynäkologe Denis Mukwege am Mittwoch mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europapar­laments ausgezeichnet worden. Mukwege setze als Arzt alles daran, den Opfern von Vergewaltigungen zu helfen, sagte Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD). „Anstatt wegzusehen sind Sie zu einem furchtlosen Mann geworden, der das Leid zahlloser Frauen und Mädchen gelindert hat.”

Der Körper von Frauen sei im Kongo ein „regelrechtes Schlachtfeld” geworden, sagte Mukwege. Massenvergewaltigungen würden als "Kriegswaffe" benutzt, sie seien Teil einer „schrecklichen Strategie der Kriegsführung", betonte der 59-Jährige, der in Begleitung seiner Frau nach Straßburg gekommen war.

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Im Kongo vergehe kaum ein Tag ohne menschliche Dramen, sagte der Arzt. Schwan­geren Frauen werde der Bauch aufgeschlitzt, ihre ungeborenen Kinder würden zerstümmelt. Insgesamt seien im Kongo mehrere hunderttausend Frauen vergewaltigt worden, sagte Mukwege.

„Wie können wir als Menschen dazu schweigen?" Überall in der Welt würden solche Verbrechen Entrüstung hervorrufen. Doch im Kongo würden diese Gräueltaten als „"Nebensache" betrachtet, sagte der Preisträger. Dies zeige, wie sehr die kongolesische Gesellschaft durch zu viel Gewalt traumatisiert sei, sagte Mukwege, dem eine Delegation von kongolesischen Frauen auf der Besuchertribüne singend und tanzend zujubelte.

An die EU appellierte der Preisträger, bei Wirtschaftsabkommen mit seinem Land konsequenter auf die Achtung von Menschenrechten und Demokratie zu achten. Der Straflosigkeit müsse ein Ende gesetzt werden, betonte der Arzt, der sich seit langem dafür einsetzt, Massenvergewaltigungen während bewaffneter Konflikte als „Kriegswaffe” einzustufen. Vergewaltigungen, die von Befehlshabern angeordnet würden, seien Kriegsverbrechen und müssten als solche bestraft werden, forderte auch Schulz.

Mukwege operiert seit Jahren Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen wurden und deren Geschlechtsorgane oft völlig zerstört wurden. Der Gynäkologe, der im Kongo und in Frankreich ausgebildet wurde, gilt weltweit als Spezialist für das Rekonstruieren von weiblichen Geschlechtsorganen. Er hat mehrere tausend Frauen operiert, die während des Bürgerkriegs vergewaltigt wurden.

Zudem setzt er sich für die soziale und moralische Rehabilitation von Vergewaltigungs­opfern im Kongo ein, wo die betroffenen Frauen oft von der Gesellschaft an den Pranger gestellt werden. Mukwege ist Gründer des Panzi-Krankenhauses in der kongolesischen Stadt Bukavu, wo er auch arbeitet.

Parlamentspräsident Schulz begrüßte während der Preisverleihung auch eine Vertreterin der proeuropäischen Euromaidan-Bewegung in der Ukraine sowie die Tochter der in Aserbaidschan inhaftierten Menschenrechtsaktivistin Leila Junus. Die Demonstranten der Maidan-Bewegung hätten „enormen Mut bewiesen und unter Lebensgefahr für die gute Zukunft der Ukraine gekämpft”, sagte Schulz.

Der SPD-Politiker forderte zugleich die aserbaidschanische Regierung auf, die gesund­heitlich angeschlagene Bürgerrechtlerin Junus freizulassen. Eine Delegation des Europaparlaments wolle die Frau im Gefängnis besuchen, was ihr bis heute verwehrt werde. "Das ist nicht hinnehmbar."

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte und mit 50.000 Euro dotierte Preis wird seit dem Jahr 1988 an Persön­lichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.

© afp/aerzteblatt.de

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