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Medizin

Wolfram-Syndrom: Muskelrelaxans könnte bei seltener Diabetesform wirken

Mittwoch, 26. November 2014

St.Louis – Das Muskelrelaxans Dantrolen, das zur Behandlung der malignen Hyper­thermie zugelassen ist, könnte bei einer seltenen, aber verheerenden Form des Diabetes wirksam sein, berichten US-Forscher in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2014; doi: 10.1073/pnas.1421055111).

Das Wolfram-Syndrom (WFS) ist eine sehr seltene neurodegenerative Krankheit, die mit Diabetes mellitus Typ I, Diabetes insipidus, Optikusatrophie und neurologischen Symp­tomen einhergeht. Weltweit wurden nur etwa 300 Fälle beschrieben. Für die Forschung ist die Störung jedoch höchst interessant, da es die erste Erkrankung ist, die auf eine Störung des endoplasmatischen Retikulums (ER) zurückgeführt werden konnte.

Das ER ist ein weit verzweigtes Kanalsystem in der Zelle, auf deren Oberfläche sich die Ribosomen befinden, die Proteinfabriken der Zellen. Erkrankungen des ER führen früher oder später zu Störungen der Proteinsynthese, was sich beim Wolfram-Syndrom zuerst in einem Ausfall der Produktion des Peptidhormons Insulin in den Beta-Zellen bemerkbar macht. Später kommt es dann zu Hörverlust, Sehstörungen und Gleichge­wichts­stö­rungen.

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Bislang wurden zwei unterschiedliche Gendefekte als mögliche Ursache des Wolfram-Syndroms beschrieben. Beide führen, wie das  Team um Fumihiko Urano von der Washington University School of Medicine in St. Louis herausgefunden hat, zu einer vermehrten Aktivität des Enzyms Calpain 2, das möglicherweise für den allmählichen Untergang von Beta-Zellen und Nervenzellen verantwortlich ist.

Die Forscher haben deshalb systematisch nach Molekülen gesucht, die Calpain 2 blockieren. Dabei sind sie auf das Muskelrelaxans Dantrolen gestoßen. Es hat in Stammzellexperimenten den Untergang von Nervenzellen verhindert. Ob es auch bei Patienten mit Wolfram-Syndrom wirksam ist, wissen die Forscher nicht. Da Dantrolen jedoch als Medikament zugelassen ist, könnte zügig mit klinischen Studien begonnen werden.

Die Einsatzgebiete von Dantrolen könnten dann über das seltene Wolfram-Syndrom hinausgehen. Die Forscher halten es für möglich, dass Dantrolen beispielsweise auch bei (anderen) Diabetikern den Untergang von Beta-Zellen verhindern kann. Die Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass das Wolfram-Syndrom nicht die einzige Erkrankung des ER ist. © rme/aerzteblatt.de

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