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Medizin

Weltweit jährlich 500.000 Krebserkrankungen durch Übergewicht und Adipositas

Mittwoch, 26. November 2014

dpa

Lyon – Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, weil sie übergewichtig oder fettleibig sind. Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), rechnen in Lancet Oncology (2014; doi: 10.1016/S1470-2045(14)71123-4) vor, dass im Jahr 2012 weltweit 481.000 neu entdeckte Krebsfälle auf Übergewicht und Adipositas zurückzuführen waren.

Epidemiologische Studien haben wiederholt gezeigt, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) mit einer Reihe von Krebserkrankungen assoziiert ist. Darunter sind in beiden Geschlechtern vor allem Krebserkrankungen der Verdauungsorgane (Ösophagus, Darm, Bauchspeicheldrüse) und der Nieren, bei Frauen zusätzlich das postmenopausale Mammakarzinom sowie Ovarial- und Endometriumkarzinome.

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Melina Arnold vom IARC in Lyon und Mitarbeiter haben die publizierten relativen Risiken mit den im GLOBOCAN der IARC ermittelten Inzidenzen der einzelnen Krebserkran­kungen in Beziehung gesetzt. Mit den Daten zur Verbreitung von Übergewicht und Adipositas in den einzelnen Ländern haben sie dann die attributiven Risiken in der Bevölkerung (PAF) errechnet. Sie berücksichtigte dabei eine „Einwirkungszeit“ des erhöhten BMI von zehn Jahren.

Die Berechnungen ergaben, dass weltweit schätzungsweise 481.000 Krebserkrankungen auf den Faktor Übergewicht oder Adipositas zurückzuführen sind. Dies entspräche einem Anteil von 3,6 Prozent an allen Krebserkrankungen. In den entwickelten Ländern, wo deutlich mehr Menschen übergewichtig oder adipös sind, liegt die PAF bei 5,2 Prozent. In Osteuropa – wo mehr Menschen Gewichtsprobleme haben als in Nordamerika – sind es sogar 6,5 Prozent.

Wegen der Beziehung zu den Östrogenen – ein Wachstumsfaktor für Brustkrebs und Endometriumkarzinom – ist die PAF bei Frauen höher als bei Männern. Für Tschechien errechnet Arnold eine PAF von 12,0 Prozent, in den USA ist mit 9,5 Prozent ebenfalls jede zehnte Krebserkrankung bei Frauen auf Übergewicht und Adipositas zurückzu­führen.

Auch Deutschland fällt in die oberste Kategorie (8,5 Prozent oder höher). Bei den Männern führt ebenfalls Tschechien die Rangliste mit einer PAF von 5,5 Prozent an vor Jordanien mit 4,5 Prozent und Großbritannien und Malta (jeweils 4,4 Prozent). Deutschland liegt hier ebenfalls in den obersten Kategorie mit einer PAF von 3,1 Prozent oder höher.

Da die Adipositas-Epidemie erst in den 1980er Jahren eingesetzt hat und viele Schwellenländer Asiens und Afrikas die Entwicklung anderer Länder in den nächsten Jahrzehnten nachholen, dürften die PAF in Zukunft weiter ansteigen. Die Adipositas könnte langfristig zu einer bedeutenden Ursache von Krebserkrankungen werden. © rme/aerzteblatt.de

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