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Medizin

Ebola: Impfstoff mit Immunantwort in erster klinischer Studie

Donnerstag, 27. November 2014

dpa

Bethesda – Der erste der beiden derzeit klinisch getesteten Ebola-Impfstoffe hat sich in einer ersten Phase 1-Studie an 20 Patienten als sicher, wenn auch nicht ganz frei von Nebenwirkungen erwiesen. Die im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1410863) publizierten Ergebnisse deuten auf eine starke Immunantwort hin. Der Hersteller will vor dem Beginn erster Studien in den betroffenen Ländern West­afri­kas noch die Ergebnisse laufender Phase 1-Studien abwarten.

Die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika, das jederzeit auf benachbarte Länder übergreifen und über den Flugverkehr auch Europa und die USA erreichen kann, hat die Entwicklung eines Impfstoffes vorangetrieben. Zwei Firmen haben vektorisierte Vakzinen in der klinischen Entwicklung. Beide Vakzinen präsentieren dem Immunsystem ein Glykoprotein von der Oberfläche des Ebola-Virus.

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Bei der Vakzine der Firma GlaxoSmithKline, die ursprünglich von Okairos aus Basel entwickelt wurde, ist das Glkyoprotein an ein nicht zur Replikation fähiges Adenovirus von Schimpansen (cAd3) gebunden. Bei der Vakzine des staatlichen Canadian National Microbiology Laboratory ist der Träger ein replikationskompetentes Vesicular stomatitis virus (VSV). Beide Impfstoffe werden derzeit an gesunden Probanden in Phase 1-Studien untersucht. Die GlaxoSmithKline hat einen Vorsprung von wenigen Wochen.

Julie Ledgerwood vom Vaccine Research Center der US-National Institutes in Bethesda kann jetzt die Ergebnisse an den ersten 20 gesunden Probanden vorstellen, die den cAd3-EBO-Impfstoff als einmalige intramuskuläre Injektion in den Deltamuskel erhalten haben. Getestet wurden zwei um eine Zehnerpotenz unterschiedliche Dosierungen. Der Schwerpunkt einer Phase I-Studie liegt auf der Sicherheit.

Bei der niedrigeren Dosierung gab es keine Probleme, bei der höheren Dosis entwickel­ten zwei der zehn Probanden Fieber, bei einem stieg die Körpertemperatur auf bis zu 39,9°C an. In beiden Fällen normalisierte sich die Temperatur nach der Gabe eines Antipyretikums innerhalb eines Tages. Nach Einschätzung von Ledgerwood und Mitarbeitern sind beide Dosierungen sicher, wobei diese Frage nach der Impfung von 20 gesunden Probanden natürlich noch nicht abschließend beurteilt werden kann: Drei der 20 Probanden entwickelten Antiphospholipid-Antikörper, die schlimmstenfalls eine Autoimmunreaktion anstoßen könnten. Bei drei Probanden kam es drei bis vier Tage nach der Impfung zu einer leichten Neutro- und Lymphopenie, die jedoch ohne Folgen blieb.

Bei allen 20 Probanden kam es innerhalb von vier Wochen zur Bildung von Antikörpern, die gegen das Glykoprotein vom Ebola-Virus gerichtet waren, wobei unter der höheren Dosis deutlich höhere Antikörper-Titer erzielt wurden. Der verwendete Impfstoff war bivalent: Er enthält die Glykoproteine der Ebolaviren Sudan und Zaire, zwei von insgesamt fünf Spezies des Virus. Die Epidemie in Westafrika wird von der Species Zaire getragen. Neunzehn der 20 Probanden entwickelten Antikörper gegen dieses Virus. In den laufenden und allen weiteren Studien wird eine monovalente Vakzine verwendet, die nur noch vor der Zaire-Spezies schützt. Sie könnte bei gleicher Dosis eine stärkere Wirkung erzielen.

Ob die Antikörper-Titer ausreichen, um vor einer Infektion zu schützen, lässt sich nicht vorhersagen. Bei den meisten Probanden kam es jedoch zusätzlich zu einer T-Zell-Antwort: Unter der höheren Dosis wurde in Zytokintests bei allen zehn Probanden eine CD4-Antwort und bei sieben auch eine CD8-Antwort festgestellt. Unter der niedrigen Dosierung war dies nur bei drei beziehungsweise zwei Probanden der Fall.

Für den Editorialisten Daniel Bausch von der Tulane University in New Orleans ist eine Wirkung der Vakzine nicht garantiert. Er verweist darauf, dass die in Westafrika verbreitete Malaria die Wirksamkeit anderer Impfstoffe abschwächen kann. Auch eine Immunität gegen Adenoviren könnte zum Impfstoffversagen führen. Zwar unterscheiden sich die Adenoviren der Schimpansen von denen, die beim Menschen Erkältungen auslösen. Eine Kreuzimmunität ist jedoch nicht völlig auszuschließen.

Genaue Aussagen zur Wirksamkeit werden erst nach Abschluss der Phase 2/3-Studien möglich sein, die frühestens im Januar in Westafrika beginnen. Die US-National Institutes of Health haben hierzu Verhandlungen mit der Regierung von Liberia aufgenommen. Für den Dezember werden erste Ergebnisse zum monovalenten Impfstoff erwartet. Er wird derzeit an 60 Probanden an der Universität Oxford und an 40 Probanden in Mali getestet. Eine weitere Studie läuft derzeit in Lausanne.

Auch der zweite ursprünglich in Kanada entwickelte Impfstoff wird seit Oktober klinisch getestet. Lizenznehmer ist die Firma NewLink Genetics aus Ames in Iowa, die hierzu eine Kooperation mit Merck (MSD) eingegangen ist. Zwei weitere Impfstoffe wurden von der Frima Crucell aus Leiden in den Niederlanden und von der Firma Bavarian Nordic aus Kvistgaard in Dänemark entwickelt.

Der Impfstoff von Bavarian Nordic soll in Kooperation mit Johnson & Johnson ab Anfang 2015 klinisch getestet werden. In der präklinischen Phase befinden sich Vakzinen von Profectus Biosciences aus Baltimore und der Universität von Texas in Galveston. Auch an der Thomas Jefferson University in Philadelphia und bei der Firma Exxell BIO aus St. Paul/Minnesota wird an der Entwicklung von Vakzinen gegen Ebola gearbeitet.

© rme/aerzteblatt.de

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