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Ärzteschaft

„Wir wollen Ärzte sein und ärztlich arbeiten!“

Freitag, 5. Dezember 2014

Köln - Zu wenig Zeit am Patienten, zu wenig Zeit für Weiterbildung und zu wenig Zeit für Forschung – so beschreibt ein Positionspapier des „Bündnis Junge Ärzte“ das Empfinden der jungen Medizinergeneration.

5 Fragen an Dr. med. Alexis Michael Müller-Marbach, Sprecher des es „Bündnis Junge Ärzte“

DÄ: Das „Bündnis Junge Ärzte“ warnt in einem Positionspapier davor, der Zeitmangel in der Klinik verschlechtere die Versorgung – auch, weil die Weiterbildung zu kurz komme. Eine punktuelle Meinung?

Müller-Marbach: Nein, das ist nicht die Meinung einzel­ner besorgter Kollegen, sondern ein Konsens im gesamten Bündnis – und dem gehören immerhin die Nachwuchsorganisationen von mittlerweile 15 der größten medizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbänden an. Als wir uns nach der Gründung des Bündnis Ende 2013 zusammengesetzt haben, wurde klar: Wir haben alle die gleichen oder zumindest vergleichbare Erfahrungen gemacht.

DÄ: Welche Erfahrungen sind das?
Müller-Marbach: Immer mehr medizinische Möglichkeiten, die demografische Entwicklung und die steigenden Erwartungshaltung der Patienten – letztlich der Kostendruck in den Kliniken – führen dazu, dass Pflegepersonal und Ärzteschaft in gleicher Zeit immer mehr leisten müssen. Diese sich zuspitzenden Arbeitsverdichtung lässt für zentrale ärztliche Aufgaben immer weniger Zeit, also für das persönliche Gespräch, Anteilnahme und menschliche Zuwendung. Besonders die zeitaufwändige Weiterbildung der Ärzte leidet unter dem ökonomischen Druck.

DÄ: Was fordert das Bündnis?
Müller-Marbach: Wir wollen Ärzte sein und ärztlich arbeiten, also am und mit dem Patienten. Das war ja der Grund, warum wir uns für den Arztberuf entschieden haben. Stattdessen müssen wir immer mehr patientenferne Arbeit leisten, zum Beispiel im Verwaltungsbereich. Für Medizinstudierende und junge Ärzte wird das Gesundheits­system als Arbeitgeber damit immer unattraktiver. Der daraus resultierende Mangel an ärztlichem Nachwuchs verschärft die Defizite in der ärztlichen Versorgung zusätzlich.

DÄ: Aber wie wollen sie das erreichen, mehr Zeit für Weiterbildung und für die Zuwendung zum Patienten?
Müller-Marbach: Wir haben im Bündnis einige Vorschläge abgestimmt. Wichtig ist danach, dass Ärzte ihre Zeit auf ihre Kernkompetenzen verwenden. Wir fordern die Delegation von nicht-ärztlichen Aufgaben an geschultes Personal ohne Substitution von ärztlichen Tätigkeiten, wie dies im angloamerikanischen Raum zum Teil angewendet wird. Wichtig sind außerdem innovative Arbeitszeitmodelle, um den Bedürfnissen von Ärzten mit Familien gerecht zu werden. Last but not least könnten effizientere IT-Systeme tägliche Abläufe deutlich effizienter gestalten. Aber Prozessoptimierung ist natürlich nicht alles…

DÄ: Was fehlt?
Müller-Marbach: Die Grundausrichtung, das richtige Leitbild! Kliniken sind keine Profit-Center und dürfen nicht als solche konzipiert und geführt werden. Es darf nicht in erster Linie um Rendite gehen, sondern um eine hochwertige medizinische Versorgung. Garan­ten dafür sind ein motiviertes, hochqualifiziertes Personal und modern ausgestattete Gesundheitseinrichtungen.

Wir fordern daher mehr finanzielle Mittel für die Einstellung von hochqualifiziertem Personal sowie Investitionen in Sachgüter. Wichtig ist außerdem, dass die Kosten für die ärztliche Weiterbildung gesichert sind, um Weiterbildungsstätten nicht zu benachteiligen und um der Tendenz der „weiterbildungsfreien Klinik“ entgegen zu wirken. Die pauschale Koppelung der Kosten der Weiterbildung an die Fallpauschalen lehnen wir ab, da sie Kliniken ohne Weiterbildungsassistenten bevorteilt.

© hil/aerzteblatt.de

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hwdoc
am Montag, 8. Dezember 2014, 14:55

Anmerkung zu Positionspapier " Bündnis Junger Ärzte"

Die Forderung nach mehr finanziellen Mitteln ist mit Sicherheit opportun, jedoch löst mehr Geld nicht unbedingt bestehende Probleme.
Eine hochwertige medizinische Betreuung ist nicht allein an hochqualifizierten Ärzten auszumachen (die entsprechend ihren Leistungen honoriert werden) sondern auch im Zusammenwirken der unterschiedlichen Professionen wie z.B. Pflegepersonal und z.B. in Krankenhäusern Küchen-/Essenausgabe- und Reinigungspersonal, die wohl aus Kostengründen ausgegliedert worden sind.

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