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Medizin

American Football: Hirnveränderungen schon nach einer Spielsaison

Dienstag, 2. Dezember 2014

RSNA

Winston-Salem – Die häufigen Kopfkontakte beim American Football können das Gehirn verändern, auch wenn es zu keinen Gehirnerschütterungen gekommen ist. Dies zeigt eine Untersuchung, die auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago vorgestellt wurde.

Unter allen Kontaktsportarten ist American Football am stärksten körperbetont. Rempeln ist Teil der Spielstrategie. Bei einem sogenannten Tackle werden gegnerische Spieler nicht selten unter einer Traube von Spielern begraben. Um das Risiko von Schädel-Hirn-Traumata zu minimieren, sind Schutzhelme Pflicht. Dass sie ihren Zweck erfüllen, bezweifeln Neurologen seit längerem. Sie befürchten für die jungen Spieler lebenslange Schäden.

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Jetzt können Radiologen zeigen, dass es tatsächlich zu Hirnschäden kommen kann – und zwar bereits nach einer Spielsaison. Das Team um Christopher Whitlow von der Wake Forest School of Medicine hat 24 junge Football-Spieler (Alter: 16 bis 18 Jahre) mit einem Head Impact Telemetry System ausgerüstet. Es handelt sich um einen in den Helm integrierten Akzelerometer, der die Erschütterungen registriert und drahtlos an einen Computer am Spielfeldrand überträgt.

Whitlow unterschied die Spieler nach den Ergebnissen in neun „heavy hitter“, die körperliche Konfrontation auf dem Spielfeld nicht scheuten und neun „light hitter“, die Zusammenstößen eher aus dem Weg gehen. Bei allen Spielern wurde vor und nach einer Saison eine Kernspintomographie des Gehirns durchgeführt. Als Darstellung wählte der Radiologe die Diffusions-Tensor-Bildgebung. Sie misst die Diffusionsbewe­gungen von Wassermolekülen unter dem Einfluss des Magnetfelds. Diese Bewegungen werden durch Nervenfasern in bestimmten Richtungen eingeschränkt. Dies lässt sich mit der sogenannten fraktionalen Anisotropie messen. Sie ist ein Maß für die Unversehrtheit der weißen Hirnsubstanz.

Keiner der Spieler hatte während der Saison ein offensichtliches Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Bei allen Spielern war es nach der Saison zu einem Anstieg der fraktionalen Anisotropie gekommen, was Whitlow als Zeichen der altersgemäßen Hirnentwicklung deutet. Auch im Jugendalter werden im Gehirn neue Hirnverbindungen geknüpft. Bei den „light hitter“ war diese Entwicklung jedoch in dem einen Jahr weiter vorangeschritten als bei den „heavy hitter“.

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Besonders deutlich waren die Unterschiede im Corpus callosum, auch Hirnbalken genannt, der die beiden Hemisphären des Großhirns verbindet. Und hier scheint vor allem das Splenium, der hintere Anteil des Corpus callosum, in Mitleidenschaft zu geraten. Dass diese Strukturen unter den häufigen kleinen Erschütterungen des Gehirns beim American Football leiden, ist pathophysiologisch plausibel, erklärt Whitlow.

Ähnliche Gehirn-MRT Änderungen seien zuvor auch bei Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma beobachtet worden. Ob sie auf Dauer der Hirnfunktion schaden, lässt sich anhand der bildgebenden Untersuchung nicht belegen. Viele Neurologen gehen jedoch davon aus, dass Sportarten mit häufigen Erschütterungen die Hirnfunktion auf Dauer beeinträchtigen können.

Für das Boxen ist dies als Dementia pugilistica länger bekannt. In den USA wurde in den letzten Jahren bei zahlreichen Profis des American Football und des Eishockeys bei Autopsien eine „chronische traumatische Enzephalopathie“ beschrieben.

© rme/aerzteblatt.de

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