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Politik

Deutscher Ebola-Beauftragter Lindner: Hilfe ist nicht „vermurkst“

Dienstag, 2. Dezember 2014

Walter Lindner dpa

Berlin – Ziemlich exakt ein Jahr nach Ausbruch der Ebola-Pandemie vor allem in Guinea, Liberia und Sierra Leone zeichnet sich eine Entspannung der Lage ab, wenngleich noch keine Entwarnung gegeben werden kann. In Westafrika sank Ende November erstmals die Zahl der Neuinfizierten. Die Welt­gesund­heits­organi­sation bezifferte Anfang Dezember die Zahl der offiziellen Ebola-Toten auf etwa 6.000 Menschen, nachdem die Statistiker der UN-Organisation am Wochenende wegen irrtümlich verzeichneter Fälle fast 7.000 Tote gemeldet hatten. Die Dunkelziffer dürfte nach Ansicht von Experten jedoch deutlich höher liegen.

„Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen sinkt, benötigen die Länder noch immer dringend Hilfe von außen, auch aus Deutschland“, erklärte Walter Lindner, Diplomat und Ebola-Beauftragter der Bundesregierung, bei einem Fachgespräch mit Hilfsorgani­sationen am 1. Dezember in Berlin. Die Bundesregierung sei in allen drei betroffenen Staaten aktiv und baue dort kleinere Behandlungszentren in ländlichen Regionen auf. Die Hilfe sei von allen Staaten spät gekommen, jedoch keineswegs „vermurkst“, wie teilweise behauptet werde, betonte er. „Es gab nur wenige, die frühzeitig die derzeitige Dimension von Ebola erkannt haben.“

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Lindner, bis September deutscher Botschafter in Venezuela, ist erst seit Anfang Oktober im Amt und war seitdem drei Mal selbst in der Krisenregion. Auch wenn die deutsche Hilfe nicht immer direkt sichtbar sei, gebe es an vielen Stellen Unterstützung, berichtete er. Insgesamt habe die Bundesregierung 108 Millionen Euro für Nothilfen zur Verfügung gestellt. Das Entwicklungsministerium kündigte zudem an, die Finanzhilfen für die von Ebola betroffenen Länder um weitere 44 Millionen Euro aufzustocken.

Vor der Presse räumte Lindner Fehler im Umgang mit der Seuche ein, relativierte diese aber: Ebola sei ein Pioniergebiet. „Es passieren Fehler, wenn man Neuland betritt und vielleicht auch mal in eine Sackgasse läuft.“ Über ein zu spätes Handeln der Bundesre­gierung und Versäumnisse solle  man jedoch erst später nachdenken, sagte er prag­matisch.

Kleine Behandlungszentren sind effekiver
„Mein Job ist es jetzt, die Hilfe so schnell wie möglich in die Ebola-Gebiete zu bringen, effektiv einzusetzen und so gut wie möglich zu koordinieren.“ Jetzt müsse die Hilfe beispielsweise an eine veränderte Situation angepasst werden. Es würde sich zeigen, dass es besser ist, kleinere Behandlungszentren in den Dörfern einzurichten als große Kliniken in den Städten, zu denen die Betroffenen weit fahren müssten und oftmals tot ankämen.

Seit September werde die internationale Hilfe spürbar, berichtete Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg. Die Ansteckungswege würden mittlerweile besser kontrolliert. Konzentrieren müsse man sich jetzt auf den Aufbau dezentraler Isolations­stationen für Infizierte und die Betreuung von Überlebenden und von Waisenkindern.

„Ebola trifft den Nerv der Gesellschaft. Dort, wo eigentlich Geborgenheit und Fürsorge herrschen, in der Familie, dominiert die Angst vor Krankheit und Tod“, erläuterte die gerade aus Westafrika zurückgekehrte Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission in Tübingen. Auch Ärzte und Krankenpfleger seien traumatisiert. Trotz hoher Ansteckungsgefahr  setzten sie aber ihre Arbeit fort. „Es bleibt dennoch unglaublich viel zu tun“, sagte sie.

Gesundheitssysteme überfordert
Besonders dramatisch sei die generelle Überforderung der Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern. „Alle starren nur auf Ebola. Keiner zählt die Malaria- und Tuberkulose-Toten. Keiner zählt die Mütter, die sterben, weil sie keinen Kaiserschnitt bekommen können oder weil sie unter der Geburt verbluten. Man müsse langfristig in das lokale Gesundheitswesen investieren, Krankenstationen aufbauen sowie Ärzte und Krankenpfleger ausbilden, sagte die Ärztin.

Walter Lindner warnte zudem davor, dass die Hilfe in falsche Hände geraten könnte. Die internationale Gemeinschaft müsse den Menschen dort zwar schnell helfen, jedoch nicht unkoordiniert und unkontrolliert. „Es besteht die Gefahr der Korruption“, betonte er.  Die Länder bräuchten nach zum Teil jahrelangen Bürgerkriegen richtige Regierungs­strukturen für den Wiederaufbau der Gesundheitssysteme, der Energieversorgung und der Landwirtschaft.

© ER/aerzteblatt.de

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