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Medizin

Übergewicht in Schwan­gerschaft erhöht Säuglings­sterblichkeit

Mittwoch, 3. Dezember 2014

dpa

Stockholm /Adelaide - Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft werden zunehmend als ein Gesundheitsrisiko für das sich entwickelnde Kind wahrgenommen. Eine Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 349: g6572) dokumentiert jetzt sogar eine erhöhte Säuglingssterblichkeit. Eine Interventionsstudie in BMC Medicine (2014, 12: 163) hat kürzlich gezeigt, dass eine Lebensstil-Intervention in der Schwangerschaft die Startchancen des Kindes verbessern könnte.

Seit die Bevölkerung immer dicker wird und Frauen ihre Kinder immer später bekommen, sind Übergewicht und Adipositas bei Schwangeren ein häufiges Phänomen. In Schweden hat jede vierte Frau in der Frühschwangerschaft einen Body Mass Index (BMI) zwischen 25,0-29,9 (Übergewicht), jede achte ist mit einem noch höheren BMI sogar fettleibig. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Übergewicht und Adipositas das Risiko auf einen Schwangerschaftsdiabetes und eine Präeklampsie erhöhen.

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Stefan Johansson vom Karolinska Institut in Stockholm kann jetzt in einer Analyse der schwedischen Geburten- und Sterberegister zeigen, dass mit dem BMI auch die Säuglingssterblichkeit steigt. Auf 1.000 Neugeborene von normalgewichtigen Schwan­geren kamen im Durchschnitt 2,4 Todesfälle in den ersten 28 Lebenstagen. Bei einem Übergewicht der Schwangeren stieg die Säuglingssterblichkeit auf 3,0 pro 1.000 Neugeborene. Bei den Neugeborenen von adipösen Schwangeren stieg das Risiko weiter an auf bis zu 5,8 Todesfälle pro 1.000 in der Gruppe mit Adipositas Grad 3 (BMI 40 plus).

Die erhöhte Säuglingssterblichkeit war interessanterweise auf Kinder beschränkt, die zum errechneten Geburtstermin zur Welt kamen. Für Frühgeborene konnte Johansson keine signifikante Assoziation nachweisen, auch wenn an Adipositas Grad 2 (BMI 35 plus) eine klare Tendenz zu einer erhöhten Säuglingssterblichkeit bestand. Bei den zum Termin geborenen Kindern erhöhten Übergewicht oder Adipositas Grad 1 (BMI 30-34,9) vor allem das Risiko auf einen Tod durch Asphyxie unter der Geburt oder an anderen Neugeborenenerkrankungen.

Bei Adipositas Grad 2 und 3 war der Tod häufiger Folge von angeborenen Fehlbildungen oder einem plötzlichen Kindstod (SIDS). Nach weiteren Berechnungen von Johansson sind 11 Prozent aller Todesfälle in den ersten 28 Lebenswochen auf Übergewicht oder Adipositas der Mutter zurückzuführen (Population Attributable Risk, PAR).

Angesichts der Risiken für das Kind sind Diäten in der Schwangerschaft kein Tabu mehr. Das US-Institut für Medizin rät übergewichtigen Frauen, die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft auf 7 bis 11,5 kg zu begrenzen (im zweiten und dritten Trimester: 0,23 bis 0,33 kg pro Woche). Adipöse Frauen sollten während der Schwangerschaft nur 5 bis 9 kg zunehmen (0,17 bis 0,27 kg pro Woche). In der australischen LIMIT-Studie wurde untersucht, ob eine Lebensstil-Intervention die Frauen beim Gewichtsmanagement unterstützen kann. Die Hälfte der 2.212 Teilnehmerinnen wurde während der Schwangerschaft von einer Ernährungsberaterin begleitet. Neben einer Diät gab es auch ein Sportprogramm, zu dem täglich 15-20 Minuten zügiges Gehen gehörte.

Wie Jodie Dodd vom Robinson Research Institute in Adelaide kürzlich mitteilte, konnten die Frauen die täglichen Portionen von Obst und Gemüse steigern und den Fettanteil in der Nahrung begrenzen. Der Erfolg war nicht nur eine Begrenzung der Gewichtszunahme bei den Schwangeren. Auch der Anteil der Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von 4,5 kg oder mehr zur Welt kamen, konnte von 3,7 auf 2,2 Prozent gesenkt werden. Die Neugeborenen litten seltener an einem Atemnotsyndrom (1,2 versus 2,6 Prozent) und sie konnten früher mit ihren Müttern aus der Klinik nach Hause entlassen werden (3,9 versus 4,4 Tage). Ein Einfluss auf andere neonatale Erkrankungen oder Fehlbildungen konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Nach Aussage der Autoren ist LIMIT die erste Studie, die eine günstige Wirkung einer Lebensstil-Intervention von Schwangeren belegen konnte. © rme/aerzteblatt.de

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