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Wissenschafts­akademien: „Die Individua­lisierte Medizin ist eine Herausforderung“

Donnerstag, 4. Dezember 2014

dpa

Berlin – Die Individualisierte Medizin erschließt einerseits eine ganz neue Qualität des Verständnisses von Krankheitsursachen, andererseits sind mit ihr zahlreiche medizi­nische, ethische, rechtliche und ökonomische Fragen verbunden – zu diesem Fazit kommen die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. Die Akademien stellten heute gemeinsam in Berlin ihre Empfehlungen zur Individualisierten Medizin vor.

Darin sprechen sich die interdisziplinär tätigen Wissenschaftler dafür aus, die Forschung zum Verständnis der meist komplexen Krankheitsursachen zu stärken, die Suche nach geeigneten Biomarkern zur Diagnose und Therapie von Krankheiten zu unterstützen und die Forschung zu ethischen, rechtlichen und  ökonomischen Fragen der Individuali­sierten Medizin zu fördern.

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Hoffnung auf maßgeschneiderte Therapien
„Das Thema ist in der Welt und man muss sich damit auseinandersetzen“, sagte Jörg Hacker, Präsident der Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Ärzte hätten ihre Behandlung zwar schon immer auf den einzelnen Patienten ausgerichtet. Die Indivi­dualisierte Medizin sei jedoch eine Weiterentwicklung.

Insbesondere die Möglichkeit, mittels verschiedener Biomarker Unterschiede im Genom, dem Stoffwechsel oder dem Mikrobiom von Menschen zu ermitteln, wecke Hoffnung auf neue maßgeschneiderte, wirkungsvollere Therapien. So würden zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zunehmend genetische Varianten und weitere Biomarker gefunden, mit denen man Patienten in Untergruppen einteilen könnte.

Es geht auch um den Schutz von Persönlichkeitsrechten
„Jetzt geht es um die rasche Übertragung aussichtsreicher molekularbiologischer Forschungserkenntnisse in die medizinische Praxis“, sagte Bärbel Friedrich, eine der Sprecherinnen der Arbeitsgruppe zur Individualisierten Medizin und Vizepräsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Ebenso gehe es um den Schutz von Persönlichkeitsrechten. Zudem seien neue Anforderungen an die Ausbildung von Wissenschaftlern und Ärzten oder an die Patientenberatung wichtige Themen.

Die Wissenschaftler empfehlen, medizinische Daten künftig einheitlich zu erheben und in einer elektronischen Patientenakte zu speichern. Auch klinische Studien sollten nach ihrer Ansicht an die Besonderheiten der Individualisierten Medizin angepasst werden. Des Weiteren mahnen sie sie den Ausbau der Infrastruktur an Kliniken im Bereich bioanalytische Hochdurchsatzverfahren und Bioinformatik an. © ER/aerzteblatt.de

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