NewsMedizinLungenkrebs: Crizotinib verbessert Behandlungs­ergebnisse in der Primärtherapie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lungenkrebs: Crizotinib verbessert Behandlungs­ergebnisse in der Primärtherapie

Freitag, 5. Dezember 2014

Melbourne -  Der Tyrosinkinasehemmer Crizotinib, der seit November 2012 zur Second-Line Behandlung des ALK-positiven fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) zugelassen ist, kann auch in der Primärtherapie dieses Malignoms das progressionsfreie Überleben der Patienten verlängern. Dies geht aus einer Phase 3-Studie hervor, die zu einer Ausweitung der Indikation führen könnte.

Crizotinib gehört zu einer wachsenden Zahl von Wirkstoffen, die gezielt in den Stoffwechsel von Tumoren eingreifen. Dies beschränkt die Wirksamkeit meistens auf eine Untergruppe der Malignome. Bei Crizotinib sind dies die etwa 3 bis 5 Prozent aller NSCLC-Patienten, bei denen das Enzym Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK) überaktiv ist und damit das Krebswachstum vorantreibt. Der Einsatz des Wirkstoffs setzt deshalb den Nachweis einer genetischen Translokation voraus, die für die gesteigerte ALK-Aktivität verantwortlich ist.

In dieser Gruppe erzielt Crizotinib dann jedoch eine Wirkung, die der konventionellen Chemotherapie überlegen ist. Dies konnte zunächst in einer Phase 3-Studie (PROFILE 1007) für vorbehandelte Patienten gezeigt werden, in der Crizotinib das progressionsfreie Überleben von 3,0 auf 7,7 Monate verlängerte bei einer Ansprechrate von 65 Prozent gegenüber 20 Prozent nach einer platinbasierten Chemotherapie (NEJM 2013; 368: 2385-2394).

Anzeige

Jetzt berichten Benjamin Solomon vom Peter Mac-Callum Cancer Centre in Melbourne und Mitarbeiter über ähnlich gute Ergebnisse bei nicht vorbehandelten Patienten. An der Phase 3-Studie (PROFILE 1014) hatten 343 Patienten mit fortgeschrittenem ALK-positivem NSCLC teilgenommen, die bisher keine systemische Behandlung erhalten hatten. Die Patienten wurden auf eine orale Therapie mit Crizotinib in einer Dosis von 250 mg zweimal täglich oder auf eine intravenöse Chemotherapie (Pemetrexed plus Cisplatin/Carboplatin) randomisiert.

Crizotinib verlängerte die Zeit bis zur Tumorprogression, primärer Endpunkt der Studie, von 7,0 auf 10,9 Monate, was nach den Berechnungen von Solomon eine Hazard Ratio von 0,45 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,35 bis 0,60 ergibt, mithin ein signifikanter Vorteil. Auch die Ansprechrate wurde von 45 auf 74 Prozent gesteigert. Ein Einfluss auf das Gesamtüberleben konnte (noch?) nicht belegt werden, da die mittlere Gesamtüberlebenszeit in beiden Gruppen noch nicht erreicht wurde.

Nach einem Jahr lebten im Crizotinib-Arm noch 84 Prozent der Patienten gegenüber 79 Prozent nach Chemotherapie. Die häufigsten Nebenwirkungen von Crizotinib waren Sehstörungen (71 Prozent), Durchfall (61 Prozent), Übelkeit (56 Prozent) und Ödeme (49 Prozent). Unter der Chemotherapie kam es zu Übelkeit (59 Prozent), Müdigkeit (38 Prozent), Erbrechen (36 Prozent) und Appetitverlust (34 Prozent). Crizotinib verringerte gegenüber der Chemotherapie die Lungenkrebssymptome und verbesserte die Lebensqualität.

Wie bei anderen Tyrosinkinase-Inhibitoren kommt es früher oder später zu einem Rezidiv. Vermutlich umgehen die Tumore die Stoffwechselblockade durch Crizotinib oder es kommt zu weiteren Mutationen, die eine erneute Proliferation der Krebszellen ermög­lichen. Die Gründe sind im Einzelnen noch nicht bekannt.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Manchester –Menschen mit einer Psoriasis haben ein leicht erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken und an Krebs zu sterben. Dies kam in einer Meta-Analyse in JAMA Dermatology (2019; doi:
Psoriasis erhöht Krebsrisiko in Meta-Analyse
17. Oktober 2019
Heidelberg – Krebspatienten können vor, während und nach einer onkologischen Behandlung von einer gezielten Bewegungstherapie profitieren. Ein internationales Konsortium unter Beteiligung des
Neue Empfehlungen zur Bewegungstherapie bei Krebserkrankungen
15. Oktober 2019
München – Checkpoint-Inhibitoren wirken sehr gut, aber nur bei etwa einem Drittel der Tumorentitäten. Dafür verantwortlich könnte ein inaktiver Rezeptor in den Tumorzellen sein, der verhindert, dass
Grund für schlechtes Anschlagen von Checkpoint-Inhibitoren gefunden
15. Oktober 2019
Marburg – Der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg intensiviert seine Partnerschaft mit der Kilimandscharo-Region in Tansania. Dazu beteiligt sich die Hochschule an der Initiative
Neue Klinikpartnerschaft zwischen Uni Marburg und Tansania
8. Oktober 2019
Bremen – Scharfe Kritik an einer Empfehlung im British Medical Journal (BMJ) zum Darmkrebsscreening hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) geübt. In dem Beitrag
Präventionsforscher betonen Bedeutung des Darmkrebsscreenings
2. Oktober 2019
Berlin – Als hohe Priorität für die nächste Europäische Kommission hat die designierte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides den Kampf gegen Krebs bezeichnet. „Es gibt kaum Familien in Europa,
Designierte EU-Gesundheitskommissarin will Kampf gegen den Krebs vorantreiben
27. September 2019
Heidelberg – Die Genetik spielt beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko offenbar eine weniger wichtige Rolle als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine epidemiologische Studie des Deutschen
VG WortLNS LNS
Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER