Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Akute lymphatische Leukämie bei Kindern: Lange, komplette Remissionen durch T-Zelltherapie

Sonntag, 7. Dezember 2014

San Francisco – Immuntherapien erweisen sich inzwischen häufig als hoch effektiv bei Patienten mit akuten Leukämien, auch im Rezidiv nach intensiver Chemotherapie und auch nach allogener Stammzelltransplantation. Zugleich werden im Rahmen der klinischen Forschung Wege gefunden, die oft mit hoher Tumorlast und starker Antitumorwirkung assoziierten unerwünschten Effekte der neuen Substanzen oder Zellpräparationen kontrollieren zu können.

„Selbst bei Patienten mit extrem schwer zu behandelnden hämatologischen Malignomen und normalerweise rasch lebensbedrohlichen Verläufen lassen sich zum Teil lang anhal­tende Remissionen erzielen mit vergleichsweise sicheren Strategien“, sagte die Häma­tologin und Onkologin Catherine Bollard von der George Washington University in Washington D.C. bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der 56. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) am Samstag in San Francisco. Deshalb habe man Immuntherapien zu einem Tagungsschwerpunkt gemacht.

Ein neuer Ansatz ist die Zelltherapie von Patienten mit B-Zellmalignomen mit Antigen­rezeptor-modifizierten T-Lymphozyten, den sogenannten CAR T-Zellen (chimeric antigen receptor). T-Lymphozyten werden dem Patienten über Leukapherese entnommen und in vitro gentechnisch modifiziert, so dass sie zusätzlich zu ihren eigenen T-Zellrezeptoren die extra- und intrazelluläre Domäne eines weiteren T-Zellrezeptors mit Spezifität für die Population der malignen Zellen exprimieren. Im Fall der CTL019-Zellen ist es das Antigen CD19 auf B-Lymphozyten. Die transduzierten T-Lymphozyten werden ex vivo vermehrt und dem Patienten infundiert. Beim ASH sind neue Daten einer Studie präsentiert worden, in der Kinder mit rezidivierter akuter lymphatischer Leukämie (ALL) behandelt wurden.

Stephan A. Grupp von der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania, Philadelphia, stellte die Langzeitergebnisse einer Phase 1/2a-Studie mit 39 pädiatrischen ALL-Patienten (5 bis 22 Jahre) vor.

26 von ihnen hatten in der Woche vor Infusion der Zellpräparation eine myeloablative Chemotherapie erhalten. Unabhängig von allogenen Stammzelltransplantationen wurden in der Studie 107 bis 108 CTL019-Zellen pro kg Körpergewicht appliziert (NEJM 2014; 371: 1507-17). 92 Prozent der Kinder, nämlich 36 von 39, kamen in eine komplette Remission (CR), darunter waren zwei Patienten, die schon mit einer anderen, neuen Immuntherapieform vorbehandelt waren, mit dem bispezifischen, T-Zell-engagierenden Antikörperkonstrukt Blinatumomab. Das mediane Follow-up beträgt in der Studie sechs Monate (1,5 bis 31 Monate).

Zehn Patienten hatten nach einer mehrere Monate dauernden Remission einen Rückfall, bei fünf korrelierte der Rückfall mit einer verminderten CD19-Expression auf B-Zellen. Die Ansprechraten waren mit der Tumorlast zum Zeitpunkt des Therapiebeginns asso­ziiert: Bei > 50 Prozent Blasten im Knochenmark betrug die Rate der CR 82 Prozent, bei > 5 Prozent Blasten im Knochenmark lag sie bei 88 Prozent, von den Patienten mit < 0,01 bis 5 Prozent Blasten sprachen alle komplett an.

Nach Stammzelltransplantation werden die allogenen T-Lymphozyten modifiziert
„Wir sehen jetzt Kinder mit ALL, die auf keine andere Behandlung mehr angesprochen haben und mit der CTL019-Zelltherapie in eine komplette Remission kommen“, sagte Grupp, federführend für das Studienteam. 67 Prozent der CTL019-therapierten Kinder überlebten ohne Krankheitsereignis 6 Monate, 15 Kinder sind seit mehr als einem Jahr aus dem Krankenhaus entlassen.

Die transduzierten T-Lymphozyten können sich anhaltend, nach Studienlage für mehr als zwei Jahre, im Empfänger vermehren, die – erwünschte – B-Zellaplasie aufrecht erhalten und so – hoffentlich – einen Rückfall verhindern, sagte Grupp. In der Gruppe jener, die ansprachen, konnten CTL019-Zellen für ein bis 26 Monate nachgewiesen werden, die quantitative PCR zeigte hohe Proliferationsraten dieser Zellen an. Bei Patienten nach allogener Stammzelltransplantation waren es die Spender-T-Zellen, die ex vivo trans­duziert  wurden und sich nach Reinfusion im kranken Empfänger gut vermehrten.

Vor allem bei hoher Tumorlast sei ein Zytokin-Relasing-Syndrom (CRS) zu erwarten, das sich aber bei Behandlung mit dem Anti-Interleukin-6-Antikörper (Tociluzumab) rasch reversibel sei, sagte Grupp. Den Folgen einer Suppression der Antikörperproduktion durch die B-Zelldepletion lasse sich mit intravenös applizierten Immunglobulinen entgegenwirken. Bei einem kleinen Teil der Patienten komme es nach einem CRS zu zentralnervösen Störungen wie Verwirrtheit oder Aphasie. © nsi/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20.10.17
USA: Zweite CAR-T-Zelltherapie bei Krebs zugelassen
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelagentur FDA hat eine weitere CAR-T-Zelltherapie zur Krebshandlung zugelassen. Das Präparat Yescarta (Axicabtagen Ciloleucel) besteht wie das im August......
10.10.17
NFAT2 bedeutender Faktor für Verlauf der chronisch lymphatischen Leukämie
Tübingen – Ein Protein namens NFAT2 ist offenbar entscheidend am Verlauf einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) beteiligt. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Martin Müller von der Abteilung......
24.09.17
Chronisch myeloische Leukämie: Früher tödlich, heute chronisch
Berlin – Vor dem Jahr 2001 endete die chronisch myeloische Leukämie (CML) für die Hälfte der Patienten tödlich. Heute leben mehr als 80 Prozent der Betroffenen noch zehn Jahre nach der Diagnose und......
20.09.17
Immuntherapie: Vom Neuling zum Standard in wenigen Jahren
Mainz – Die Immuntherapie gegen Krebs zählt mittlerweile nicht mehr zu den experimentellen Behandlungen. Beim malignen Melanom sei sie bereits eine der Standardtherapien und der Chemotherapie von den......
31.08.17
US-Zulassung der CAR-T-Zelltherapie: Die teuerste Krebsbehandlung aller Zeiten
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals eine CAR-T-Zelltherapie zur Krebshandlung zugelassen. Das Präparat Kymriah (Tisagenlecleucel) darf bei Patienten im Alter unter 25......
29.08.17
Wirkverstärker für Impfungen und Krebsimmuntherapie entdeckt
La Jolla – Medikamente, die während einer zellvermittelten Immunreaktion das Proteasom der Zelle aktivieren, könnten von Vorteil bei Impfungen und einer Krebsimmuntherapie sein. Sie sorgen dafür, dass......
21.08.17
Megadosis Vitamin C verhindert Leukämie im Mäusemodell
New York – Extrem hohe Dosierungen von Vitamin C, die nur bei einer intravenösen Gabe erreicht werden, können möglicherweise verhindern, dass Stammzellen im Knochenmark infolge einer häufigen Mutation......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige