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Medizin

Stammzell­transplantation ist auch bei Patienten mit HIV-assoziierten Lymphomen sicher

Sonntag, 7. Dezember 2014

dpa

San Francisco – HIV-infizierte haben ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung 25-fach erhöhtes Risiko, an Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphomen (HL, NHL) zu erkranken. Für Patienten, deren HIV-Infektion unter einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) kontrollierbar ist, und die einen gutem Allgemeinzustand haben, ist eine Hochdosis­chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation für die Therapie von HIV-assoziierten Lymphomen (HAL) gut wirksam und vergleichbar sicher wie bei transplantablen HL- oder NHL-Patienten ohne HIV-Infektion.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die bei der 56. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in San Francisco vorgestellt worden ist. Eine HIV-Infektion galt wegen der chronischen Immunsuppression im Allgemeinen als Kontraindikation für Hochdosis­chemotherapie und Stammzelltransplantation. „Unsere Daten belegen, dass diese Strategie auch bei Patienten mit HIV-assoziierten Lymphomen hoch wirksam ist und nicht mit inadäquater Toxizität einhergeht“, sagte Joseph Alvarnas vom National Medical Center in Duarte, Kalifornien, bei der Präsentation der Studie.

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40 HIV-infizierte Patienten mit einem Altersdurchschnitt von 46,9 Jahren (5 weiblich) wurden in die Studie eingeschlossen. Sie hatten aggressive NHL oder HL und in der Vergangenheit schon auf Zytostatika zur Behandlung der Lymphome angesprochen. Bei den meisten Patienten (n=31) war die Viruslast durch eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) unter die Nachweisgrenze gefallen, bei neun Patienten war die Viruslast moderat (84 Kopien/mL; mediane CD4+-Zellzahl: 250/µL).

Die HAART wurde zur Vorbereitung auf die Hochdosischemotherapie und Stamm­zelltransplantation ausgesetzt. Die Zytostatikabehandlung schloss Carmustin, Etoposid, Cytarabin und Melphalan ein. Primärer Endpunkt der Studie waren das geschätzte Einjahres-Gesamtüberleben und die Rate des progressionsfreien 1-Jahres-Überlebens (PFS).

Allogene Stammzelltransplantation könnte Nischen von HIV zerstören
Am Tag 100 nach Hochdosischemotherapie waren 36 Patienten (92,3 Prozent) in kompletter Remission, ein Patient (2,6 Prozent) in partieller und bei zwei Patienten war die Erkrankung progredient (5,2 Prozent). Das Einjahres-Gesamtüberleben betrug 86,6 Prozent, die PFS-Rate für zwölf Monate 82,5  Prozent. Die kumulative transplantations­assoziierte Sterblichkeit lag bei 5,2 Prozent. Im Vergleich mit 151 in relevanten Faktoren wie Alter und Komorbidität gematchten Malignompatienten ohne HAL gab es einen nicht signifikanten Trend zu besserem Gesamtüberleben und günstigeren progressionsfreien Überlebensraten in der Gruppe der HAL-Patienten mit autologer Stammzelltrans­plantation.

„Eine HIV-Infektion sollte kein Ausschlusskriterium für eine Hochdosischemotherapie und Stammzelltransplantation sein“, sagte Alvarnas zum Deutschen Ärzteblatt. Derzeit werde geprüft, ob eine allogene Stammzelltransplantation in Kombination mit Hochdosis­chemo­therapien ein noch günstigeres Ergebnis bringt und wie sich dabei Viruslast und Immunstatus entwickeln. „Wir haben die Hoffnung, durch diese Therapie  auch Nischen für das HI-Virus zu zerstören“, sagte Alvarnas.“ © nsi/aerzteblatt.de

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