NewsMedizinFaktor-XI-Anti­sense-Molekül schützt bei Operationen vor venösen Thrombosen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Faktor-XI-Anti­sense-Molekül schützt bei Operationen vor venösen Thrombosen

Montag, 8. Dezember 2014

San Francisco – Bei chirurgischen Eingriffen wird die Gerinnungskaskade aktiviert, so dass sich das Risiko für tiefe Venenthrombosen (VTE) erhöht. Vorbeugend erhalten die Patienten im allgemeinen Inhibitoren der Gerinnungskaskade wie Faktor Xa-Hemmer. Bei der 56. Jahrestagung der American Society of Hematology in San Francisco sind klinische Daten zu einer neuen Strategie vorgestellt worden: der präoperativen Gabe von Faktor-XI-Antisense-Oligonukleotiden, die die Bildung von Faktor XI im Zellkern hemmen und damit den so genannten intrinsischen Weg der Fibrinbildung.

Das Faktor-XI-Antisense-Molekül hat sich in einer klinischen Untersuchung mit 300 Patienten, die einen Kniegelenkersatz erhielten, in der höheren beider geprüfter Dosierungen in Bezug auf die Verhinderung einer VTE als wirksamer erwiesen als Enoxaparin bei gleichzeitig geringerem Blutungsrisiko. „Die Daten dieser ersten klinischen Studie zeigen ein sehr vorteilhaftes Nutzen-Risiko-Verhältnis“, sagte Harry R Büller von der Universitätsklinik Amsterdam, Erstautor einer zeitgleich im New England Journal of Medicine publizierten Studie (NEJM 2014; DOI 10.1056/NEJMoa1405760). „Aber natürlich muss die Substanz geprüft werden.“

Die Basis für die Entwicklung des Faktor-XI-Antisense-Oligonukleotids (FXI-ASO) sei die Beobachtung, dass Menschen mit genetischer Faktor-XI-Defizienz ein geringeres Risiko für VTE haben, ohne dass vermehrt Blutungen auftreten, berichtete Büller. Bei Gewebe­verletzungen wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Gerinnungsfaktoren über den extrinsischen Weg, der über den Gewebsfaktor (tissue factor) aktiviert wird, und den intrinsischen Weg, der durch Freisetzung von Nukleinsäure aktiviert, über eine gemeinsame Endstrecke  die Gerinnung ausgelöst und zugleich über hemmende Faktoren eine Überaktivierung verhindert. Faktor-XI ist Teil des des intrinsischen Wegs.

Anzeige

In der offenen, prospektiven Studie wurden Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 64 Jahren, bei denen elektiv ein unilateraler Kniegelenkersatz anstand, im Verhältnis 1: 3 randomisiert in eine Kontrollgruppe mit Enoxaparin und eine FXI-ASO-Gruppe. Die subkutanen Enoxaparininjektionen (40 mg/Tag) begannen am Abend vor der Operation oder 6 bis 8 Stunden danach für mindestens 8 Tage postoperativ. Mit der Prüfsubstanz FXI-ASO) wurde 36 Tage präoperativ begonnen, in der ersten Anwendungswoche drei Mal pro Woche, danach ein Mal sowie sechs Stunden postoperativ. Es wurden 200 und 300 mg subkutan injiziert.

Primärer Endpunkt war die Inzidenz der VTE, diagnostiziert über bilaterale Venographie oder symptomatische VTE. Die Inzidenzrate betrug 27 Prozent (36/134 Patienten) unter FXI-ASO 200 mg, 4 Prozent (3/71 Patienten) unter FXI-ASO 300 mg und 30 Prozent (21/69 Patienten) unter Enoxaparin. Das 200-mg-FXI-ASO-Regime war damit dem Faktor-X-a-Inhibitor in Bezug auf die VTE-Prophylaxe nicht unterlegen, das 300 mg-Regime war überlegen (p < 0,001). Blutungen traten bei 8,3 Prozent der Patienten unter Enoxaparin auf und bei 2,8 und 2,6 Prozent (200/300 mg) in den Gruppen mit der Prüfsubstanz.

„Die klinische Studie hat unsere präklinischen Untersuchungsergebnisse, unter anderem in der Maus und am Primaten, bestätigt, dass niedrige Faktor-XI-Spiegel das Throm­bose­­risiko senken ohne die Blutungsneigung zu erhöhen“, sagte Büller. Sollte die Subs­tanz weiterhin erfolgreich in der klinischen Prüfung sein, könnte das Therapieprinzip auch für Patienten mit chronisch erhöhtem VTE-Risiko nützlich sein.

© nsi/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2019
Barcelona –Das direkte orale Antikoagulans Rivaroxaban, das Patienten regelmäßige Laborkontrollen und Einschränkungen in der Ernährung erspart, hat in einer randomisierten Studie in den Annals of
Antiphospholipid-Syndrom: Rivaroxaban keine Alternative zu Vitamin-K-Antagonisten
30. September 2019
New York – Die duale antithrombozytäre Therapie, die bei Patienten nach einer perkutanen koronaren Intervention (PCI) eine Stentthrombose verhindern soll, kann bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko
Acetylsalicylsäure kann drei Monate nach perkutaner koronarer Intervention abgesetzt werden
30. Juli 2019
Perth – Die routinemäßige Implantation eines Vena-Cava-Filters bei schwerstverletzten Erwachsenen, bei denen zunächst keine medikamentöse Thromboseprophylaxe möglich war, hat in einer randomisierten
Traumatologie: Kann ein Vena-Cava-Filter Lungenembolien verhindern?
24. Mai 2019
Bonn – Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom sollten nicht mit direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) behandelt werden. Dies geht aus einem Rote-Hand-Brief der Hersteller von Apixaban, Dabigatran,
Direkte orale Antikoagulantien bei Antiphospholipid-Syndrom kontraindiziert
20. März 2019
Durham/North Carolina – Für Patienten, die aufgrund eines Vorhofflimmerns bereits mit oralen Antikoagulanzien behandelt werden, stellt sich nach einem koronaren Ereignis und einer Stentimplantation
Vorhofflimmern: Benötigen alle Patienten nach Herzinfarkt „Triple“-Therapie?
19. März 2019
Boston – Die Antithrombozytenwirkung von Ticagrelor, das zusammen mit Acetylsalicylsäure zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom eingesetzt
Antidot für Ticagrelor wirkt schnell
15. Februar 2019
Hamilton/Ontario – Blutungen durch die Faktor-Xa-Inhibitoren Apixaban und Rivaroxaban können durch Andexanet alfa in den meisten Fällen rasch gestoppt werden. Das zeigen die Ergebnisse einer offenen
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER