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Medizin

Rolle von Adrenalin in der Reanimation strittig

Montag, 8. Dezember 2014

Paris – Der Einsatz von Adrenalin als medikamentöse Unterstützung bei der Reanimation könnte für Patienten nach geglückter Reanimation in einigen Fällen mehr Schaden als Nutzen bringen. Die Wissenschaftler um Florence Dumas am Paris-Cardiovascular Research Center veröffentlichten entsprechende Ergebnisse im Journal of the American College of Cardiology (doi: 10.1016/j.jacc.2014.09.036).

Sowohl in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, als auch in vielen anderen internationalen Leitlinien findet sich die Empfehlung, Patienten, die aufgrund eines Herz-Kreislauf-Stillstandes wiederbelebt werden, alle drei bis fünf Minuten 1 mg Adrenalin zu verabreichen. Aus ethischen Gründen existieren jedoch keine placebo­kontrollierten Studien, die die Wirkung der Adrenalingabe bestätigen.

Eine 2012 in JAMA veröffentlichte Untersuchung zeigte beispielsweise, dass Patienten durch eine Adrenalingabe die Akutsituation zwar häufiger überleben, jedoch einen Monat nach erfolgreicher Reanimation in vielen Fällen dennoch versterben (doi: 10.1001/jama.2012.294). In der vorgelegten Studie wollten die Forscher das Outcome von Patienten untersuchen, die erfolgreich reanimiert wurden und während der Wiederbelebung Adrenalin erhalten hatten.

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Die Arbeitsgruppe um Dumas analysierte die Daten von 1.556 Patienten, bei denen die Reanimation geglückt war. Die Patienten wurden zwischen 2000 und 2012 in einem großen Pariser Krankenhaus behandelt und hatten den Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses erlitten. Etwa Dreiviertel aller Patienten (1,1340= 73 Prozent) erhielt im Rahmen der Reanimation Adrenalin.

Von den mit Adrenalin behandelten Patienten zeigten 17 Prozent bei der Entlassung ein günstiges Outcome mit nur einer moderat eingeschränkten Hirnfunktion, während es in der nicht mit Adrenalin behandelten Gruppe 63 Prozent waren. Diese Ergebnisse waren unabhängig von der Dauer der Reanimation und anderen Interventionen.

Auch die Menge und der Zeitpunkt der Adrenalingabe zeigten nach Angaben der Wissen­­schaftler einen Einfluss auf das klinische Ergebnis nach Reanimation. Verglichen mit der unbehandelten Kontrollgruppe hatten Patienten bei der Gabe von einem Milli­gramm nur halb so oft ein günstiges klinisches Ergebnis, während es bei der Gabe von über fünf Milligramm sogar fast fünf Mal seltener war. Eine Adrenalingabe zu spä­teren Zeitpunkten der Reanimation verschlechterte das Ergebnis ebenfalls.

Trotz der Ergebnisse sei es jedoch nicht sofort notwendig, die Leitlinien zu verändern, so die Wissenschaftler. Die frühe Gabe von Adrenalin könne in vielen Fällen klinische Vorteile bringen. Zudem hatten die Patienten der adrenalinfreien Gruppe oft ein günsti­geres Risikoprofil. Die Ergebnisse geben jedoch Anlass dazu, die Notwendigkeit der Adrenalin­gabe kritisch abzuwägen.

© hil/aerzteblatt.de

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