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Medizin

Malaria: Mehr Bettnetze, bessere Medikamente und weniger Todesfälle

Dienstag, 9. Dezember 2014

dpa

Genf – Die Anzahl der Menschen, die an Malaria sterben, hat sich seit dem Jahr 2000 beinahe halbiert. Der World Malaria Report der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) registriert eine deutliche Ausweitung der mit Insektiziden imprägnierten Bettnetze, eine Verbesserung von Diagnostik und Therapie sowie der Bereitschaft, Schwangere und kleine Kinder prophylaktisch zu behandeln. Doch die Fortschritte werden durch Resis­tenzen gegen Insektizide und Malariamedikamente gefährdet.

Noch immer sterben jedes Jahr mehr als eine halbe Million Menschen an Malaria. Im Jahr 2013 waren es laut WHO-Schätzungen 584.000 Todesfälle, wobei der Unsicherheits­bereich von 367.000 bis 755.000 reicht. Diese Zahl ist dennoch ein gewisser Erfolg, denn seit 2000 ist die Malaria-Sterblichkeit weltweit um 47 Prozent gesunken. In der am schlimmsten betroffenen WHO-Region Afrika kam es sogar zu einem Rückgang um 54 Prozent. Seit 2000 wurden damit 4,3 Millionen Todesfälle verhindert, 3,9 Millionen davon entfielen auf Kinder unter fünf Jahre aus den Staaten Afrikas südlich der Sahara.

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg dürfte in der Verteilung von Moskitonetzen zu suchen sein, die mit Insektiziden imprägniert sind („insecticide-treated mosquito net“, ITN). Sie schützen vor allem schlafende Kleinkinder vor den Stichen der weiblichen Anopheles-Mücken, die sich in der Dämmerung auf Nahrungssuche begeben und mit ihren Stichen die Malaria-Parasiten übertragen. ITN sind vor allem in Afrika südlich der Sahara eine wichtige Stütze der Malariaprophylaxe.

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Laut WHO hatten dort im Jahr 2013 fast die Hälfte aller Menschen in den Malaria-Endemieregionen Zugang zu ITN, im Jahr 2004 waren es erst 3 Prozent gewesen. Der günstige Trend könnte sich fortsetzen. Bis Ende des Jahres sollen in Afrika 214 Millionen weiterer ITN ausgeliefert werden, wobei inzwischen sogenannte „long-lasting insecticidal net“ (LLIN) mit einer längeren Schutzwirkung bevorzugt werden. Die Zahl der Insekten­sprays, die als weniger effektiv eingestuft werden, ist dagegen seit 2011 um 11 Prozent gesunken.

Auch die Möglichkeiten der Diagnostik und der Zugang zu effektiven Medikamenten haben sich deutlich verbessert. Die Zahl der Schnelldiagnosetests (RDT) wurde von 46 Millionen in 2008 auf 319 Millionen in 2013 gesteigert, und im Jahr 2013 allein wurden 392 Therapiezyklen mit der Artemisinin-basierten Kombinationstherapie (ACT) durchgeführt. Im Jahr 2005 waren es erst 11 Millionen Zyklen gewesen. ACT ist heute Standard in 79 von 88 Ländern, in denen Plasmodium falciparum, der Erreger der am meisten gefürchteten Malaria tropica, endemisch ist.

In den am stärksten betroffenen Ländern Afrikas rät die WHO zu einer Chemoprophylaxe von Risikogruppen. Sechs von 16 Ländern haben bereits die empfohlene Chemothe­rapie bei Kindern unter 5 Jahre implementiert, heißt es in dem Report. In ingesamt 57 Ländern erhalten mehr als die Hälfte aller Schwangeren Chemoprophylaxe („intermittent preventive treatment in pregnancy“,IPT). Darunter sind allerdings nur neun Länder, in denen die Schwangeren wie empfohlen mindestens drei IPT-Dosierungen erhalten.

Zu den Erfolgsmeldungen gehört auch, dass immer mehr Länder als malariafrei erklärt werden konnten. Im Jahr 2013 kamen Aserbaidschan und Sri Lanka hinzu. Elf weitere Länder blieben erneut ohne neue Erkrankungen. Dies waren Argentinien, Armenien, Ägypten, Georgien, Irak, Kirgisistan, Marokko, Oman, Paraguay, Usbekistan und Turkmenistan. Weitere vier Länder berichteten über weniger als 10 Erkrankungen. Dies waren Algerien, Kap Verde, Costa Rica und El Salvador.

Doch die Fortschritte sind zerbrechlich. Möglich wurden sie nur durch Spendengelder aus den entwickelten Ländern und deren Mäzene. Von den 2,7 Milliarden US-Dollar, die 2013 für den Kampf gegen die Malaria eingesetzt wurden, kamen nur etwa 18 Prozent aus den betroffenen Ländern selbst. Dies stellt ein Risiko dar, da die Spenden­bereit­schaft der Geberländer für die Zukunft nicht garantiert ist.

Außerdem reicht das Geld nicht, um alle gefährdeten Menschen zu schützen und alle Patienten zu behandeln. Die WHO schätzt den Gesamtbedarf auf 5,1 Milliarden US-Dollar pro Jahr. In Afrika südlich der Sahara fehlte es weiter an ITN und LLIN. In mindestens 49 Ländern sind die Mücken teilweise resistent gegen Insektizide, und aus fünf Ländern der Mekong-Region wurden erste Resistenzen des Parasiten gegen Artemisinin gemeldet. © rme/aerzteblatt.de

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