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Medizin

USA: Mehr Schlaganfälle bei Schwangeren

Mittwoch, 10. Dezember 2014

dpa

Boston – Während die Zahl der Schlaganfälle in der US-Bevölkerung im Allgemeinen zurückgeht, ist es in den letzten Jahren zu einem deutlichen Anstieg der Schlaganfälle bei Schwangeren gekommen. Laut der Studie in Obstetrics & Gynecology (2014; doi: 10.1097/AOG.0000000000000590) war nur ein Drittel auf eine schwangerschafts­induzierte Hypertonie zurückzuführen.

Schlaganfälle in der Schwangerschaft sind selten, sie führen jedoch häufig zu schweren Behinderungen, und sie werden häufiger. Zu diesem Schluss gelangt Lisa Leffert vom Massachusetts General Hospital in Boston in ihrer Auswertung des Nationwide Inpatient Sample, einem Patientenregister, das in den USA die Ursachen für Krankenhaus­aufenthalte speichert.

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Zwischen 1994 und 2011 wurden 31.673 Frauen während oder nach einer Schwanger­schaft wegen eines Schlaganfalls in einer Klinik behandelt. Der Anteil war mit 3,8 auf 10.000 schwangerschaftsbedingte Hospitalisierungen zwar sehr gering. Doch die Zahlen zeigen einen klaren Trend nach oben. Bei den Frauen, die wegen einer schwanger­schaftsinduzierten Hypertonie behandelt wurden, verdoppelte sich die Zahl der Schlaganfälle.

Bei den Frauen ohne diesen Risikofaktor kam es zu einem Anstieg um 61 Prozent. Frauen mit einer Gestationshypertonie haben laut der Analyse ein fünffach erhöhtes Risiko, an einem Schlaganfall zu erkranken. Die etablierten Risikofaktoren für einen Schlaganfall (angeborene Herzfehler, Herzflimmern, Sichelzellenanämie, angeborene Gerinnungsstörungen) können das Risiko weiter erhöhen. Hochdruckerkrankungen steigern zudem das Risiko auf einen ungünstigen Ausgang des Schlaganfalls. In dieser Gruppe wurden doppelt so viele Frauen bei der Entlassung aus der Akutklinik künstlich beatmet.

Gestationshypertonie und Präeklampsie gelten als die wesentlichen Ursachen von Schlaganfällen in der Schwangerschaft. Nach den von Leffert vorgestellten Daten wiesen jedoch zwei von drei Schlaganfall-Patientinnen keinen dieser beiden Risikofaktoren auf. Die Gründe für den Apoplex bleiben bei diesen Frauen ungeklärt. Die Möglichkeiten des Nationwide Inpatient Sample zur Ursachenklärung sind hier begrenzt.

So fehlen Informationen zu weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht und Adipositas, die in den letzten Jahren ebenfalls häufiger geworden sind. Die American Heart Association hat sich zuletzt für eine konsequente Behandlung von Hochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft ausgesprochen. Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) rät Frauen mit einem erhöhten Prä-Eklampsie-Risiko zur Einnahme von ASS.

© rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #651910
thyriris
am Mittwoch, 10. Dezember 2014, 23:35

Mehr Schlaganfälle in der Schwangerschaft: USA

Es sei noch erwähnt, dass es in den USA im Prinzip kein Hebammenwesen gibt, d.h. auch keine Vorsorge der Schwangeren durch Hebammen (wie zunehmend auch in Deutschland), und dass ganz generell die maternale Sterblichkeitsrate wesentlich höher ist als bei uns. (D: ca. 3/100.000; USA: 17/100.000)
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Amerika insbesondere was die Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe angeht, ein riesiges Problem hat. Die Müttersterblichkeit steigt ja auch insgesamt, seit Jahren. Das schlägt sich dann m.M. auch in solchen Studien wieder.
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