NewsMedizinTyp 2-Diabetes: Sterberisiko steigt mit der Insulindosis
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Typ 2-Diabetes: Sterberisiko steigt mit der Insulindosis

Donnerstag, 11. Dezember 2014

dpa

Cardiff. Die hohen Insulindosierungen, die viele Patienten mit Typ 2-Diabetes infolge der Insulinresistenz benötigen, waren in einer retrospektiven Studie in Diabetes, Obesity and Metabolism (2014; doi: 10.1111/dom.12412) mit einem erhöhten Risiko auf kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs und einen vorzeitigen Tod verbunden.

Die wichtigste Aufgabe von Insulin ist die Verteilung der mit der Nahrung aufge­nommenen Energieressource Glukose. Das Proteohormon hat jedoch noch andere Effekte, die mit der Ähnlichkeit zu Somatomedin und anderen insulinähnlichen Wachstumsfaktoren zusammenhängen. Insulin könnte auf diese Weise das Wachstum von Tumoren stimulieren oder die Atherosklerose fördern, wofür laut Craig Currie von der Cardiff University School of Medicine Hinweise in experimentellen Studien gefunden wurden.

Anzeige

Ob diese Effekte eine klinische Relevanz haben, hat der Epidemiologe jetzt durch die Analyse der UK Clinical Practice Research Datalink (CPRD) untersucht, die die Daten von 13 Millionen britischer Hausarztpatienten speichert. Aus den Rezepten von 6.484 Patienten mit Typ-2-Diabetes errechnete Currie die Insulindosis und setzte sie mit den Angaben zu Krankheiten oder Todesfällen in den folgenden 3,3 Jahren in Beziehung.

Das Ergebnis war ein von der Insulindosis abhängiger Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Tod. Jede Zunahme der Insulindosis um eine internationale Einheit pro Kilo Körpergewicht war mit einen Anstieg der Mortalität um 54 Prozent (Hazard Ratio HR 1,54; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,32-1,78), der schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 37 Prozent (HR 1,37; 1,05-1,81) und der Krebser­krankungen um 35 Prozent (HR 1,35; 1,04-1,75) assoziiert.

Ob der Assoziation allerdings eine Kausalität zugrunde liegt, kann Currie nicht belegen. Es sei durchaus möglich, dass Typ 2-Diabetiker, die Insulin spritzen, aus anderen Gründen eine erhöhte Anfälligkeit für Herzkreislauf- oder Krebserkrankungen haben, gibt Currie zu bedenken. Er betont, dass die Ergebnisse nicht für Patienten mit Typ 1-Diabetes gelten, für die Insulin eine lebensrettende Therapie ist und die – jedenfalls solange sie im Alter keine Insulinresistenz entwickeln – häufig mit geringeren Insulin­dosierungen auskommen als Typ 2-Diabetiker.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #555009
G. Finking
am Donnerstag, 11. Dezember 2014, 13:13

Typ 2-Diabetes: Sterberisiko steigt mit der Insulindosis

Hier scheint sich klinisch-epidemiologisch zu bestätigen, was Nordestgaard und Zilversmit bereits 1988 (J Lipid Res 1988;29:1491-1500; Atherosclerosis 1988;72:37-47) am diabetischen Kaninchenmodell experimentell gezeigt haben: Insulin kann dosisabhängig atherogene Effekte bewirken.
LNS

Nachrichten zum Thema

12. August 2019
Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Bund der Internisten (BDI) haben ein telemedizinisch basiertes Facharztkonsil für das diabetische
Telemedizin soll Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms verbessern
12. August 2019
Kopenhagen – Entscheidend für den Erfolg einer Diät ist bei Menschen mit Typ 2-Diabetes nicht die Gewichtsabnahme, sondern die verminderte Zufuhr von Kohlenhydraten. Dies zeigen die Ergebnisse einer
Diabetes: Kohlenhydratarme Diät senkt HbA1c-Wert auch ohne Gewichtsreduktion
7. August 2019
London – Der Roux-en-Y-Magenbypass kann einen Typ 2-Diabetes von adipösen Menschen heilen, noch bevor es zur Gewichtsabnahme kommt. Forscher führen dies auf die Freisetzung von 3 Hormonen zurück, die
Drei Hormone ahmen Wirkung der Magenbypass-Operation bei Diabetes nach
6. August 2019
Düsseldorf – Sonderformen des Diabetes werden häufig nicht richtig diagnostiziert oder mit anderen Diabetesformen verwechselt. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin. „Die Ursachen
Sonderformen des Diabetes laut Fachgesellschaft oft unterschätzt
5. August 2019
Glasgow – Die Schwangerschaft von Frauen mit einem vorbestehenden Diabetes endet häufiger in einer Totgeburt. Zu den vermeidbaren Risikofaktoren gehören nach einer Studie in Diabetologia 2019; DOI:
Diabetes: Können Totgeburten verhindert werden?
29. Juli 2019
Seoul – Ein höherer Nüchternblutzucker ist offenbar auch bei Menschen ohne Diabeteserkrankung mit einem größeren Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs assoziiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine im
Erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko bei höherer Nüchternglukose – auch ohne Diabetes
25. Juli 2019
London – Eine mediterrane Diät hat in einer randomisierten Studie bei Schwangeren mit metabolischen Risikofaktoren die Gewichtszunahme begrenzt und die Häufigkeit eines Gestationsdiabetes gesenkt. Die
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER