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Ärzteschaft

„Ein Bedarf besteht für alle Facharztbereiche“

Freitag, 12. Dezember 2014

Berlin – Rund 200.000 Asylsuchende sind in diesem Jahr nach Deutschland gekommen, 2015 könnten es 250.000 werden. Neben der Unterbringung der Hilfesuchenden steht auch ihre ärztliche Betreuung immer wieder in der Diskussion.

5 Fragen an Dr. med. Ulrich Clever Präsidenten der Ärztekammer Baden-Württemberg und Menschenrechtsbeauftragten der Bundesärztekammer

DÄ: Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland ist in den vergangenen Wochen und Monaten stark kritisiert worden. Teilen Sie diese Auffassung – werden Flüchtlinge also medizinisch nur unzureichend betreut?
Clever: Zunächst müssen wir sehen, an wen sich Flüchtlinge wenden. Die erste Anlaufstelle sind die Erstaufnahmeeinrichtungen, die zeitweise in manchen Städten wegen kompletter Überlastung geschlossen werden mussten. Die medizinische Behandlung wird mit vielen bürokratischen Hürden erschwert. Zwar ist nach § 4 Asylbewerberleistungsgesetz eine Kostenabrechnung für den Notfall gewährleistet, aber oftmals bleiben Ärzte auf ihren Kosten sitzen. Zum einen weil ein Sozialamtsschein nicht nachgereicht wurde, zum anderen kann der Leistungsträger darüber entscheiden, ob ein Notfall überhaupt vorgelegen hat und welche Leistungen im Rahmen der ärztlichen Notfallbehandlung letztendlich abgerechnet werden.

Man muss immer daran denken, dass es sich um Menschen handelt, die oftmals über einen sehr langen Zeitraum auf der Flucht waren und enormen körperlichen Anstren­gungen und Entbehrungen, mitunter Vergewaltigung und Folter ausgesetzt waren. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch viele Kinder, teilweise auch unbegleitet, die auf jeden Fall eine besondere gründliche und individuelle medizinische Betreuung benötigen.

DÄ: Bremen und Hamburg haben Verträge mit Krankenkassen abgeschlossen. Das überarbeitete Asylbewerberleistungsgesetz sieht vor, dass geprüft werden soll, ob nicht auch Flächenstaaten die Versorgung auf diese Weise regeln sollten. Ist dies nicht eine Verschleppung?
Clever: Selbstverständlich wäre eine schnelle Umsetzung dieses Modells wünschens­wert. Jedoch können die Bundesländer sich immer auf ihre Landeshoheit berufen. Da das Bremer Modell sich durchaus für die Gruppe der registrierten Flüchtlinge, denn nur diese werden hiermit erfasst, bewährt hat und vor allem auch gezeigt wurde, dass eher Kosten für die gesundheitliche Versorgung gespart werden, stellt sich die Frage, warum nicht schon längst mehr Bundesländer nachgezogen haben.

DÄ: Was halten Sie davon, Flüchtlinge per se in die GKV aufzunehmen? Wäre das nicht noch besser und einfacher als die Vertragslösung wie in Bremen und HH?
Clever: Das Recht auf medizinische Gleichbehandlung von Asylbewerbern und ihnen gleichgestellten Ausländern mit regulär Krankenversicherten wurde zuletzt auf dem 117. Deutschen Ärztetag gefordert. Dies wird sicher noch ein langer Weg, daher wäre der schnellere Schritt die Umsetzung des Bremer Modells auch in anderen Bundesländern.

DÄ: Womit werden die Ärzte konfrontiert, die Flüchtlinge betreuen? Braucht es zum Beispiel vor allem Psychiater (Stichwort Posttraumatisches Belastungssyndrom) oder eher Chirurgen?
Clever: Ein Bedarf besteht für alle Facharztbereiche. Die Krankheiten, bedingt durch Flucht, Folter, Vertreibung, Vergewaltigung, Entbehrungen jeglicher Art und das über einen meist langen Zeitraum verbunden mit den psychischen Belastungen, sind vielzählig. Wichtig sind in diesem Zusammenhang vor allem auch Dolmetscher. Ideal wäre, wenn auch mit Blick auf psychotherapeutische Behandlungen Muttersprachler für die Übersetzung zur Verfügung stünden.

DÄ:Verfügen wir über die Kapazitäten, ambulant und stationär, um die Flüchtlinge adäquat zu versorgen? Wo gibt es möglicherweise Engpässe auf Seiten der Leis­tungserbringer?
Clever: Problematisch ist vor allem, wenn Flüchtlinge in bereits medizinisch unter­versorgte Regionen untergebracht werden, zum Beispiel in abgelegen Industriegebieten oder kleinen ländlichen Ortschaften. Hier kann nicht optimal versorgt werden.

© hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #582750
M. Malone
am Montag, 15. Dezember 2014, 09:55

Bevölkerungsverdummung!

Der Kollege wird sicherlich beantworten können, ob inzwischen alle Kollegen bereit sind zum Standardtarif der PKV in Höhe des max. GKV Beitrages zu liquidieren.
Auch dies gehört zur Würde für PKV Versicherte, darunter auch Kollegen, die viele Jahre das System subventioniert haben und sich im Alter die teuren Tarife nicht mehr leisten können.
Oder warum sollte jemand der sich im Alter unverschuldet(Scheidung, Krankheit) die teuren PKV Tarife nicht mehr leisten kann nicht auch das Recht haben in die GKV gehen zu können.
Es kann nicht sein daß die GKV mißbraucht wird um jeden mit dem Zauberwort "Asyl" unlimitierte medizinische Behandlung zum Nulltarif auf Kosten der Versichertengemeinschaft zu gewähren.
Dann bitte ein Asyl Soli oder eine Asyl Vermögensabgabe anstatt anstatt die Masse der Bevölkerung über explodierende komunale Haushalte, ständig steigende Abgaben auf allen Ebenen in Haftung zu nehmen.
So nicht, sei gesagt an die Herren Montgomery und Clever, die anderen Wasser predigen und selbst Wein trinken.
LNS
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