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Medizin

Tuberkulose: Erkrankungszahlen steigen wieder

Montag, 15. Dezember 2014

dpa

Berlin – Nachdem die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland über viele Jahre zurückgegangen war, ist inzwischen eine Stagnation eingetreten. Im Jahr 2013 wurden dem Robert Koch-Institut erstmals wieder mehr Erkrankungsfälle gemeldet als im Jahr zuvor. Betroffen sind häufig Migranten, die sich oft schon im Heimatland infiziert haben.

Dem Robert Koch-Institut wurden 2013 insgesamt 4.318 Tuberkulose-Erkrankungen gemeldet, was eine Inzidenz von 5,3 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner ergibt. Im Jahr 2012 waren es 4.217 Erkrankungen gewesen, im Jahr 2011 insgesamt 4.307 Erkrankungen. Ein erneuter Anstieg der Erkrankungszahlen war vorhergesagt worden, nachdem sich der kontinuierliche Rückgang der Erkrankungszahlen in früheren Jahren seit 2009 bereits deutlich verlangsamt hatte.

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Die Tuberkulose ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten relativ selten. Vor allem in der ehemaligen Sowjetunion, aber auch in westlichen Metropolen wie London, werden deutlich mehr Erkrankungen gemeldet. Da die Infektion chronisch ist und häufig erst nach einer langen Latenzzeit symptomatisch wird, erkrankten häufig Migranten, die unter Umständen viele Jahre in Deutschland leben.

Dem Robert Koch-Institut zufolge sind 56,6 Prozent aller Patienten im Ausland geboren, 48,4 Prozent haben einen ausländischen Pass. Während die Inzidenz der Tuberkulose in der deutschen Bevölkerung bei 2,8 pro 100.000 Einwohner liegt, ist sie bei auslän­dischen Staatsbürgern mit 26,5 pro 100.000 Einwohner mehr als 9-mal so hoch. Zu den häufigsten Geburtsländern gehören neben der Türkei die Nachfolgestaaten der ehema­ligen Sowjetunion (NUS).

In den NUS ist in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Zahl der Erkrankungen, sondern auch der Anteil der resistenten und multiresistenten Erreger stark gestiegen. Dies macht sich auch bei der Resistenzentwicklung in Deutschland bemerkbar: 36,3 Prozent der in den NUS geborenen Patienten hatten Erreger mit wenigstens einer Resistenz. Bei den in Deutschland geborenen Patienten waren es nur 9,4 Prozent. Der Anteil der multiresis­tenten Erreger betrug bei Patienten aus den NUS 9,4 Prozent, bei den in Deutschland geborenen Patienten nur 0,7 Prozent. Erstmals wurden 2013 in den Meldedaten auch 3 Erkrankungen an extensiv resistenter Tuberkulose gefunden.

Der Behandlungserfolg wird stark vom Alter beeinflusst. Bei Kindern und Erwachsenen bis zu einem Alter von 40 Jahren konnten etwa 85 Prozent kuriert werden. Bei Patienten ab 70 Jahren waren es nur noch 67,4 Prozent und bei einem Alter ab 80 Jahren nur noch 55,8 Prozent. Krankheitsbedingt sind laut den Meldungen 146 Menschen an der Tuberkulose gestorben. Die Letalität lag bei 3,4 Prozent, bei Patienten ab 80 Jahren war sie mit 10,6 Prozent am höchsten. Bei Kindern und jungen Erwachsenen unter 20 Jahren wurde kein Todesfall verzeichnet.

Die Stagnation der Erkrankungszahlen und der hohe Anteil an resistenten und multi­resis­tenten Keimen, aber auch der hohe Anteil mit offener und damit infektiöser Lungen­tuberkulose (1.181 Patienten) zeigen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts eindrücklich, dass die Tuberkulose in Deutschland immer noch ein relevantes Gesund­heitsproblem ist und die Bemühungen um eine effektive Tuberkulosekontrolle auch in Zukunft nicht nachlassen dürfen.

© rme/aerzteblatt.de

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