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Medizin

Adipositas: Tri-Agonist erzielt deutlichen Gewichtsverlust bei Mäusen

Montag, 15. Dezember 2014

Produktion von Glucagon (rot) in den Langerhans-Inseln /wikipedia

München – Ein neuer Wirkstoff, der die Wirkungen von drei Hormonen auf sich vereint, hat in tierexperimentellen Studien in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3761) den Blutzuckerspiegel und das Körpergewicht in bisher ungekanntem Ausmaß gesenkt. Die Therapie imitiert teilweise die Wirkungen der bariatrischen Chirurgie.

Eine Magenverkleinerung oder Darmverkürzung beseitigt bei adipösen Menschen den Typ 2-Diabetes häufig, noch bevor es zu einer Gewichtsabnahme gekommen ist. Dies wird nicht allein auf die durch die Magenverkleinerung erzwungene Ernährungs­umstellung und die durch Darmverkürzung verminderte Resorption der Nährstoffe zurückgeführt. Diskutiert wird auch eine vermehrte Freisetzung von drei „entero-insularen“ Hormonen, die in den Energiestoffwechsel eingreifen.

Dies sind das in den L-Zellen des Dünndarms produzierte Glukagon-ähnliche Peptid-1 (GLP-1), das von den K-Zellen in Duodenum und Jejenum synthetisierte glukose­abhängige insulinotrope Peptid (GIP) sowie das in den Alpha-Zellen der Beta-Zellen gebildete Glukagon. GLP-1 und GIP sind Ärzten als Antidiabetika (Inkretinmimetika) bekannt. Sie senken neben dem Blutzucker auch das Körpergewicht, eine bei den zumeist übergewichtigen Typ 2-Diabetikern willkommene Begleitwirkung.

GLP-1 zügelt zudem den Appetit, was Diäten erleichtert. Glukagon fördert als Gegen­spieler zu dem „Speicherhormon“ Insulin die Freisetzung von Glukose und Fetten, was eine vermehrte Kalorienverbrennung (Thermogenese) zur Folge hat. Der Anstieg der drei Hormone wurde auch bei Patienten beobachtet, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen haben.

Dies hat ein Team um Matthias Tschöp vom Helmholtz Diabetes Center in München und Richard DiMarchi von der Indiana Universität in Indianapolis dazu veranlasst, die Wirkstoffe zu kombinieren, allerdings nicht in der klassischen Kombinationstherapie, bei der mehrere Wirkstoffe gleichzeitig verabreicht werden.

Die Forscher haben vielmehr einen neuen Wirkstoff geschaffen, der auf die Rezeptoren aller drei Hormone agnostisch wirkt. Dies ist möglich, da die drei Hormone verwandt sind. Bei allen drei Hormonen handelt es sich um Peptide mit teilweise überlappender Abfolge der Aminosäuren. Im letzten Jahr hatten die Forscher bereits Ergebnisse zu Duo-Hormo­nen vorgestellt. Dazu hatten sie einmal GLP-1 mit GIP, das andere Mal GLP-1 mit Glukagon und schließlich GLP-1 mit dem Steroidhormon Östrogen kombiniert. Jetzt ist des den Forschern gelungen, alle drei Wirkstoffe zu einem Tri-Agonisten zu verbinden.

Das dreifache Hormon erzielte in den ersten an Mäusen durchgeführten Versuchen eine „supraphysiologische“ Wirksamkeit: Er senkte nicht nur Blutzuckerspiegel, Appetit und Körperfett. Auch die Leberverfettung ging zurück. Auch Cholesterinwerte und die Kalorienverbrennung verbesserten sich – und zwar noch effektiver als es mit bisher verfügbaren mono-aktiven oder dual wirksamen Molekülen möglich war.

Der Einfluss auf das Körpergewicht war beachtlich: Der Tri-Agonist senkte das Körpergewicht bei den Tieren um 30 Prozent, etwa doppelt so viel wie ein dualer Co-Agonist bei gleicher Dosierung. Zudem zeigte sich bei dem Dreifachhormon eine deutlich verbesserte Insulinsensitivität, was auf eine diabetespräventive Wirkung hinweist.

Noch ist völlig unklar, ob der Tri-Agonist auch bei adipösen Menschen eingesetzt werden könnte. Die Forscher fanden zwar keine bedeutende Kreuz-Reaktivität mit anderen Hormonsystemen. Dies heißt allerdings nicht, dass es beim Menschen keine Neben­wirkungen gibt, die den Einsatz gefährden würden.

Zu bedenken ist auch, dass die Peptide nicht in Tablettenform angeboten werden könnten. Das Medikament müsste, unter Umständen täglich, subkutan injiziert werden. Neben den angestrebten klinischen Studien wollen die Forscher weiter an persona­lisierten Therapiekonzepten arbeiten. Sie halten es für möglich, Kombinationsmoleküle aus vier, fünf oder mehr Hormonkomponenten zu entwickeln, die eventuell individuell auf die Bedürfnisse einzelner Patienten angepasst werden könnten. © rme/aerzteblatt.de

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docriga93
am Dienstag, 16. Dezember 2014, 07:09

Berichtigung

"das in den Alpha-Zellen der Beta-Zellen gebildete Glukagon" (Z.13f)
Wohl eher, "das in den Alpha-Zellen der Langhans-Inseln gebildete Glukagon"

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