NewsMedizinBrustkrebs ist bei Männern anders
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Brustkrebs ist bei Männern anders

Montag, 15. Dezember 2014

Lissabon – Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Die Tumore unterscheiden sich jedoch histologisch von dem sehr viel häufigeren Mammakarzinom bei der Frau. Dennoch orientiert sich die Behandlung bisher an den Leitlinien für das weibliche Mammakarzinom. Eine auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellte Studie sieht hierin eine mögliche Ursache für die schlechteren Behandlungsergebnisse.

Brustkrebs bei Männern ist nicht überall selten. In Uganda entfallen immerhin 5 Prozent aller Mammakarzinome auf Männer, in Sambia soll der Anteil sogar bei 15 Prozent liegen. In Deutschland  ist der Tumor bei Männern jedoch selten. Von den etwa 70.000 Neuer­krankungen, die 2010 in Deutschland diagnostiziert wurden, entfielen gerade einmal 610 auf Männer. Im gleichen Jahr verstarben 107 Männer an Brustkrebs. Dies deutet auf ungünstigere Behandlungsergebnisse als bei Frauen hin. Eine Studie, die die European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) zusammen mit anderen Fachverbänden aus Europa und Nordamerika durchführt, soll die Ursachen für die Geschlechterunterschiede klären.

Anzeige

Für den ersten Teil der Studie hat das Team um Fatima Cardoso vom Champalimaud Clinical Center in Lissabon retrospektiv die Daten zu 1.822 Männern zusammen­getragen, die in den Jahren 1990 bis 2010 an einen Mammakarzinom erkrankt waren. Die meisten Männer waren an einem invasiven duktalen Karzinom erkrankt, das auch bei Frauen die häufigste Form von Brustkrebs ist.

Die meisten Männer erhielten nach der Operation die von den Leitlinien vorgesehe Radiotherapie. Bei der adjuvanten Chemotherapie wurden Anthrazykline bevorzugt. Eine Hormonbehandlung mit Tamoxifen erhielten jedoch nur 77 Prozent der Männer, obwohl der Anteil der östrogen-rezeptorpositiven Tumore bei 99 Prozent lag (bei Frauen etwa 70 Prozent).

Bei etwa 7 Prozent wurden auch Rezeptoren für den epidermalen Wachstums­faktor­rezeptor HER2/neu gefunden (Frauen 20 Prozent), der auf eine Wirksamkeit des Antikörpers Herceptin hinweist. Triplenegative Mammakarzinome sind bei Männern mit einem Anteil von einem Prozent (Frauen 10 bis 15 Prozent) eher selten. Eine weitere Besonderheit war, dass die Tumore bei Männern in der Regel Androgenrezeptoren haben. Dies könnte bedeuten, dass die Rezeptoren auf eine Androgendeprivation ansprechen, deren Wirksamkeit beim Mammakarzinom (bei Frauen) bisher allerdings nicht untersucht wurde.

In dem jetzt begonnenen zweiten Teil der Studie sollen prospektiv die Behandlungs­ergebnisse von Männern mit Brustkrebs gesammelt werden. Sie sollen die Grundlagen für spätere Therapiestudien liefern. Eine andere derzeit laufende Studie untersucht die Lebensqualität von Männern mit Brustkrebs. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. Dezember 2018
Chapel Hill/North Carolina – Schwangerschaften schützen vor Brustkrebs, doch die protektive Wirkung setzt laut einer Studie in den Annals of Internal Medicine (2018; doi: 10.7326/M18-1323) erst nach
Brustkrebsrisiko in den ersten Jahren nach einer Geburt erhöht
6. Dezember 2018
Neu-Isenburg – Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Emtansin kann Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom, bei denen nach einer neoadjuvanten Chemotherapie noch Tumorzellen nachweisbar
Mammakarzinom: Trastuzumab-Konjugat verhindert Rezidive
28. November 2018
Köln – Ein Forschungskonsortium unter Leitung der Universitätsklinik Köln untersucht, inwieweit eine strukturierte Beratung Frauen unterstützen kann, die ein erhöhtes genetisches Risiko für Brust- und
Entscheidungscoaching für Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko
29. Oktober 2018
Bonn/Hamburg – Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 71.900 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Ein Hamburger
Forscher suchen nach unbekannten Brustkrebsgenen
26. Oktober 2018
Kopenhagen – Schwangerschaften gelten als der beste natürliche Schutz vor einem Mammakarzinom. Eine protektive Wirkung tritt nach einer Studie in Nature Communications (2018; doi:
Nur lange Schwangerschaften senken das Brustkrebsrisiko
22. Oktober 2018
Pittsburgh – Die Immuntherapie, die den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf Krebszellen stimuliert, hat sich erstmals in einer größeren Studie in der Brustkrebsbehandlung als effektiv erwiesen. In
Triple-negatives Mammakarzinom: Atezolizumab kann Überlebenszeit teilweise deutlich verlängern
17. Oktober 2018
Berlin – Das öffentliche Bewusstsein dafür, dass Männer an Brustkrebs erkranken können ist sehr gering. Daher wollen die Deutsche Krebshilfe und die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSK) den
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER