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Politik

NRW will Palliativversorgung in Pflegeheimen verbessern

Dienstag, 16. Dezember 2014

Düsseldorf – Nordrhein-Westfalen will die Hospizarbeit und Palliativversorgung in den Alten- und Pflegeheime besser verankern. Eine qualifizierte Unterstützung Schwerst­kranker bis zu ihrem Tod sei sicherzustellen, sagte NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Steffens (Grüne) am Dienstag in Düsseldorf. „Der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe wird in den Hintergrund treten, wenn Menschen die Angst vor der letzten Lebensphase genommen werden kann.“

Die Landesinitiative „Gemeinsam auf dem Weg“ solle die „Hospizkultur“ in den Pflege­heimen stärken und eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ zwischen den Einrichtungen und der Hospizbewegung anstoßen, so die Ministerin. „Wir brauchen da mehr Kooperationen und Synergien.“ Zwar würden Sterbenskranke auch gegenwärtig in den Pflegeheimen begleitet. Aber vielfach fehle beim Personal „das entsprechende Wissen“ dazu. Oft bestehe bei Pflegekräften Unsicherheit im Umgang mit Sterbenden, etwa bei der Verweigerung der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme. Zudem gebe es bei der Angehörigenbetreuung große Defizite.

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Hohes Interesse an palliativmedizinischer Weiterbildung
Im Rahmen der mit einer halben Million Euro finanzierten Landesinitiative kooperieren Mitarbeiter aus Pflegeeinrichtungen mit Hospiz- und Palliativteams, wie es hieß. Dabei sollen die Pflegekräfte Hilfestellungen erhalten, um den gesetzlichen Anspruch auf eine medizinisch-pflegerische Versorgung in der letzten Lebensphase wirkungsvoll umsetzen zu können. Bei den Pflegekräften sei ein großes Interesse feststellbar, sich bei der Sterbebegleitung mehr Kompetenzen anzueignen.

Kritik von Deutschen Stiftung Patientenschutz
Nordrhein-Westfalen werde mit Praxisleitfäden, Anleitungen zur Schmerz- und Symptombehandlung sowie Tipps zur Begleitung Angehöriger die mangelhafte Hospiz- und Palliativversorgung der Bewohner von Pflegeheimen nicht beheben, erklärte Vorstand Eugen Brysch. Schon der Betrag von 500.000 Euro mache das deutlich. „Damit stehen für jeden sterbenden Pflegeheimbewohner rund 9 Euro im Jahr zu Verfügung. Die mangelnde Facharztversorgung und deutlich weniger Personal als in Hospizen können so nicht überwunden werden.“ Notwendig sei eine eigene Pflegestufe für Sterbende gerade in Pflegeheimen.

Eine Pflegekraft begleitet 9 Sterbende
In NRW leben laut Ge­sund­heits­mi­nis­terium 547.000 Pflegebedürftige, davon 159.000 in Heimen. Eine Pflegekraft begleitet pro Jahr im Schnitt 9 Sterbende. Laut Studien sterben 30 Prozent der Bewohner in den ersten drei Monate nach ihrer Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung, weitere 60 Prozent im ersten Jahr.  Neben den Pflegeheimen gibt es in NRW 66 stationäre Hospize, 300 ambulante Hospizdienste und 120 Palliativpflege­dienste. Mehr als 8.000 Ehrenamtliche engagieren sich landesweit in der Hospiz­versorgung.

Steffens nannte die Zahl der Hospizplätze in NRW „ausreichend“. Um eine Über­versorgung zu vermeiden, hätten die Wohlfahrtsverbände den Bau weiterer Einrichtungen gestoppt. © kna/aerzteblatt.de

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