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Medizin

E-Zigaretten: Meta-Analyse sieht Vorteile beim Rauchstopp

Mittwoch, 17. Dezember 2014

dpa

London – E-Zigaretten, deren Siegeszug nach einer neuen US-Umfrage kaum noch aufzuhalten zu sein scheint, können nach der ersten Cochrane Meta-Analyse zu dieser Frage Rauchern durchaus helfen, auf konventionelle Zigaretten zu verzichten, auch wenn die Nikotinsucht weiter bestehen bleibt. Die Evidenz für diese Aussage ist laut der Publikation in der Cochrane Library (2014; doi: 10.1002/14651858.CD010216.pub2) jedoch (noch) gering.

An der elektrischen Zigarette, die eine Inhalation von Nikotin, ohne die krebserregenden Verbrennungsprodukte des Tabaks ermöglichen, scheiden sich die Geister. Einige Public Health-Forscher warnen Jugendliche vor dem Griff zu den vermeintlich harmlosen E-Ziga­retten, die eine lebenslange Nikotinsucht auslösen können (was plausibel erscheint) und möglicherweise eine Einstiegsdroge für das spätere Tabakrauchen sind (wofür es derzeit keine sicheren epidemiologischen Belege gibt).

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Andere Gesundheitsexperten sehen die E-Zigaretten als eine weitere Variante der Nikotinersatztherapie, die bereits als Pflaster, Kaugummi oder Lutschtabletten verfügbar ist. Ob die vorübergehende Substitution den Sprung zur Abstinenz erleichtert, ist indes umstritten. Die Ergebnisse klinischer Studien, die zuletzt in einer Meta-Analyse in der Cochrane Database of Systematic Reviews  (2012; 11: CD000146) zusammengefasst wurden, attestieren den Nikotinersatztherapien eine gewisse Wirkung. Epidemiologische Studien, so beispielsweise eine US-Kohortenstudie in Tobacco Control (2013; 22: 32-7), kommen dagegen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass der Erfolg eher von der Motiva­tion des Rauchers als von den benutzten Hilfsmitteln abhängt.

Jetzt stellt die Cochrane Tobacco Addiction Group um Peter Hajek vom Wolfson Institute of Preventive Medicine, London, erstmals eine Übersicht zur Unterstützung des Rauch­stopps mit Hilfe von E-Zigaretten vor. Doch während sich die Meta-Analyse zur konven­tio­nellen Nikotinersatztherapie auf 117 randomisierte Studien mit mehr als 50.000 Teilnehmern stützen konnte, musste sich das Team um Hajek mit zwei randomisierten Studien mit zusammen gerade einmal 662 Teilnehmern begnügen.

In beiden Studien wurde die Wirkung von E-Zigaretten mit und ohne Nikotin verglichen, eine Studie führte zusätzlich einen Vergleich mit einer konventionellen Nikotinersatz­therapie durch. In einer Studie hatten die Teilnehmer die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören, in der anderen Studie bestand diese Motivation nicht.

Im Vergleich zu Placebo verdoppelte die E-Zigarette mit Nikotin zwar die Chance, nach sechs Monaten abstinent zu sein (Relatives Risiko 2,29; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,05-4,96). Doch die absoluten Abstinenzraten waren mit 9 Prozent gegenüber 4 Prozent verhältnismäßig gering. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl stuft Hajek den Evidenz­grad als niedrig ein („low“ nach dem GRADE-System). Der Vergleich mit der konven­tionellen Nikotinersatztherapie fiel unentschieden aus. Hajek ermittelt ein relatives Risiko von 1,26, was bedeutet, dass die E-Zigarette tendenziell besser ist. Doch das 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,68 bis 2,34 zeigt, dass die Evidenz dieser Aussage sehr schwach ist („very low“ nach dem GRADE-System).

Für Hajek sind die Ergebnisse dennoch ermutigend. Beide Studien hätten elektrische Zigaretten mit einer niedrigen Nikotinabgabe verwendet, und es sei wahrscheinlich, dass neuere Produkte, die das Nikotin schneller und in höherer Dosis abgeben, effektiver sein könnten. Hajek konnte hierzu neun laufende Studien identifizieren. Laut Mitautorin Jamie Hartmann-Boyce von der Universität Oxford konnte die Studie kein erhöhtes Gesund­heits­risiko durch die elektrischen Zigaretten feststellen.

Ein Nachteil der randomisierten Studien ist, dass ihre Dauer auf wenige Monate beschränkt ist. Ob die Patienten langfristig abstinent bleiben, können sie nicht klären. Die elf Beobachtungsstudien, die das Team zu dieser Frage analysierte, lassen Zweifel aufkommen. Hier wurden – in einer auffälligen Übereinstimmung mit den epidemio­logischen Studien zur konventionellen Nikotinersatztherapie – keine Hinweise gefunden, dass die zusätzliche Nutzung der E-Zigarette den Verzicht auf das Tabakrauchen langfristig erleichtert.

Eine gestern veröffentlichte Umfrage des National Institute on Drug Abuse hat ergeben, dass die elektrische Zigarette bei Jugendlichen in den USA hoch im Kurs steht: 16,2 Prozent der Zehntklässler hatten dort angegeben, im vorangegangenen Monat (wenigstens) eine E-Zigarette geraucht zu haben. Der Anteil der täglichen Raucher betrug dagegen nur 3,2 Prozent. Hier hat sich ein Trend der letzten Jahre fortgesetzt. Ob er durch die Verfügbarkeit von E-Zigaretten gefördert wurde oder ob die E-Zigarette den Nikotinkonsum für die Jugendlichen verharmlost, kann die Studie nicht klären. © rme/aerzteblatt.de

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