NewsPolitikHecken: Spezialfachärztliche Versorgung hat großes Potenzial
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hecken: Spezialfachärztliche Versorgung hat großes Potenzial

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Berlin – Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, Josef Hecken, zeigte sich auf dem 11. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung (DGIV) optimistisch, dass die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) noch zu einem Erfolg wird. „Die ASV wird sich nicht zu einem großen stationser­setzenden Bereich entwickeln. Sie kann aber zu einem wichtigen Versorgungs­bereich werden, der dabei hilft, dass Schnittstellen und Brüche, die es in der Regel­versorgung gibt, überwunden werden“, sagte Hecken am vergangenen Donnerstag in Berlin.

Trotz aller Anfangsprobleme habe die ASV ein großes Potenzial, mittlerweile bewegten sich auch die Akteure aufeinander zu. Und anfängliche Urängste, dass auch nur eine Leistung von einem Bereich in den anderen wandern könnte, hätten ausgeräumt werden können.

Hecken: Beschränkung der ASV auf schwere Verlaufsformen war „großer Fehler“
Hecken bezeichnete es jedoch als „großen Fehler“, dass die schwarz-gelbe Koalition die ASV auf „schwere Verlaufsformen“ von Erkrankungen mit besonderen Krankheits­verläufen beschränkt habe. „Schwere Verlaufsformen sind zum Beispiel dann gegeben, wenn ein Patient in ein Hospiz kommt“, sagte Hecken. „Ob die ASV dann überhaupt noch einen Mehrwert hat, ist allerdings eine andere Frage.

Anzeige

Hecken äußerte Verständnis dafür, „wenn die Deutsche Krankenhausgesellschaft sagt, es sei nur schwer vermittelbar, dass man Frauen, die in der Vergangenheit in einem frühen Brustkrebsstadium in einem Krankenhaus nach § 116b, alt, ambulant operiert werden konnten, heute sagen muss: ‚Du kannst wiederkommen, wenn deine Krankheit eine schwere Verlaufsform genommen hat. Dann können wir dir allerdings vielleicht nicht mehr helfen, sondern nur noch deine Leiden lindern.‘“

In der früheren Version des § 116b Sozialgesetzbuch V konnten Krankenhäuser für die Behandlung seltener Erkrankungen oder Erkrankungen mit besonderen Krankheits­verläufen für die ambulante Versorgung geöffnet werden. Von dieser Möglichkeit haben die einzelnen Bundesländer jedoch sehr unterschiedlich Gebrauch gemacht. „In Baden-Württemberg wurden Krankenhäuser nur in 14 Fällen für die ambulante Versorgung nach § 116b, alt, geöffnet, in Schleswig-Holstein 224“, erklärte Hecken.

Kritik an Bestandsschutz der zur ambulanten Versorgung zugelassenen Krankenhäuser
Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz will die schwarz-rote Koalition nun auch Qualität als Kriterium für die Teilnahmeberechtigung an der ASV einführen. Der G-BA soll dafür die „Arbeitsergebnisse“ des neuen Qualitätsinstituts bei der Regelung der Qualitäts­anforderungen an die spezialfachärztlichen Leistungserbringer einzubeziehen. Zudem sollen Krankenhäuser, die vor dem 31. Dezember 2011 für die ambulante Behandlung zugelassen wurden, einen unbefristeten Bestandsschutz erhalten.

Dieses Vorhaben kritisierte Hecken deutlich: „Wenn ich Schleswig-Holstein wäre, würde ich sagen: ‚Warum sollte ich mich den Qualitätsrichtlinien zur ASV unterwerfen? Ob ich die Leistung noch erbringen kann, brauch ich ja gar nicht mehr nachzuweisen. Und ob ich es verlernt habe, prüft keiner mehr.‘“ Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg, die keinen Bestandsschutz hätten, würden hingegen die vom G-BA vorgeschriebene Qualität bei der ASV erbringen müssen. „Das führt zu nicht hinzunehmenden Unwuchten in der Qualität der Versorgung“, kritisierte Hecken. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Berlin – Für die Behandlung der rund 32.000 Kindern mit Diabetes mellitus in Deutschland stehen heute modernste Therapien und Technologien zur Verfügung. Dennoch beobachten Experten eine zunehmende
Qualifizierte Versorgung von Kindern mit Diabetes zunehmend gefährdet
30. Juli 2020
Bonn – Bei Schlaganfall, Herzinfarkt oder schweren Verletzungen entscheiden über den Behandlungserfolg der Patienten oft Minuten. Entsprechend wichtig ist es, dass spezialisierte
Regionale Versorgungsdefizite bei Erreichbarkeit von Spezialkliniken
17. Juli 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen (CED) in den Katalog der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) aufgenommen. Den Antrag dazu
Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen in ASV-Katalog aufgenommen
25. Juni 2020
Berlin – Nach den ersten Monaten der Pandemie beginnt unter vielen gesundheitspolitischen Experten eine Debatte über die Lehren für die künftige Versorgung in Deutschland. Dabei müsse die ambulante
Rüddel: „Die ambulante Versorgung ist die Stütze des Systems“
19. Juni 2020
Schwerin – Die Enquetekommission des Landtags zur Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern hat gestern die Arbeit aufgenommen. Sie wird von dem SPD-Abgeordneten Jörg Heydorn
Enquetekommission zur ärztlichen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern gestartet
18. Juni 2020
Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat vor nicht gelösten Problemfeldern bei der gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen gewarnt. Demnach ist die Zahl der
Kinder- und Jugendärzte warnen vor Kapazitätsengpässen
12. Juni 2020
Berlin – Der Einsatz der Praxen bei der Bewältigung der Coronakrise werde nicht genug anerkannt, obwohl diese als maßgebliche Leistungsträger gewirkt hätten. Das ist der Tenor der Aussprache im Rahmen
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER