NewsPolitikVersorgungs­stärkungsgesetz bedroht Ambulanzen der Unikliniken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Versorgungs­stärkungsgesetz bedroht Ambulanzen der Unikliniken

Donnerstag, 18. Dezember 2014

dpa

Berlin – Gegen Regelungen im sogenannten GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wehren sich der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und der MFT Medizinischer Fakultätentag. Der vom Bundeskabinett gebilligte Gesetzentwurf verschlechtere die Situation für die Hochschulambulanzen dramatisch, so ihre Kritik. „Die von der Arbeits­gruppe aus Bund und Ländern in Aussicht gestellten 265 Millionen Euro für eine bessere Vergütung der Leistungen von Hochschulambulanzen werden niemals fließen, wenn dieses Gesetz so kommt“, erklärte Michael Albrecht, Vorsitzender des VUD.

„Die Hochschulambulanzregelung ist der erste Belastungstest für die Beschlüsse der Bund-Länder AG zur Krankenhausreform. Wir müssen leider feststellen, dass dieser Test nicht bestanden wird“, sagte Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentags.

Anzeige

Bisher sind die Hochschulambulanzen gesetzlich auf Zwecke von Forschung und Lehre begrenzt. In der Praxis spielen sie aber eine immer größere Rolle zur Sicherung der Patientenversorgung. Die Fallzahlen steigen seit Jahren rapide. Künftig sollen die Ambulanzen laut dem Gesetzentwurf über das für Forschung und Lehre erforderliche Maß hinaus Patienten zu Lasten der Krankenkassen behandeln dürfen, die aufgrund der Art, Schwere oder Komplexität ihrer Erkrankung einer speziellen Untersuchung oder Behandlung bedürfen.

So sollen die Universitätsklinika der heutigen Versorgungsrealität angemessene Fallzahlen vergütet bekommen. Das Problem: Der Umfang der Patientengruppe, die von dieser Öffnung profitieren soll, muss laut Gesetzentwurf von Kassenärztlicher Bundesvereinigung, GKV-Spitzenverband und Deutscher Krankenhausgesellschaft vereinbart werden. „Alle Erfahrungen mit dreiseitigen Verhandlungen zeigen, dass hier bestenfalls ein Minimalkatalog heraus kommen wird. Wir brauchen deshalb großzügige Öffnungsklauseln, damit Krankenkassen und Universitätsklinika vor Ort Lösungen finden können, die dem jeweiligen Bedarf gerecht werden“, sagte Ralf Heyder, Generalsekretär des VUD.

Dazu kommt, dass im Gegenzug die bisherige Ermächtigung für Forschung und Lehre durch Vorgaben des GKV-Spitzenverbands und der Deutschen Krankenhausgesellschaft beschränkt werden soll. „Es ist völlig inakzeptabel, dass künftig die Krankenkassen auf Bundesebene vorgeben sollen, wie viele Patienten wir behandeln dürfen, um Forschung und Lehre zu betreiben. Für Forschung und Lehre sind die Krankenkassen überhaupt nicht zuständig“, kritisiert Kroemer.

„Die Zeichen stehen auf Abbau, nicht Ausbau. Für die Hochschulambulanzen ist das kein Versorgungsstärkungsgesetz, sondern ein Versorgungsschwächungsgesetz“, so das Fazit von VUD und Medizinischem Fakultätentag. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2020
Jena – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt eine neue Forschungsgruppe, die Chirurgie und Hepatologie, Bildgebung, Bioinformatik und Datenwissenschaften miteinander verbindet. Die Ärzte und
Lebermodell soll Chirurgen bei Planung großer Operationen unterstützen
9. Oktober 2020
Mannheim – In Baden-Württemberg soll durch die Fusion der Unikliniken Mannheim und Heidelberg ein Krankenhaus im Format der Berliner Charité entstehen. Das Haus mit mehr als 3.300 Betten soll das
Unikliniken Mannheim und Heidelberg stellen Konzept für Fusion vor
9. Oktober 2020
Berlin – Die Berliner Charité und die Universitätsklinik in Frankfurt am Main haben vor einem Personalmangel auf Intensivstationen bei der Bekämpfung der Coronapandemie gewarnt. Der an der Charité für
Unimediziner warnen vor Personalmangel auf Intensivstationen
6. Oktober 2020
Mannheim – Die Universitätsklinik Heidelberg und das Mannheimer Unikinikum wollen sich zusammenschließen und in die alleinige Trägerschaft des Landes Baden-Württemberg übergehen. Erstellt wurden die
Unikliniken Mannheim und Heidelberg sollen Anfang 2022 fusionieren
6. Oktober 2020
Magdeburg/Aachen – Das AKTIN- Notaufnahmeregister erfasst im Augenblick Daten aus 17 Notaufnahmen deutschlandweit. Bis März 2021 sollen 50 Notaufnahmen an dem Register angebunden sein und ihre Daten
Notaufnahmeregister will Deutschland abdecken
1. Oktober 2020
Berlin – Aus den deutschen Universitätskliniken kommen Warnungen vor einer Zuspitzung der Coronapandemie in Deutschland. Die Situation sei „noch nicht dramatisch“, bedürfe aber einer „sehr ernsthaften
Unikliniken mahnen bei Coronakrise zur Wachsamkeit
23. September 2020
Düsseldorf – Nach einer Hackerattacke hat sich die Uniklinik Düsseldorf heute wieder für die Notfallversorgung angemeldet. Damit könne der Rettungsdienst die Zentrale Notaufnahme wieder anfahren,
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER