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Politik

Mannheims Uniklinikum versucht Neustart

Freitag, 19. Dezember 2014

Mannheim – Aus Sicht des designierten Präsidenten der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft, Thomas Reumann, haben deutsche Kliniken kein grundsätzliches Problem mit Hygiene und Qualität. Den Hygieneskandal am Mannheimer Uniklinikum wertet er als Einzelfall. Wenn aber Fehler passierten, müsse transparent damit umgegangen werden, sagte der Reutlinger Landrat in Stuttgart. Mannheims Uniklinikum kämpft wegen der Beanstandungen des Regierungspräsidiums Karlsruhe seit Oktober um seinen Ruf. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. 

Das Krankenhaus setzt nach dem Hygieneskandal auf Wandel und ersetzt zum Beispiel etwa zwei Drittel seiner OP-Instrumente durch neue. Probleme machten dabei allerdings Lieferengpässe der beauftragten Firmen, sagte einer der beiden Geschäftsführer, Frederik Wenz, am Freitag. „Wir sind nicht die einzigen, die momentan neues Material beschaffen.“

Kontaminierte Medizinprodukte: Unzählige Fehlerquellen möglich

Die Vorwürfe mangelhafter Hygiene gegen das Mannheimer Universitätsklinikum werfen eine alte Frage auf: Warum gibt es keine einheitliche Berufsausbildung, die zur Aufbereitung komplexer und OP-relevanter Medizinprodukte qualifiziert? Seit Jahren gibt es immer wieder Meldungen über Fälle hygienisch unzureichend aufbereiteter Medizinprodukte.

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Gehapert hatte es beim Klinikum auch in der Kommunikation zwischen den verschie­denen Ebenen. Von Mitarbeitern gemeldete Hinweise zu Missständen in der Hygiene sollen in der Organisation versackt sein und Chefetage und Aufsichtsrat nicht erreicht haben.

Risikomanager soll implementiert werden
Damit sich so etwas nicht wiederholt, will die Leitung die Stelle eines Risikomanagers schaffen. Dieser solle dann alle Bereiche des Klinikums regelmäßig analysieren, kündigte Geschäftsführer Jörg Blattmann an. Bislang sei die Aufgabe nicht gebündelt gewesen, sondern „von verschiedenen Personen nebenbei neben ihrer Arbeit“ erledigt worden. Das Konzept sei aber noch nicht fertig. Mitarbeiter sollen künftig außerdem stärker eingebunden werden, wenn es darum geht, Abläufe neu zu gestalten und Informationen weiterzugeben.

Das Uniklinikum geht mit langen OP-Wartelisten ins neue Jahr. Im Zuge der Affäre hat das Krankenhaus sein Operationsprogramm seit mehr als zwei Monaten drastisch heruntergefahren. „Wir haben die erfreuliche Situation, dass die Patienten von der Warteliste nicht abspringen“, sagte Wenz. Er sieht darin ein Indiz dafür, dass die Affäre das Vertrauen der Patienten nicht massiv erschüttert hat. Dringende Eingriffe würden von anderen Kliniken übernommen.

Generelles Misstrauen unangebracht
Der designierte Präsident Reumann sagte, generelles Misstrauen gegenüber den Kliniken sei unangebracht. Seit 1997 seien Qualitätssicherungssysteme gesetzlich vorgeschrieben. „Ich kenne kein Krankenhaus, das darüber hinaus keine eigenes Risikomonitoring betreibt.“ Man dürfe die Leistungen der Kliniken bei Qualität, Patientensicherheit und Hygiene nicht kleinreden.

Es gelte, die bestehenden gesetzlichen und internen Systeme auf Schwachstellen zu untersuchen. „Erst wenn wir dort zum Ergebnis kommen, dass die bestehenden Systeme nicht ausreichen, müssen wir weitere Qualitätskriterien draufsatteln.“ Der beste Indikator für die Qualität eines Krankenhauses seien immer noch die Abstimmung der Patienten mit den Füßen und die Zuweisung der Patienten zu einem bestimmten Krankenhaus durch den niedergelassenen Arzt. „Die Krankenhäuser machen einen richtig guten Job, müssen aber offensiver und selbstbewusster darüber sprechen.“  © dpa/aerzteblatt.de

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