NewsMedizinPressemitteilungen über medizinische Studien oft mit Fehlinformationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pressemitteilungen über medizinische Studien oft mit Fehlinformationen

Montag, 22. Dezember 2014

Cardiff – Unpräzise oder übertriebene Darstellungen wissenschaftlicher Ergebnisse in Pressemitteilungen von Universitäten provozieren häufig eine irreführende Bericht­erstattung über medizinische Studien. Davon gehen Experten um Petroc Sumner und Chris Chambers von der Cardiff University aus. Die Arbeitsgruppe berichtet im British Medical Journal über die häufigsten Gründe für solche Fehlinformationen (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g7015 )

Übertreibungen und falsche Schlussfolgerungen aus Studien können im Rahmen der journalistischen Berichterstattung zu irrtümlichen Interpretationen und falschen Empfehlungen für den Leser führen.

So würden beispielsweise Ergebnisse aus Tiermodellen fälschlicherweise auf den Menschen übertragen oder Korrelationen schnell zu Kausalitäten verkehrt. Die daraus entstehenden Meldungen gehen oft in ihrer Aussage über das hinaus, was die Studienautoren aus ihren Ergebnissen schließen. „Um solche Fehler zu vermeiden, stehen die Pressestellen der Universitäten ebenso wie die Journalisten in der Pflicht, präzise zu berichten“, fordern die Autoren.

Anzeige

Die Wissenschaftler um Sumner und Chambers analysierten 462 Pressemeldungen verschiedener britischer Universitäten und 668 der daraus entstehenden Presse­berichte, um die häufigsten Fehlerquellen zu erschließen. Sie konzentrierten sich in ihrer Auswertung besonders auf drei Hauptfehler: Die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen, falsche Empfehlungen an den Leser und die Erschließung von Kausalitäten auf Grund von Korrelationen.

Die Untersuchung der Wissenschaftler zeigte, dass 40 Prozent aller Presseberichte falsche Empfehlungen gaben, 36 Prozent irrtümlich Ergebnisse vom Tier auf den Menschen übertrugen und 33 Prozent Kausalbehauptungen aufstellten. Diese fehlerhafte Berichterstattung setzte sich, je nach Fehlbehauptung, in 58 bis 81 Prozent der daraus entstehenden Medizinmeldungen fort. Bei Pressemitteilungen, die solche Fehlbehauptungen und Übertreibungen nicht aufwiesen, enthielten nur zwischen zehn und 18 Prozent der daraus entstehenden Berichte einen der drei Hauptfehler.

Die zunehmende Konkurrenz zwischen Universitäten und den Druck für Journalisten, mehr Artikel in kürzerer Zeit zu schreiben, sehen die Wissenschaftler als Hauptgründe für diese Ergebnisse. Da falsche Informationen jedoch häufig von der Pressestelle der Universitäten ausgingen, sehen die Forscher hier einen wichtigen Ansatzpunkt, um Fehler in der Berichterstattung zu vermeiden. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 24. Dezember 2014, 12:45

"copy and paste"-Journalismus weit verbreitet

"Ausschneiden", "Kopieren" und "Einfügen" sind moderne Kulturtechniken n i c h t nur im Wissenschafts-Journalismus ("ich hab's rebloggt"). Es ist immer wieder erschreckend, dass selbst "abstract"-Zusammenfassungen häufig mit dem eigentlichen Publikations-Inhalt keine Übereinstimmung zeigen.

Pressetexte und ad hoc Mitteilungen sind oft marktschreierisch abgefasst, um mehr mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber es lohnt sich, i m m e r hinter die Kulissen zu schauen und die Originalarbeiten zu lesen, um zu verstehen, was die Autoren/-innen tatsächlich gemeint haben.

Aktuelles Musterbeispiel:
http://news.doccheck.com/de/blog/post/1970-fundstueck-der-woche-verharmlostes-ovarialkarzinom/
"CONCLUSION: Among isolated adnexal masses reported as complex and 1-6 cm on pelvic ultrasound in women older than 50 years, the overall risk of malignancy is low." Im krassen Gegensatz zur Formulierung eines niedrigen Malignitäts-Risikos dazu die Erkenntnis, dass eine effektive "Zunahme der operativen Tumorinzidenz bei den Patientinnen von plus 87,07 Prozent nicht mal Erwähnung, geschweige denn eine fundierte Diskussion dieser alarmierenden Ergebnisse erfährt. Das ist keine seriöse Vorstellung von empirisch-wissenschaftlichen Ergebnissen."

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

14. August 2020
Köln – Das ZB Med – Informationszentrum Lebenswissenschaften hat eine spezielle Suchmaschine für Beitrage zur Coronapandemie auf Pre-Print-Server vorgestellt. Auf diesen Servern werden
COVID-19-Suchmaschine für Pre-Print-Server vorgestellt
10. Juni 2020
Berlin – Wissenschaftler wollen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd infolge eines brutalen Polizeieinsatzes international gegen systemischen Rassismus auch in der Forschung protestieren.
Wissenschaftler rufen zu Aktion gegen Rassismus auf
9. Juni 2020
Freiburg – Cochrane Deutschland kritisiert die Qualität vieler Studien zur Coronapandemie, die im Augenblick auf Preprintservern veröffentlicht werden. Grundsätzlich ist das Vorveröffentlichen von
Viele Preprintstudien zu COVID-19 laut Cochrane von minderer Qualität
5. Juni 2020
Berlin – Neu entwickelte Filter machen jetzt eine noch genauere Suche in den Datenbanken Pubmed und Medline (Ovid) möglich. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der McMaster University im kanadischen
Neue Filterfunktionen für wissenschaftliche Datenbanken
26. Mai 2020
Berlin – „Ich habe Besseres zu tun.“ Mit diesem Satz läutete Deutschlands mittlerweile bekanntester Virologe Christian Drosten gestern eine neue Runde in der medialen Auseinandersetzung mit der
Wie Mediziner richtig mit Medienanfragen umgehen
20. März 2020
Berlin – Cochranes Bibliothek wird ab der kommenden Woche temporär kostenlos verfügbar. Der offene Zugang soll den weltweiten Wissensaustausch und die klinische Forschung erleichtern. Das geht aus
Cochrane-Bibliothek frei für alle
24. Februar 2020
Berlin – Einen besseren Zugang zu medizinischer Fachliteratur für Mitarbeiter im Gesundheitswesen und für medizinische Laien fordert das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk). Die
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER