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Ausland

48-Stundewoche reicht zur Ausbildung von Ärzten

Montag, 22. Dezember 2014

London – Eine 48-Stundewoche ist für die Ausbildung von Assistenzärzten ein ange­messenes Arbeitspensum, ohne dass die Qualität der Ausbildung leiden muss. Dieser Meinung sind Sarah Gibb, Mitglied des Royal College of Anaesthetists, und Andrew Hartle, Präsident der Association of Anaesthetists of Great Britain and Ireland. Sie veröffentlichten ein entsprechendes Review im British Medical Journal (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g7323).

Seit Einführung der europäischen Arbeitszeitrichtlinien in Großbritannien im Jahr 2009, sind für Assistenzärzte maximal 48 Stunden Arbeitszeit pro Woche erlaubt. Die Direktive sollte die Arbeitsbelastung verringern und Fehler in der Patientenversorgung durch überarbeitete Ärzte verhindern. Die Initiative wird jedoch nicht von allen Seiten begrüßt. Kritiker gehen davon aus, dass in einer 48-Stundenwoche eine qualitativ hochwertige Ausbildung angehender Fachärzte nicht immer gewährleistet sei.

Die Autoren der Studien argumentieren gegen diese Einschätzung. Ein Beispiel für entsprechende Arbeitszeitmodelle mit qualitativ guter Ausbildung gebe es aus Norwegen. Bereits seit 1980 bestehen dort vergleichbare Arbeitszeitregelungen mit durchschnittlich 45 Stunden pro Woche. Studien konnten für diese Ärzte eine große Zufriedenheit mit der eigenen Ausbildung nachweisen. Eine geringere Arbeitsbelastung und Supervision erwiesen sich als Schlüsselfaktoren für eine effektive Weiterbildung. 

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Opt-Out-Lösungen, bei der vertraglich eine höhere Arbeitszeit vereinbart werden kann, sehen die Autoren der Studie kritisch. So bestehe die Befürchtung, dass personelle Engpässe durch die Assistenzärzte ausgeglichen werden müssen und die zusätzliche Arbeitszeit nicht der Ausbildung diene.

Kritisch äußerte sich Andrew Goddard am Royal College of Physicians London zu den kürzeren Arbeitswochen. Kürzere Arbeitszeiten seien für Ärzte einiger Fachdisziplinen und für Berufsanfänger im Krankenhaus oft nicht ausreichend. So habe eine Studie des Royal College ergeben, dass die Hälfte aller ausbildenden Ärzte meine, durch die Einführung der 48-Stundenwoche sei die Ausbildungsqualität gesunken. Zusätzlich hielten sich 44 Prozent der befragten Assistenzärzte nach der regulären Kernausbildung nicht für ausreichend weitergebildet.

In Großbritannien sei auch die Zahl medizinischer Spezialeingriffe kontinuierlich zurück­gegangen. Beispielsweise sei zwischen 1998 und 2002 verglichen mit den Jahren 2010 und 2014 die Anzahl der Bronchoskopien pro Arzt um 36 Prozent gesunken. Diese könnte langfristig die praktische Erfahrung der Ärzte mindern und zu erhöhten Kompli­kationsraten führen, so die Einschätzung Goddards.

Hartle und Gibb sehen jedoch die Ergebnisse aus Norwegen als Beispiel dafür, dass dem nicht so sein muss. Supervision und gute Arbeitsbedingungen seien langfristig zielführender als eine bloße Mehrbelastung angehender Spezialisten. © hil/aerzteblatt.de

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