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Medizin

Ibuprofen: Können Schmerzmittel das Leben verlängern?

Montag, 22. Dezember 2014

dpa

Novato – Das weit verbreitete und rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel Ibuprofen hat in experimentellen Studien in PLOS Genetics (2014; doi: 10.1371/journal.pgen.1004860) die Lebenszeit von drei häufig in der Altersforschung eingesetzten Spezies verlängert, was die Forscher auf eine Hemmung des Tryptophan-Transports in die Zellen zurückführen.

Die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae, der Fadenwurm Caenorhabditis elegans und die Fruchtfliege Drosophila melanogaster sind (nicht zuletzt aufgrund ihrer Kurzlebigkeit) ein beliebtes Untersuchungsobjekt für die Anti-Aging-Forschung. An diesen Spezies wurde zuerst der Einfluss der Kalorienrestriktion auf die Lebensphase entdeckt. Auch für einige Medikamente konnte eine günstige Wirkung nachgewiesen werden. Dazu zählen das orale Antidiabetikum Metformin sowie Acetylsalicylsäure (ASS) und Celecoxib. Letztere gehören wie Ibuprofen zu den nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID). Es lag deshalb nahe, den Einfluss von Ibuprofen zu untersuchen.

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Ein Team um Michael Polymenis vom Buck Institute in Novato/Kalifornien, ein Ende der 1990er Jahre gegründetes Forschungslabor für Altersforschung, hat hierzu eine Reihe von Experimenten durchgeführt: In allen drei Spezies verlängerte Ibuprofen in einer Konzentration, wie sie beim Menschen während einer typischen Schmerzbehandlung im Blut erreicht wird, die Lebensspanne. Die Hefen gewannen 17 Prozent an Zeit, was in etwa der Hälfte der Auswirkung einer Nährstoffrestriktion entspricht. Fadenwürmer und Fruchtfliegen lebten etwa 10 Prozent länger.

Die Ursache für die Anti-Aging-Wirkung ist nicht bekannt. Eine naheliegende Erklärung über die anti-entzündliche Wirkung von Ibuprofen scheidet aus, da Hefen und Nema­toden über kein Immunsystem verfügen, das eine Entzündungsreaktion wie beim Men­schen auslösen könnte. Polymenis vermutet, dass die Wirkung über die Hemmung der Tryptophan-Aufnahme in die Zelle zustande kommt.

Seine Experimente zeigen, dass Ibuprofen einen Transporter auf der Zellmembran destabilisiert. Genmodifizierte Hefezellen, denen dieser Transporter fehlt, haben ebenfalls eine verlängerte Lebensspanne. Sie müssen die Aminosäure, die für das Überleben der Zellen benötigt wird, selbst herstellen. Viele Pflanzen und Mikroben, einschließlich der Hefebakterien sind im Gegensatz zum Menschen dazu in der Lage.

Die Synthese ist allerdings energieaufwendig – 78 Mol ARP werden für ein Mol Tryptophan benötigt. Dies könnte erklären, warum der Mangel in der Nährstofflösung den Tryptophan-Gehalt in den Hefezellen um 15 bis 20 Prozent senkte. Polymenis vermutet nun, dass dieser relative Mangel die Lebensspanne in ähnlicher Weise verlängert wie eine Kalorienrestriktion.

Er führt das Konzept der Hormesis an. Nach dieser auf Paracelsus zurückgehenden Idee können geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf den Organismus haben. Dies könnte über eine Verlängerung der G1-Phase nach einer Mitose geschehen. In dieser Wiederaufbauphase werden wichtige Zellstrukturen und Organellen ergänzt. Auch der Tryptophan-Bedarf ist erhöht.

Die Hypothese, die Polymenis vorstellt, mag in sich schlüssig sein. Ein Beleg für eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen ist sie jedoch nicht. Der endgültige Beweis durch eine Interventionsstudie, die Teilnehmer auf Ibuprofen und Placebo randomisiert, dürfte niemals erbracht werden. So bleibt der Versuch, durch epidemiologische Studien eine Assoziation zwischen der Einahme von Ibuprofen und einem Nutzen für die Gesundheit herzustellen.

Polymenis weist hier auf zwei in Neurology (2008; 70: 1672–1677 sowie 2011; 76: 863-869) publizierte Studien, in denen Menschen, die Ibuprofen einnahmen, seltener an Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson erkrankten. Als Argument für die prophylak­tische Einnahme von Ibuprofen reicht dies sicher nicht aus, da das Mittel, wenn auch seltener als andere nicht-steroidale Antiphlogistika, Magen-Darm-Blutungen auslösen kann. Die Nutzen-Schaden-Bilanz kann in einer solchen Situation schnell negativ ausfallen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Freitag, 19. Februar 2016, 08:38

leider nicht beim Menschen! das cardiovasculäre Risiko steigt!

Jüni, P., et al., Cardiovascular safety of non-steroidal anti-inflammatory drugs: network meta-analysis. British Medical Journal, 2011, doi: 10.1136/bmj.c7086
LNS

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